DH-Handbuch/Infrastruktur

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Nachhaltigkeit


Ziele und Grundlagen einer Forschungsinfrastruktur

Werkzeuge und Methoden, die wir aus den angewandten Wissenschaften und den Naturwissen­schaften kennen, lassen sich nicht ohne Weiteres auf die Geistes- und Kulturwissenschaften über­tragen. Eine Forschungsinfrastruktur selbst kann aber als Werkzeug für die digitale geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung verstanden werden. Dieses Werkzeug besteht aus vielen verschiedenen Komponenten und erlangt durch bedarfs­gerechte Vielfalt, die in Zusammenarbeit mit den FachwissenschaftlerInnen entworfen und ent­wickelt wird, seine Mächtigkeit. Es ist jedoch darauf zu achten, die Balance zwischen sehr fachspezifischen Anforderungen einerseits und möglichst generischen Entwicklungen für alle Disziplinen andererseits zu halten. Nur so kann es gelingen, kom­plexe Forschungsfragen aus unterschiedlichsten und fachlich übergreifenden Blickwinkeln for­mulieren zukönnen.

Forschungsinfrastrukturen (FI) sind kein statisches Produkt, sondern sind als kontinuierlicher Prozess zu betrachten. Dieser Prozess beinhaltet auch, wie verschiedene Forschungsverbünde zeigen, eine starke Vernetzung der FachwissenschaftlerInnen. Nur durch den Zusammenschluss von Wissen­schaftlerInnen in nationalen und internationalen Kooperationsvorhaben und Kollaborationen kön­nen wichtigen Forschungsfragen beantwortet und Erkenntnisse erzielt werden. 

Im Zeitalter von e‑Science bzw. e-Research werden Theorie, Experiment und Simulation zusammengeführt und durch eine Forschungsinfrastruktur unterstützt. Die Forschungsinfrastruktur selbst besteht dabei aus vielfältigen Angeboten und Diensten in den Kernbereichen Forschung, Lehre, Forschungsdaten sowie Technische Infrastruktur[1]. Lediglich im Zusammenspiel aller Bereiche lassen sich digital arbeitende WissenschaftlerInnen optimal fördern.

Forschung: Zur Etablierung einer digitalen Forschungskultur ist das Wissen um entsprechende Forschungsmethoden und Verfahren in den Geisteswissenschaften zu fördern. Der Einsatz dieser Methoden und Verfahren wird durch digitale Dienste und Werkzeuge unterstützt, die konzipiert, entwickelt und als Basisinfrastruktur bereitgestellt werden. Anhand konkreter Forschungsfragen werden zunächst die fachwissenschaftlichen Bedürfnisse identifiziert. Basierend darauf können einzelne Lösungen als sogenannte Demonstratoren bzw. fachwissenschaftliche Dienste entwickelt werden, um exemplarisch Potentiale, Methoden und Leistungen der Digital Humanities aufzuzeigen.

Lehre: Der kompetente Umgang mit digitalen Ressourcen, Konzepten und Methoden der Digital Humanities muss Eingang in die Lehre und Fortbildung von GeisteswissenschaftlerInnen auf allen Stufen ihrer Ausbildung und beruflichen Praxis finden. Eng vernetzt mit den fachwissenschaftlichen Communities werden bestehende Studien- und Weiterbildungsangebote abgestimmt, besser sichtbar gemacht und weiterentwickelt. Darüber hinaus können eigene Qualifizierungsmodule, wie z.B. thematisch fokussierte, internationale Expertenworkshops, angeboten werden. 

Forschungsdaten: Forschungsdaten spielen eine zentrale Rolle im gesamten Forschungsprozess von der Recherche und Erfassung über die Analyse und Verarbeitung bis hin zur Publikation und anschließenden Nutzung auch durch Dritte. Eine wesentliche Grundlage dafür ist der vertrauensvolle und ungehinderte Zugriff auf diese Forschungsdaten und -ergebnisse. Fachrelevante Standards für Daten, Metadaten, Lizenzen, Werkzeuge sowie Prozeduren und Organisationsstrukturen müssen evaluiert und diskutiert werden um Empfehlungen abgeben zu können.

Technische Infrastruktur: In diesem Bereich werden Software-, Plattform- und Infrastruktur-Hosting-Services sowie operative IT-Dienste als tragfähige und flexibel anpassbare Lösungen entwickelt und bereitgestellt. Beispiele für Komponenten einer technischen Infrastruktur finden sich im nächsten Kapitel.

Aufbau einer Forschungsinfrastruktur am Beispiel von DARIAH-DE

Wer digital forscht und Verfahren der Digital Humanities anwendet, benötigt entsprechende Werkzeuge und Dienste. Operative IT-Dienste bilden die Grundlage aller Entwicklungstätigkeiten und den Betrieb des technischen Teils einer Forschungsinfrastruktur. Zu diesem Bereich zählen beispielsweise 

  • eine kollaborative Arbeitsumgebung zur gemeinsamen Bearbeitung von Texten und Code, 
  • die Bereitstellung virtueller Maschinen für eine Vielzahl von Diensten, 
  • eine nachhaltige Speicherung von Forschungsdaten
  • eine Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur zur Sicherungstellung eines sicheren Zugriffs und einer sicheren Nutzung von Angeboten und Forschungsdaten, 
  • ein zentrales Monitoring von Diensten und Werkzeugen und 
  • eine zentralen Anlaufstelle für alle Fragestellungen rund um die Infrastruktur. 

Auf dieser Basis fußt der Aufbau von 'höherwertigen' und fachwissenschaftlichen Diensten und Angeboten einer digitalen Forschungsinfrastruktur für die Kultur- und Geisteswissenschaften. In diesem Abschnitt werden exemplarisch Komponenten der Forschungsinfrastruktur von Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities (DARIAH-DE) beschrieben, die für fachwissenschaftliche Dienste bereits genutzt werden. Diese und weitere Informationen finden sich hier[2].

Kollaborative Arbeitsumgebung

Der wachsende Bedarf nach kollaborativen digitalen Methoden und Werkzeugen wird von DARIAH-DE aufgegriffen und im Rahmen des Aufbaus und Betriebs einer digitalen Forschungsinfrastruktur realisiert. Durch kollaborative Arbeitsumgebungen können digitale Werkzeuge und Dienste – unabhängig von Betriebssystem, Softwareausstattung oder Standort – gemeinsam genutzt und Daten und Texte zeitgleich bearbeitet werden. Das gemeinsame Arbeiten an einem digitalen Projekt wird durch ein differenziertes Rechtemanagement (Rechte- und Rollenzuweisung) wesentlich erleichtert und ermöglicht die Zusammenarbeit in einer geschützten Umgebung. Dank der Bandbreite an Werkzeugen und Forschungsdaten können neue Fragen an alte Forschungsgegenstände formuliert werden oder auch neue Forschungsfragen entstehen. Durch die bessere Vernetzung von WissenschaftlerInnen können außerdem Forschungsthemen vertieft, ein aktiverer Austausch befördert und Forschungsergebnisse leichter von anderen WissenschaftlerInnen nachgenutzt werden.  

DARIAH-DE bietet verschiedene Dienste für das kollaborative Arbeiten am Forschungsgegenstand (z.B. Text-Quellen) an. Forschungsdaten und Quellen können im DARIAH-DE Repository oder im TextGrid Repository[3] gespeichert und von für das jeweilige Projekt autorisierten Personen orts- und zeitunabhängig mit Hilfe von verschiedenen Werkzeugen und Diensten bearbeitet werden. Im Etherpad[4] können mehrere Personen ortsunabhängig, aber zeitgleich gemeinsam einen Text erstellen und schreiben. Im Wiki können Forschende ihre (Teil-)Ergebnisse sammeln, bearbeiten und ihre Dokumentation auch anderen Personen zur Verfügung stellen. Das angebotene Wiki-System bietet die Möglichkeit, einen passwortgeschützten internen und einen zugriffsfreien öffentlichen Bereich einzurichten.  

Ergänzend dazu werden im Developer-Portal[5] weitere Werkzeuge und Softwarekomponenten für die Realisierung von DH-Projekten bereitgehalten. Das Developer Portal basiert auf einer Reihe von Standard-Entwicklerwerkzeugen, die für Forschungs- und Entwicklungsprojekte der Digital Humanities "on demand" und flexibel eingerichtet werden können. Aktuell stehen im Developer Portal folgende Werkzeuge zur Verfügung, die auf vielfältige Weise Entwicklungsprozesse unterstützen:  

  • Confluence[6] - Dokumentation von Ergebnissen und Projektmanagement
  • E-Mail-Liste[7] - einfache Erreichbarkeit aller Projektmitarbeiter 
  • SVN[8] - Versionskontrollsystem, das für gemeinsame Softwareentwicklung genutzt werden kann
  • Jira[9] - Dokumentation und Management von Aufgaben (nicht nur für Software)
  • Projektverwaltung[10] - einfache, online Verwaltung von Projekten und Issues
  • Jenkins[11] - Unterstützung beim automatischen Kompillieren und Testen von Software

​Verschiedene Nutzungsszenarien und viele Aufgaben können durch das vielfältige Angebot an Werkzeugen, das laufend entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der DH-Developer-Community erweitert wird, abgedeckt werden.

Bereitstellung virtueller Maschinen

Die Bereitstellung von digitalen Ressourcen ist ein essentieller Baustein jeder verteilten Forschungsinfrastruktur. Das DARIAH-DE Hosting von Virtuellen Maschinen (VM) ist technisch vergleichbar mit den Angeboten von bekannten kommerziellen Cloud-Diensten, wobei die von DARIAH-DE für Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen angebotenen VMs besonders auf die Anforderungen und Bedürfnisse dieser Disziplinen zugeschnitten sind.

Bild: Bereitstellung virtueller Maschinen, Quelle: https://de.dariah.eu/documents/10180/356681/VMs_DARIAH.png

Die beteiligten Rechen- und Datenzentren können in diesem Zusammenhang auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen. Die Bereitstellung von Virtuellen Maschinen umfasst in DARIAH-DE:

  • Zugriff auf VMs mit vorinstalliertem und konfiguriertem Betriebssystem
  • VMs für Testzwecke und Produktionservices
  • High-End-Ressourcen (Rechenleistung, Speicher, Netzwerk)
  • Grundkonfiguration der Systeme (Firewall usw.)
  • Einbindung in das DARIAH-DE Monitoring
  • Sicherung der Dateisysteme

Bereitstellung von Speicher

Eine verlässliche, nachhaltige und persistente Speicherung von Daten ist die Grundvoraussetzung für jedes Forschungsprojekt. Die konkreten Anforderungen können allerdings deutlich voneinander abweichen. Die Daten der Projekte und Forscher unterscheiden sich in ihrer:

  • Größe (von einigen wenigen Kilobyte für einen Brief in einer Textdatei bis zu vielen Gigabyte für eine Filmaufnahme einer Oper),
  • Menge (von einigen Bilddateien eines seltenen, wertvollen Manuskripts bis zu mehreren Millionen Bilddateien einer gesamten Bibliothek)
  • und Typ, da es eine Vielzahl unterschiedlicher Formate für Text, Bild, Audio und Video gibt.

Um eine nachhaltige Referenzierung der gespeicherten Daten zu ermöglichen, wird die Verwendung von persistenten Identifikatoren (Persistent Identifier oder PID) empfohlen. Dienste wie das DARIAH-DE Repositorium erlauben eine umfassendere Preservation und die Kombination verschiedener Komponenten.

Nachhaltige Speicherung von Bitstreams


Die DARIAH Bit Preservation wurde zur nachhaltigen, sicheren und persistenten Speicherung heterogener geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten entwickelt und ist durch die folgenden Eigenschaften gekennzeichnet[12]:

  • Daten werden unabhängig von Größe, Format oder Inhalt gespeichert.
  • Nur administrative Metadaten werden erstellt und verwaltet. Inhaltlich erschließende Metadaten werden auf dieser Ebene als Datei behandelt.
  • Es werden hauptsächlich CREATE und READ Operationen angewendet. Methoden zum Aktualisieren (UPDATE) oder Löschen (DELETE) sind verfügbar, werden allerdings selten bzw. nur administrativ genutzt.
  • Es werden Mechanismen zur Sicherstellung der Datenintegrität bereit gestellt.
  • Der Zugriff wird sowohl über intuitive, von Forschern einfach zu nutzende als auch über maschinenlesbare Schnittstellen ermöglicht.
  • Durch Nutzung der DARIAH Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastrukture werden unerlaubte Zugriffe und Modifikationen verhindert.

Ein besonderer Fokus liegt auf Modularität und technologischer Nachhaltigkeit. Durch eine Speicherabstraktionsschicht können die anbietenden Institutionen zum einen ihre vorhandenen Speichersysteme nutzen, zum anderen werden Datenmigrationen bei veralteter Software ermöglicht. Als Software wird in diesem Kontext zur Zeit iRODS[13] eingesetzt, eine relativ weit bekannte Open-Source Software (OSS) zur redundanten Verwaltung und Speicherung großer Datenmengen.

Für die Interaktion mit der Bit Preservation wurden zwei Schnittstellen spezifiziert, die DARIAH Storage API und die DARIAH Admin API. Beiden Schnittstellen basieren auf den Standards HTTP- und REST, die sich im Bereich Webservices durchgesetzt haben. Die DARIAH Storage API bietet Funktionalitäten zur einfachen Speicherung von Dateien, die DARIAH Admin API erlaubt Interaktion mit der Bitstream Preservation Komponente des Systems. Unter anderem können von den anbietenden Institution so genannte Bit Preservation Level festgelegt werden, die unterschiedlichen Güten der Preservationsmaßnahmen beschreiben. Zusätzlich können Informationen zu den Dateien wie Anzahl und Lokation der Repliken, verwendeter Prüfsummenalgorithmus, Häufigkeit der Integritätsüberprüfungen usw. abgefragt werden.

Nachhaltige Referenzierung von Digitalen Objekten

PID-Service in DARIAH-DE, Quelle: https://de.dariah.eu/dariah-svg/small/PID_690.png

Kontinuierlich steigt die Menge der digital gespeicherten Daten in allen Bereichen der Forschung an. Die Verwaltung der Daten wird dadurch zunehmend komplexer, so dass insbesondere die nachhaltige Referenz auf Daten und ihre dauerhafte Zitierbarkeit eine große Herausforderung darstellt. Verweise können durch einen persistenten Identifikator (Persistent Identifieroder PID), der eine Mittlerrolle einnimmt, somit stabil bleiben, auch wenn sich der Speicherort der Daten ändert.

PIDs können in vielfältiger Art eingesetzt werden, beispielsweise um Daten und Metadaten zu digitalen Objekten zu bündeln, stabile Links für Publikationen bereitzustellen oder die Datenarchiverung zu organisieren. Voraussetzung ist eine entsprechende Pflege der Links, auf die die PIDs verweisen. Aus diesem Grund sollten persistente Identifikatoren jeweils in Zusammenhang und in Absprache mit einer Institution (zum Beispiel einem Institut, einem Datenzentrum, einem Rechenzentrum oder einem Repository), die für die dauerhafte Stabilität der PID-Verweise sorgen kann, verwendet werden.

Es existieren verschiedene PID Anbieter, deren Technologien ermöglichen, Identifikatoren zu erzeugen, zu verwalten und aufzulösen. Jeder PID Anbieter trifft bestimmte Grundannahmen über Daten und deren Verwendung. Der Ansatz der DARIAH Forschungsinfrastruktur sieht beispielsweise vor, dass PIDs bereits früh im Bearbeitungsprozess verwendet werden, selbst wenn noch nicht klar ist, ob das Objekt in eine Archivierung überführt wird und somit dauerhaft erhalten bleibt. 

Die Anforderungen von DARIAH-DE stellen vergleichsweise wenig Grundbedingungen an die zu referenzierenden digitalen Objekte, was durch den PID Anbieter unterstützt werden muss. In DARIAH-DE wurde aus diesem Grund der EPIC PID Service als vertrauenswürdiger Persistenter Identifier Dienst gewählt. Das European Persistent Identifier Consortium (EPIC)[14] wurde 2009 mit dem Ziel gegründet, den europäischen Forschungsgemeinschaften einen einfachen PID-Service bereitzustellen. Unter den Nutzergruppen befinden sich Projekte wie EUDAT[15], CLARIN[16], TextGrid[17] und DARIAH. Über den EPIC Dienst ist es möglich, so genannte Handle[18] Identifikatoren zu erzeugen, zu verwalten und aufzulösen.

Der vergebene Identifier ist im Gegensatz zu anderen Ansätzen relativ flexibel in ihrer Gültigkeit, da im EPIC Standard der Gültigkeitszeitraum eines Identifiers selbst bestimmt werden kann. Dieses System kann zum Beispiel zur Behandlung von Objekten unterschiedlicher Granularität und deren flexiblen Kombination zu neuen Objekten / Kollektionen von besonderem Interesse im DARIAH Repository[19] sein. Zudem können EPIC PIDs, falls dies vom WissenschaftlerInnen gewünscht ist, problemlos in Digital Object Identifier (DOI)[20] PIDs überführt werden, da beide Anbieter eine Technologie auf Basis von Handle-Identifiern verwenden.

Sichere Dienste und Daten

DARIAH Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur (AAI), Quelle: https://de.dariah.eu/dariah-svg/small/130904-AAI_690.png

Eine Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur (AAI) ist für den Betrieb einer Forschungsinfrastruktur unabdingbar. Zum einen muss sichergestellt werden, dass Anfragen einer BenutzerIn wirklich von ihr stammen (Authentifizierung) und dass sie zu dieser Operation auf eine bestimmte Ressource berechtigt ist (Autorisierung). Zu diesem Zweck können so genannte Attribute von einer zentralen Instanz abgefragt werden, beispielsweise Zugehörigkeit zu einer Nutzergruppe, und zur Entscheidungsfindung herangezogen werden.

Die Authentifizierungs- und Autorisierungskomponente von Forschungsinfrastrukturen basieren auf internationalen Standards, die sich im letzten Jahrzehnt sowohl im Hochschulbereich als auch in der Industrie durchgesetzt haben. Auf diese Weise wird ein gemeinsames Vokabular verwendet, das die Authentifizierung der BenutzerInnen der teilnehmenden Einrichtungen bei den gewünschten Forschungsinfrastrukturen ermöglicht. In DARIAH-DE werden zur Zeit der Security Assertion Markup Language (SAML) Standard[21] sowie die open source Implementierung Shibboleth[22] verwendet.

Forschungsinfrastrukturen sind meist Teil eines Verbundes, so genannten Föderationen, um Ressourcen bereitzustellen und nutzen zu können. DARIAH-DE ist beispielsweise Teil der deutschen Hochschulföderation DFN-AAI[23]. Auf diese Weise können sich auch MitarbeiterInnen von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen für DARIAH-DE Dienste authentifizieren. Im Rahmen des europäischen Geant-Projekts nimmt die DFN-AAI an der Meta-Föderation eduGain[24] teil, so dass die Dienste auch BenutzerInnen der dort angebundenen nationalen Föderationen offen stehen. Eine zusätzliche Komponente der DARIAH-DE Benutzerverwaltung erlaubt ebenfalls BenutzerInnen ohne Zugehörigkeit zu einer Forschungseinrichtung der angebundenen Föderationen die Teilhabe an Ressourcen, Projekten und Diensten einer Forschungsinfrastruktur.

Monitoring von Diensten

Zum Betrieb der digitalen Forschungsinfrastrukturen gehört die Überwachung (das Monitoring) von Infrastrukturkomponenten und Diensten. Durch Monitoring können eventuell auftretende Probleme identifiziert und Ausfälle schnellstmöglich behoben werden.  Bei vielen Ressourcenanbietern sind bereits Systeme in Betrieb, die Server und Dienste überwachen. Aus der Sicht der Anbieter stehen allerdings vor allem die eigene Hardware und der Zustand der Basisdienste im Fokus. 

Das Monitoringsystem einer Forschungsinfrastruktur soll sowohl EndnutzerInnen als auch AdministratorInnen gerecht werden. Neben der Verarbeitung der bereits vorhandenen Monitoringinformationen der Anbieter muss es zusätzlich die bereitgestellten fachwissenschaftlichen Dienste integrieren, was auf Grund ihrer Komplexität  in vielen Fällen keine triviale Aufgabe ist. 

Das Monitoring ermöglicht die Überwachung entfernter Server und Dienste, die Sicherstellung der Erreichbarkeit der Systeme, sowie die Abfrage des allgemeinen Systemzustands. Durch die verwendete Software kann der Status der integrierten Systeme und Dienste visualisiert und die Einhaltung von Dienstgütevereinbarungen überwacht werden. Im Falle eines Ausfall werden Verantwortliche  automatisch benachrichtigt, um die Verfügbarkeit des Dienstes durch ein möglichst schnelles Eingreifen zu gewährleisten. 

Zentrale Unterstützung bei Fragen

Beim Umgang mit einer Forschungsinfrastruktur können vielfältige Fragen entstehen, die mit den technischen und/oder fachwissenschaftlichen Experten besprochen werden müssen. Eine sorgfältige Dokumentation der behandelten Themenfelder ist für alle ForscherInnen hilfreich, da viele Fragestellungen mehrmals auftreten und auf diese Weise direkt gelöst werden können. Ein so genanntes Support- oder Helpdesk-System unterstützt eine unkomplizierte und effektive Anfrage- sowie Supportbearbeitung. Mit dem Support- oder Helpdesk-System soll sichergestellt werden, dass keine Anfrage oder Nachricht verloren geht. Zusätzlich ermöglicht ein solches System jederzeit einen Gesamtüberblick über die zu bearbeitenden Vorgänge und kann den gesamten Verlauf einer Anfrage inklusive aller Antworten dokumentieren. 

Die Anfragen, Aufgaben und Fragestellungen werden in sogenannten "Tickets" zusammengefasst und abgearbeitet. Ein Ticket ist prinzipiell ein Container für die Kommunikation zwischen den beteiligten Personen wie beispielsweise Fragesteller, Bearbeiter oder Manager bezüglich einer Anfrage. Die verwendete Software hilft beim Empfang, bei der Bestätigung, bei der Klassifizierung und bei der Bearbeitung von Anfragen bzw. Tickets. Es besteht die Möglichkeit Tickets in verschiedene Bereiche wie beispielsweise "Mail" oder "Speicherplatz" einzuteilen und auf diese Weise direkt einer Person oder Personengruppe zur Bearbeitung und Lösung zuzuweisen. Bei jeder Aktion kann eine Benachrichtigung an verschiedene Personengruppe gesendet werden.

Die Grundfunktionalität inklusive Erweiterungen der meisten Systeme decken viele generische Abläufe in Forschungsinfrastrukturen gut ab. Sollen spezifische Abläufe unterstützt und abgebildet werden, sind eigene Modifizierungen und Anpassungen nötig. Aus diesem Grund wird die Verwendung von Open Source Software (OSS) empfohlen.

Einbindung neuer Werkzeuge und Dienste 

Service Life Cycle von der DARIAH-DE Forschungsinfrastruktur, Quelle: https://de.dariah.eu/dariah-svg/small/131202_QS_690.png

Die Integration von neuen Diensten in einer Forschungsinfrastruktur ist ein komplexer Vorgang, bei dem sowohl technische als auch fachwissenschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden müssen. Zu diesem Zweck sollten Dienste bereits während des Entwicklungsprozesses bis zum Produktivbetrieb von Mentoren aus beiden Bereichen betreut und begleitet werden.

Die Abbildung illustriert einen möglichen Ablauf, wie ein neuer fachwissenschaftlicher Dienst in eine Forschungsinfrastruktur (Beispiel DARIAH-DE) aufgenommen werden kann. In der ersten Phase, dem Proposal State, werden Mentoren benannt und es wird evaluiert, ob ein Dienst oder das Werkzeug sich als DARIAH-Komponente integrieren lässt. Die technischen und fachwissenschaftlichen Mentoren begleiten den kompletten Integrationsprozess. Nach einer Entscheidung beginnen die Entwicklungen in der Development State. Hier wird der betreffende Dienst und dessen Dokumentation weiterentwickelt und in die DARIAH-Infrastruktur eingebunden. Um eine hohe Qualität sicherzustellen, erfolgen im Anschluss an die Entwicklung ausführliche Tests. In diesem Testing State wird der Dienst von geisteswissenschaftlichen Nutzergruppen getestet und deren Rückmeldung eingeholt. Bei Bedarf wird der Dienst weiterentwickelt. Damit der entwickelte Dienst in die Produktionsphase übergehen kann, müssen im Handover State dessen Komponenten, z.B. Software, Daten und Dokumentation, einem Service Hosting Team übergeben werden. In der letzten Phase, dem Production State, sorgt DARIAH-DE für den nachhaltigen Betrieb, die Pflege des Dienstes sowie dessen Verbreitung. Der Dienst steht allen Benutzern zur Verfügung, die die DARIAH Terms of Use akzeptieren. 

Links und Literatur

Scott Cantor, John Kemp, Rob Philpott, Eve Maler. Assertions and Protocols for the OASIS Security Assertion Markup Language (SAML) V2.0, http://docs.oasis-open.org/security/saml/v2.0/saml-core-2.0-os.pdf

Tibor Kálmán, Daniel Kurzawe, Ulrich Schwardmann: European Persistent Identifier Consortium -­ PIDs für die Wissenschaft. In: Reinhard Altenhöner und Claudia Oellers (Hrsg.): Langzeitarchivierung von Forschungsdaten – Standards und disziplinspezifische Lösungen, Berlin 2012, S. 151 – 168 ISBN 978-3-944417-00-4

Danah Tonne, Jedrzej Rybicki, Stefan E. Funk, Peter Gietz . Access to the DARIAH Bit Preservation Service for Humanities Research Data. In 21st Euromicro International Conference on Parallel, Distributed and Network-Based Processing (PDP2013), S. 9-15

Anmerkungen

  1. https://de.dariah.eu/dariah-visualisiert
  2. https://de.dariah.eu/
  3. http://www.textgridrep.de/
  4. http://etherpad.org/ - die DARIAH Instanz findet man unter https://etherpad.de.dariah.eu/
  5. https://de.dariah.eu/developer-portal
  6. https://www.atlassian.com/software/confluence - die DARIAH Instanz findet man unter https://wiki.de.dariah.eu/
  7. https://listserv.gwdg.de/mailman/listinfo
  8. http://subversion.apache.org/ - die DARIAH Instanz findet man unter http://dev.dariah.eu/svn/repos
  9. https://www.atlassian.com/software/jira - die DARIAH Instanz findet man unter http://dev.dariah.eu/jira
  10. Projektverwaltung, https://projects.gwdg.de/
  11. http://jenkins-ci.org/ - die DARIAH Instanz findet man unter https://ci.de.dariah.eu/jenkins/
  12. Danah Tonne, Jedrzej Rybicki, Stefan E. Funk, Peter Gietz . Access to the DARIAH Bit Preservation Service for Humanities Research Data. In 21st Euromicro International Conference on Parallel, Distributed and Network-Based Processing (PDP2013), S. 9-15
  13. http://irods.org/
  14. http://www.pidconsortium.eu/ oder auch: Tibor Kálmán, Daniel Kurzawe, Ulrich Schwardmann: European Persistent Identifier Consortium -­ PIDs für die Wissenschaft. In: Reinhard Altenhöner und Claudia Oellers (Hrsg.): Langzeitarchivierung von Forschungsdaten – Standards und disziplinspezifische Lösungen, Berlin 2012, S. 151 – 168. ISBN 978-3-944417-00-4
  15. http://eudat.eu/ http://eudat.eu/
  16. http://clarin.eu/
  17. https://textgrid.de/
  18. http://www.handle.net/
  19. https://de.dariah.eu/repository
  20. http://www.doi.org/
  21. Scott Cantor, John Kemp, Rob Philpott, Eve Maler. Assertions and Protocols for the OASIS Security Assertion Markup Language (SAML) V2.0, http://docs.oasis-open.org/security/saml/v2.0/saml-core-2.0-os.pdf
  22. https://shibboleth.net/
  23. https://www.aai.dfn.de/
  24. http://services.geant.net/edugain/Pages/Home.aspx