DH-Handbuch/Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit

Allzu oft ist es üblich, dass Werkzeuge und Dienste, die im Rahmen von Forschungsprojekten entwickelt werden, nach Ablauf des Förderzeitraums nicht mehr selbst genutzt und weiterentwickelt bzw. gepflegt werden und so anderen WissenschaftlerInnen gar nicht erst zur Nachnutzung angeboten werden können. Eine Möglichkeit ist die Übergabe der erstellten Software und Erkenntnisse zur Integration in eine Forschungsinfrastruktur. Auf diese Weise haben WissenschaftlerInnen zentrale Anlaufstellen und Mehrfachentwicklungen können vermieden werden. Der Begriff Nachhaltigkeit lässt sich in verschiedene Teilaspekte unterteilen: Fachwissenschaftliche, daten-technische, technische und betriebliche- und organisatorische Nachhaltigkeit.

Fachwissenschaftliche Nachhaltigkeit

Wenn es keine ForscherInnen und WissenschaftlerInnen mit dem entsprechenden Verständnis für neue Methoden der Datennutzung, -analyse und -interpretation gibt, bleiben selbst umfangreichste Repositorien mit hochwertigen Forschungsdaten letztlich wertlos. Erworbenes Wissen kann jedoch durch vielfältige Angebote aus dem Bereich Lehre[1][2] und in einer Forschungsinfrastruktur an die nächste Generation weitergegeben und durch neue Anregungen ergänzt werden. Durch einen Diskurs innerhalb der Gemeinschaft können neue Ansätze kritisch hinterfragt, an spezifische Anforderungen angepasst, weiter verbessert und schließlich fester Teil des Forschungsprozesses werden.

Technische Nachhaltigkeit

Auf der einen Seite müssen relevante fachwissenschaftliche Dienste technisch betreut und in die Infrastruktur integriert werden. Zu diesem Zweck kann die betreffende Infrastruktur beispielsweise einem Projekt ein Mentorenteam bestehend aus einem technischen und einem fachwissenschaftlichen Experten zur Verfügung stellen und möglicherweise bereits während der Entwicklung Hinweise zur Verwendung bestimmter Standards und Schnittstellen geben. Auf der anderen Seite muss bei den technischen Basisdiensten ein besonderer Augenmerk auf Modularität und leichter Austauschbarkeit der verwendeten Komponenten gelegt werden. Technologien unterliegen einem ständigen Wandel und müssen in regelmäßigen Abständen ersetzt werden, was auch in diesem Fall durch die Verwendung von Standards und standardisierten Schnittstellen erleichtert wird. 

Daten-technische Nachhaltigkeit

Im Kontext der Nachhaltigkeit von Daten ist beispielsweise die technische Interoperabilität von Daten und Werkzeugen sowie der Zugang zu den Daten und deren Langzeitarchivierung zu nennen. Diese beiden Herausforderungen können vor allem durch organisatorische und konzeptuelle Maßnahmen wie generische Standards oder Empfehlungen für Prozeduren und Organisationsstrukturen angegangen werden. 

Betriebliche und organisatorische Nachhaltigkeit

Der Betrieb einer Forschungsinfrastruktur muss langfristig gesichert werden, auch wenn beispielsweise die beteiligten Organisationen in einigen Jahren nicht mehr existieren. Auch in der Zukunft müssen Kosten für Ressourcen und Personal abgedeckt und eine dynamische Infrastruktur weiter betreut werden. Nur wenn ForscherInnen sicher sein können, dass verwendete Komponenten längerfristig erhalten bleiben, kann Vertrauen in eine Forschungsinfrastruktur entstehen. 

Ein besonders auf Nachhaltigkeit ausgelegtes Förderprogramm ist das European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI)[22], das durch die besondere Struktur der Projekte eine Förderdauer von mindestens 15 Jahren vorsieht. Im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften konnten einige Projekte bereits auf der so genannten ESFRI-Roadmap[23] platziert werden.

Anmerkungen

  1. Eine umfangreiche Sammlung von Lehrmaterialien zu allen Bereichen der Digital Humanities findet sich auf https://www.oercommons.org/groups/dariah/229/
  2. Unter http://dh-registry.de.dariah.eu/courses/index/country:germany wurde eine Übersicht von Studiengängen der Digital Humanities geschaffen