Handbuch CoScience/Praesentieren

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Autor: Sascha Friesike

Kontributoren: Janna Neumann, Martin Mehlberg


Neben dem Publizieren ist das Präsentieren ein weiterer Kanal, den Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nutzen, um ihre Forschungsergebnisse nach außen zu tragen. Präsentationen können vor unterschiedlichstem Publikum gehalten werden und unterscheiden sich dabei in ihrem Format, der Zielgruppe und der Länge. Eine entsprechende Vorbereitung auf Zeitfenster, Format und Publikum hilft dabei, das Publikum nicht zu langweilen oder zu überfordern. Die folgenden Punkte geben einen Überblick und bieten zudem Referenzen für das vertiefte Literaturstudium zum Thema 'Präsentieren'.

Analog beginnen

Durch all unsere Computer und Tools, die uns dabei helfen gemeinsam Dokumente zu erstellen, vergessen wir oft, dass ein Vortrag kein Satz Folien ist, sondern gesprochenes Wort. Ehe wir uns also daran machen den eigenen Vortrag graphisch umzusetzen, ist es wichtig, ihn erst einmal inhaltlich auszuarbeiten. Dabei hilft die Beachtung einiger Regeln der Rhetorik. Die Anfänge der Rhetorik lassen sich bis ins antike Griechenland zurückverfolgen und ihre Regeln haben sich durch die Erfindung von Powerpoint nicht wesentlich verändert. Unsere Art und Weise, wie wir Vorträge entwickeln hat sich jedoch verändert und so fragt man heute leider viel zu oft "Welche Folie zeige ich am besten?", anstatt zu fragen "Was sage ich am besten?". Auch wenn ein wissenschaftlicher Vortrag ein eigenes Genre ist und sich sicherlich in einiger Hinsicht von anderen Vorträgen unterscheidet, so ist und bleibt er ein Vortrag, für den die Grundlagen des Vortrags gelten. Zu diesen Grundlagen sind etliche Bücher geschrieben worden, die es sich lohnt zu lesen, folgende seien besonders ans Herz gelegt:

  • Seifert, Josef W. (201134), Visualisieren, Präsentieren, Moderieren. Offenbach: GABAL Verlag. -->Was hat es mit der 34 auf sich?
  • Fey, Gudrun (20133), Sicher und überzeugend präsentieren : Motivieren - Strukturieren - Aktivieren, Präsentation, Kurzvortrag, Referat. Regensburg: Walhalla Fachverlag -->Was hat es mit der 3 auf sich?

Folien, Folien, Folien

Eine Folie, die überwiegend mit Text gefüllt ist, ist in fast allen Fällen die schlechteste Präsentationsform und sollte nur dann genutzt werden, wenn es wirklich nicht anders geht und nicht - wie leider all zu oft der Fall - als 'Default'. Ein guter Vortrag 'lebt' von seinen Bildern und dem gesprochenen Wort dazu. Auch wenn es zunächst nicht so erscheint, können viele Aussagen auch mit Bildern und/oder Grafiken visualisiert werden. Dabei sollten Sie jedoch immer bedenken, dass die von Ihnen genutzten Bilder/Grafiken urheberrechtlich geschützt sein können. Ggf. dürfen Sie diese Grafiken dann nur eingeschränkt nutzen und die Vortragsfolien im Nachgang nicht öffentlich zugänglich machen.

Virtuelle Vortragsplanung

Im Idealfall probt man einen Vortrag mindestens einmal, bevor man ihn hält. Viele professionelle Redner sagen, dass sie neue Vorträge sogar mindestens dreimal proben, ehe sie damit vor ein Publikum treten. Jeder, der mehrmals denselben Vortrag halten musste, dem wird aufgefallen sein, dass es von mal zu mal leichter wird. Optimal ist es, den neuen Vortrag wie in einer Generalprobe vor kleinem Publikum vorzutragen und nicht im Kopf durchzugehen. Überlegungen wie "Dann sage ich das, danach sage ich was zu diesem Thema und dann sage ich noch dazu was" sind für den 'Echtfall' wenig hilfreich.

Hält man den Vortrag gemeinsam mit einem Koreferenten bzw. einer Koreferentin, so bietet es sich auch an, diesen gemeinsam zu üben. Heute sind wir mehr und mehr in der Situation, dass beide Vortragende nicht im gleichen Büro oder gar dem gleichen Land arbeiten. So merkwürdig sich die ersten 30 Sekunden anfühlen mögen, so sinnvoll kann zum Proben die sonst kaum genutzte Technologie der Videotelefonie eingesetzt werden, bei mehr als zwei Vortragenden auch in einer Konferenz.

Gut ist es, den gesamten Vortrag einmal durchzusprechen und danach kritisch zu erörtern, was nicht geklappt hat, was man besser machen könnte etc. In Situationen, in denen man nicht vor einem Fachpublikum spricht - wie etwa bei einem öffentlichen Vortrag - empfiehlt es sich das Ganze auch vor einem Laien zu proben, um sicherzustellen, dass alles verständlich ist. Gerne nutzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fachbegriffe, die ihnen vollkommen geläufig sind, da sie sie ständig verwenden. Für Außenstehende, die diese Begriffe nicht kennen, kann das jedoch bedeuten, dass der gesamte Vortrag unverständlich bleibt.

Zu viele Wechsel vermeiden

Bei der Planung einer Präsentation erscheint es den Beteiligten oft interessant oder gar innovativ, eine Vielzahl an Wechseln zwischen den Vortragenden in die 'Vortragsdramaturgie' einzubauen. Auch bei zwei Vortragenden sieht man es immer wieder, wie diese fast minütlich den virtuellen Staffelstab übergeben. Für die Zuhörenden ist es dabei nicht immer leicht, dem Vortrag zu folgen, da selten klar ist, welche Rollen hier jeweils eingenommen werden. Es kann also festgehalten werden, dass jeder zusätzliche Wechsel in der Sprecherrolle immer didaktisch begründet sein sollte. Kann man das nicht, so sollte man auf den Wechsel verzichten. Sinnvoll kann es sein, den Sprecherwechsel thematisch einzuordnen. Ist der Sprecherwechsel hingegen ohnehin mit einem thematischen 'Bruch' im Vortrag verbunden, kann man im Allgemeinen darauf vertrauen, dass das Publikum den Wechsel nachvollziehen kann.

Die Zielgruppe im Fokus behalten

Wie bereits angemerkt wurde, können sich die Zuhörerinnen und Zuhörer in wissenschaftlichen Vorträgen hinsichtlich ihres jeweiligen Hintergrundwissens deutlich unterscheiden. Dieser Trend wird in letzter Zeit im Besonderen durch die Zunahme an interdisziplinären Forschungstätigkeiten verstärkt. Grundsätzlich ist es wichtig für den Vortragenden zu verstehen, welchen Wissensstand die Zuhörerinnen und Zuhörer haben und dann die Präsentation entsprechend anzupassen. Ein Fachpublikum möchte keine Einführungsvorlesung in sein eigenes Forschungsgebiet hören. Laien, die ein Fachgebiet inhaltlich interessant finden, aber kaum über thematisches Wissen verfügen, sollten daher an ihrem jeweiligen Wissensstand 'abgeholt' werden. Auch die Ergebnisse, die man einem Fachpublikum vorträgt, unterscheiden sich in aller Regel deutlich von denen, die für ein Laienpublikum bestimmt sind. Laien interessieren sich für das große Ganze, wozu die jeweilige Forschung nützlich ist und was damit erklärt werden kann. Ein Fachpublikum interessiert sich besonders für das Forschungsdesign und die genutzte Methodik, da dies im Regelfall die Schwierigkeiten der Tätigkeit genau beschreibt und so fachlich relevante Hinweise gegeben werden können.

Niemand spricht gerne vor einen leerem Saal

Niemand spricht gerne vor einem leeren Saal. Und doch passiert es immer wieder, dass man einen Vortrag halten soll und der Veranstalter dafür den größten Raum der Konferenz auswählt. Es passiert auch immer wieder, dass dieser Saal nur zu einem Bruchteil gefüllt ist (etwa weil es noch andere Vorträge zu derselben Zeit gibt oder weil noch nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer angekommen sind oder vielleicht auch, weil das Thema einfach nicht so aufregend ist, wie der Veranstalter dachte). Nur weil ein Vortrag nicht den Raum füllt, bedeutet das nicht, dass er uninteressant oder langweilig ist. Alle Leute die gekommen sind, wollen den Vortrag hören und niemand wünscht dem Vortragenden, dass etwas nicht klappt.

Menschen haben jedoch die Tendenz, sich in größeren Räumen ähnlich wie Gase auszubreiten. Das soll heißen, dass es ganz menschlich ist, die komplette Größe des Raumes zu nutzen und zu versuchen, die mittlere Entfernung zwischen zwei Menschen in diesem Raum so groß wie möglich zu halten. In anderen Worten: Wir verteilen uns über den ganzen Raum. Was für den Zuhörenden bequem ist, ist für den Vortragenden schrecklich, da sie oder er das Gefühlt hat, vor einem fast leeren Raum zu sprechen und dabei fast kein Feedback von den Zuhörenden bekommen kann, da sie zu weit weg sitzen. Es empfiehlt sich in solchen Situationen, das Problem offen anzusprechen, möglicherweise mit einer Prise Humor. Zudem sollte man die Zuhörenden auffordern, sich in die ersten Reihen zu setzen. Der diffuse Raum wird so zu einer Art 'Workshop'-Situation, der direkte Kontakt zu den Zuhörenden fällt leichter und auch die Zuhörerinnen und Zuhörer haben mehr Freude, da sie nicht sehen, dass hinter ihnen ein kompletter leerer Raum ist.

Virtuelle Vorträge

In letzter Zeit lässt sich ein Trend ausmachen, dass immer mehr Vorträge 'virtuell' sind. Virtuelle Vorträge sind solche Vorträge, bei denen sich Vortragende(r) und Publikum nicht im selben Raum befinden. Das kann zum einen bedeuten, dass ein Vortrag aufgenommen wird, um dann ins Netz gestellt zu werden. Zum anderen sind auch solche Vorträge virtuell, die etwa durch eine Webcam in der eigenen Wohnung oder im Büro aufgezeichnet werden. Während Ersteres eine positive Entwicklung ist, die es möglich macht, auch Konferenzen zu verfolgen, die man nicht selbst besuchen konnte, kann Letzteres - wenn keine Regeln und Standards (z.B. Guidelines für Webinare[1]) eingehalten werden - eine schlechte Idee sein. Die Videos haben eine nur durchschnittliche Qualität, sie rauschen, im Hintergrund sieht man das unaufgeräumte Zuhause des Vortragenden und wenn man Glück hat, springt auch noch ein Hund durchs Bild. In aller Regel haben solche Videos eine geringe Reichweite und können mitunter sogar unprofessionell wirken. Zudem bleibt oft unklar, welchen Vorteil das bewegte Bild als Medium hier überhaupt stiftet, etwa wenn über die gesamte Vortragsdauer hinweg nur der Kopf des/der Vortragenden zu sehen ist. Professioneller kann es wirken, eine reine Tonaufzeichnung zur Verfügung zu stellen.

Geschichten statt Fakten

Grundsätzlich fällt es dem Menschen leichter, sich an Geschichten zu erinnern als an Fakten. Dennoch sind viele Vorträge so konzipiert, dass ausschließlich Fakten präsentiert werden, weil nur das als 'wissenschaftlich' angesehen wird. Wenn es den Zuhörern jedoch schwerfällt, dem Vortrag zu folgen, dann ist es letztlich egal, ob es wissenschaftlich ist; es ist in jedem Fall nicht gut. Es kann schon helfen, in den Vortrag die Entstehungsgeschichte der Forschung einzuarbeiten. Damit vermeidet man auch ein rein passives Narrativ wie "Das Projekt folgende Ergebnisse" hin zu einem aktiven Narrativ wie "Danach habe ich mir die Daten angeguckt und eigentlich überhaupt nicht gefunden, was ich haben wollte."

Ein Poster ist kein kurzes Paper

Poster, mit denen Forschungsaktivitäten und -ergebnisse vorgestellt werden, sind ein weit verbreitetes Medium in vielen Wissenschaftsdisziplinen. Leider mangelt es gleichzeitig vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Fähigkeit, ein ansprechendes Poster zu gestalten. Das ist auch nicht erstaunlich, denn schließlich sie sind Wissenschaftler und keine Designer. Nichtsdestotrotz kann ein gut konzipiertes Poster dabei helfen, die eigenen Ergebnisse zu vermitteln und Interessierte über die eigene Forschung zu informieren.

An dieser Stelle führen wir daher ein paar Regeln auf, die man bei der Erstellung eines Posters beachten sollte. Zuerst einmal lässt sich feststellen, dass ein Poster im Regelfall auf einem Paper basiert. Es ist trotzdem nicht besonders sinnvoll, den interessierten Betrachtern eine Druckversion des Papers anzubieten (niemand auf einer Konferenz möchte viel Papier mit sich herumschleppen). Besser ist es, wenn Sie auf Ihrem Poster gut sichtbar einen Link oder einen QR-Code platzieren, der die Interessierten auf detailliertere Information über Ihr Forschungsprojekt verweist. Zudem möchte sich niemand eine lange URL merken oder abschreiben müssen. Daher ist es ratsam, eine kurze URL zu wählen[2]und zusätzlich kleine Kärtchen anzubieten, auf denen die URL und der Name des Posters vermerkt sind.

Im Grunde basiert ein Poster auf einem Paper. Zumindest aber gibt es weitere Informationen zu dem Projekt, wie etwa eine Webseite. Es ist immer sinnvoll den interessierten Lesern weitere Informationen so leicht wie möglich zugänglich zu machen. Gleichzeitig will niemand Papier mit sich herumschleppen. Drucken Sie also nicht ihr Paper aus und bieten es zur Mitnahme an, sondern platzieren Sie einen Link oder ein QR-Code gut sichtbar auf dem Poster. Zudem möchte sich niemand eine lange URL merken oder abschreibe müssen. Daher ist es ratsam a) eine kurze URL (zum Beispiel durch den Dienst Bit.ly) zu wählen und zusätzlich kleine Kärtchen anzubieten, auf denen die URL und der Name des Posters vermerkt sind.

Üblicherweise werden auf einer Konferenz mehrere Poster in einem Raum präsentiert. Daher verfügen die Zuschauer auch nur über eine begrenzte Zeit für das Anschauen eines einzelnen Posters. Als Faustregel gilt daher, dass auf einem Poster nicht mehr Text stehen sollte als im Abstract eines Papers. Wer sich weitergehend interessiert, wird gerne die angegebene URL aufrufen und das gesamte Paper in aller Ruhe lesen oder die Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler zu Details befragen.

Es ist auch nicht sinnvoll, ein Poster in einzelne Abschnitte (zum Beispiel Einleitung, Literaturrecherche, Methode, Ergebnis, Diskussion) zu gliedern und jeden Teil in einer Box abzubilden. Ein Poster ist kein Paper im DIN-A0-Format, sondern es soll sinnvoll und prägnant über die eigene Forschung berichten. Auf einem guten Poster werden Zusammenhänge mit Hilfe von Grafiken verdeutlicht. Größere Textblöcke sollten vermieden werden.

Wer sich eingehender mit den Grundsätzen beschäftigen möchte, die eine gute Posterpräsentation ausmachen, dem sei folgendes Buch empfohlen:

  • Carter, Matt (2013), Designing Science Presentations: A Visual Guide to Figures, Papers, Slides, Posters, and More. Amsterdam: Academic Press.

Einzelnachweise

  1. Muller, Treion, Murdoch, Matthew, The webinar manifesto (2013), New York, RosettaBooks, ISBN: 978-0-7953-3357-6*e-book
  2. Ein bekannter Dienst für die URL-Verkürzung ist bit.ly.