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Aus Handbuch.io


Kontributoren: Christian Hauschke, Mareike König, Martin Mehlberg


Ob in Forschungs- oder Publikationsprojekten - Recherche ist essentieller Bestandteil im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens, und das nicht nur am Anfang eines Projektes, sondern immer wieder und zu unterschiedlichen Projektmomenten. Wer forscht, möchte wissen, was schon geforscht wurde, welche Methoden für ein Projekt anwendbar sind, welche Begrifflichkeiten verwendet werden und welche inhaltlichen, formalen und methodischen Klippen es gegebenenfalls zu umschiffen gilt. Die Verwaltung der gefundenen Quellen ist Teil der Recherche und, unter anderem, eine wichtige Voraussetzung für korrektes Zitieren. Beim kollaborativen Arbeiten ist das Teilen der recherchierten Information wünschenswert, um den Wissenstand zu homogenisieren und Doppelarbeit zu vermeiden. In vernetzten Projekten besteht die Besonderheit darin, die Recherche so durchzuführen, dass das Ergebnis, also die gefundenen Informationen, allen Projektmitgliedern transparent ist.

Über die Grundlagen (individueller) wissenschaftlicher Informations- und insbesondere Literaturrecherche ist an anderer Stelle bereits vielfach geschrieben worden. Der folgende Text beschreibt Punkte, die für das Recherchieren, Verwalten und Teilen wissenschaftlicher Literatur und ihrer Quellen im Kontext vernetzten Arbeitens hilfreich sind. Der Fokus liegt hier auf Literatur; weitestgehend ausgeklammert werden Forschungsinformationen oder Objekte wie Forschungsdaten.


Generelles Verständnis

Wissenschaft baut aufeinander auf: Erkenntnisse anderer werden weiterverwendet und -entwickelt. Wichtig ist dabei die Abgrenzung eigener Gedanken und Entwicklungen von Gedanken und Entwicklungen Anderer. Das etablierte Mittel zur Lösung dieser Anforderung ist die Zitation - fremde Gedanken werden zitiert und mit einer Quelle versehen, ebenso verwendete Methoden. Dadurch haben sich Zitationen zur "Währung der Wissenschaft" entwickelt. Wissenschaftliches Arbeiten erfordert die Kennzeichnung von Zitaten und die vollständige Angabe aller verwendeten Quellen. In (virtuellen) Teams besteht die Herausforderung darin, jedem Teammitglied die Wichtigkeit dieser Aufgabe zu verdeutlichen.

Suche in digitalen Inhalten

Digitale Datenrepräsentation bedeutet nicht nur eine Änderung der Art und Weise, wie Inhalte gespeichert und verfügbar gemacht werden, sie ändert auch die Verfahren, mit denen die Daten durchsucht und abgerufen werden können. Im analogen Zeitalter waren die Möglichkeiten, nach Texten mit spezifischen Inhalten zu suchen, beschränkt; es gab Bibliothekskataloge mit ihren 'Records' (Einträge im Zettelkatalog). Auf der Suche nach einem bestimmten Text half es nicht, nur eine bestimmte Zeile zu kennen.

Durch zunehmende Verfügbarkeit originär digitaler Volltexte sowie durch umfassendes Scannen und die Anwendung von OCR-Software bei ehemals lediglich analog vorliegender (also papierbasierter) Literatur, kann ein Text, aus dem man nur den 'Schnipsel' einer einzigen Zeile kennt, gefunden werden. Darüber hinaus ermöglicht die (unter 'Linked Data' subsumierte) Vernetzung von Informationsquellen im Internet neue Formen der Recherche außerhalb des reduzierten Suchraums eines Bibliothekskatalogs.

Suchstrategien

Meistens kennt man weder das gesuchte Informationsobjekt noch dessen genaue Bezeichnung, und oft weiß man nicht, wo es zu finden ist und wie die nötige Suchanfrage für das sogenannte 'known-item' exakt formuliert wird. Ähnlich gestaltet es sich, wenn nicht nur ein Objekt sondern eine größere Ergebnismenge gewünscht wird und umfassende Informationen zu einem exakt bestimmbaren Thema gesucht werden. Im Gegensatz dazu ist die explorative Suche – also eine Suche, welche die durch Links hergestellten Beziehungen zwischen den Quellen zur Navigation benutzt – eher ungerichtet, d.h., man hat keine exakte Vorstellung von der Ergebnismenge, oder man weiß zwar ungefähr, wonach man sucht, kann die Anfrage jedoch nicht exakt formulieren.

Die Art der Information, nach der man sucht, kann selten in präzise und zielführende Suchbegriffe gefasst werden. Wird die Suchanfrage als Text in natürlicher Sprache behandelt, wird gemäß einer Volltextsuche also nur nach deskriptiven Schlüsselworten gesucht, ist die Ergebnismenge (in Bibliothekskatalogen) relativ gering.

Bibliothekskataloge und Google

Immer mehr wissenschaftliche Zeitschriften stellen bibliografische Daten wie Inhaltsverzeichnisse, Abstracts und Keywords frei ins Internet. Suchmaschinenanbieter bieten mit der Volltextsuche und der Möglichkeit zur explorativen Suche einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Recherche in traditionellen Bibliothekskatalogen oder in anderen bibliothekarischen Online-Portalen. Der Suchraum dieser Internet-Suchmaschinen umfasst einen großen Teil der im Internet frei verfügbaren Informationsquellen, er ist also nicht wie in Bibliotheken auf einen Zettelkatalog und damit auf die bibliothekarisch erfassten Medien beschränkt. Sie können Ihre Literaturrecherche auf den Webseiten oder Portalen einer Bibliothek beginnen (auch wenn dies nur noch 1% der Benutzer tun [1]), oder aber direkt in wissenschaftlichen Suchmaschinen wie BASE oder Google Scholar starten, insbesondere wenn Sie nur über 'Textschnipsel' als Ausgangspunkt für die Suche verfügen. Da die Ergebnisse je nach Fachdisziplin stark variieren, verwenden Sie zusätzlich Fachdatenbanken, Produkte wie WISO, Scopus oder Web of Science, die z.T. aktueller sind als Google Scholar.

Zugang beachten

Ein in virtuellen Teams mitunter nicht beachteter Aspekt ist der - je nach Standort bzw. IP-Adresse und eventuell vorliegenden Campuslizenzen - unterschiedliche Zugang zu den Volltexten der recherchierten Publikationen, sofern es sich nicht um Open Access-Publikationen handelt.

Konsens über Quellen

Je nach Fragestellung sind konkrete Informationsquellen mehr oder weniger geeignet, um verwertbare Ergebisse zu generieren. Obwohl Wikipedia durch die Zeitstempelfunktion[2] eigentlich gut zitiert werden kann, ist die Zitierfähigkeit von Wikipedia durchaus umstritten.[3] Gleiches gilt beispielsweise für Angaben von Meinungsforschungsinstituten, Parteien oder NGO-Webseiten. Ob etwas zitierfähig ist, sollte allen Beteiligten klar sein. Klären Sie möglichst frühzeitig, welche Informationsquellen für Ihre kollaborative Arbeit 'legitim' sind. Wenn ein Teammitglied sich lange mit der Sammlung von Quellen aufhält, die die anderen nicht akzeptieren, kann wertvolle Zeit verschwendet werden.

Finden Sie also einen Konsens, wie recherchiert wird und was als legitimes Informationsmittel gilt.[4]

Radar setzen

  1. Cathy De Rosa et al. (2005). Perceptions of Libraries and Information Resources. Dublin, Ohio: OCLC Online Computer Library Center. Abgerufen von [1] am 13.03.2014
  2. Henning Behme: Wikipedia korrekt zitieren
  3. Wikipedia selbst empfiehlt, in wissenschaftlichen Arbeiten "auf das Zitieren von Wikipedia-Artikeln nach Möglichkeit" zu verzichten [2]
  4. Collaborative Information Seeking: The Combined Activity of Information Seeking and Collaborative Grounding / Morten Hertzum. Information Processing & Management, vol. 44, no. 2 (2008), pp. 957-962 [3]