Qualität

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| Projekt OER

Wozu Qualitätsbewertungen? - Entscheidungshilfe für den Benutzer - Wichtig für die Quellenbewertung von Dozenten bei der Beurteilung von Leistungen - Wichtig zum einwerben von Mitteln

Klassische Qualitätssicherung von Lehr- und Unterrichtsmaterialien

Die bisherigen Formen der Qualitätssicherung kann man in Inhaltliche Kriterien und in Ressourcenqualität unterscheiden. Für die Beurteilung des Inhalts wurde zum Beispiel die Reputation des Autors oder der Ruf der Hochschule herangezogen. Auch der Ruf der Verlage hat eine Rolle gespielt. Dazu kommt noch das klassische Peer Review Verfahren für zum Beispiel wissenschaftliche Artikel. Mit der Ressourcenqualität ist die technische Aufbereitung, im Falle von Büchern zum Beispiel Papier- und Bindungsqualität, und Rechtschreibung gemeint. Hierfür zeichnet der Verlag verantwortlich.

Offene Bildungsmaterialien entstehen außerhalb dieser Strukturen und sind deshalb nur schwer einzuschätzen. Um einem Benutzer solcher Materialien eine Hilfestellung bei der Auswahl der für ihn passenden Materialien geben zu können müssen also andere Möglichkeiten zur Qualitätsbewertung benutzt werden. Abbildung 1 zeigt zur Verdeutlichung einen typischen Kreislauf zur Entstehung und Nutzung von Open Educational Ressources.

A-typical-usage-scenario-for-Open-Educational-Resources.png

Laut Prof. Dr. Ehlers stellt sich die Situation folgendermaßen dar: „So gibt es bspw. Qualitätszyklen, die sehr stark darauf abheben, wer der Autor ist, wer ein Review macht, wie die mediale und Metadatenverschlagwortung ist etc., aber eben keine bildungsbezogenen Parameter, wie Niveau, Schwierigkeitsgrad oder didaktisches Design oder Zielgruppeneigenschaften in den Mittelpunkt stellt. Und hier gilt wieder die alte Erkenntnis: Man kann mit einer (OER)-Ressource bei der richtigen Zielgruppe ganz wunderbar wirksam sein, schöne Lernergebnisse bewirken, Aha-Effekte und Lernprozesse. Bei einer anderen Zielgruppe, die möglicherweise gar nicht darauf anspricht, deren Präferenzen es gar nicht trifft, mit genau derselben (OER) Ressource aber gar keinen Effekt haben. Das heißt, die Qualität liegt nicht in der Ressource, sie liegt eben in dem aktiv-produktiven Aushandlungsprozess, in der Relation zwischen dem Anspruch und dem Kontext des Bildungsprozesses auf der einen Seite und dem Ziel, was in dieser Ressource möglicherweise verkörpert ist.“ (Ehlers 2015)

Nach welchen Kriterien können Lehrmaterialien beurteilt werden?

Relevanz

Wie wichtig ist der Inhalt des Materials für das Themengebiet. Eine wichtige Entscheidungshilfe um zu erkennen ob das vorliegende Material für mich geeignet ist. Es muss im Kontext zur Lernsituation betrachtet werden. Für einen Einsteiger ist ein Grundlagenwerk wichtiger als Werke die sich mit sehr spezifischen Fragen beschäftigen.

Signifikanz

Wie hoch ist der Stellenwert des Inhalts für das entsprechende Themengebiet (Ohne Kenntnisse über die Newtonschen Bewegungsgesetze brauch man sich nicht mit der Mechanik befassen).

Genauigkeit

Wie genau wird das Thema behandelt, wird nichts weggelassen oder wird vom Thema abgewichen.

Aktualität

Ist der Inhalt auf dem aktuellen Stand der Technik?

Welche Bewertungsverfahren können angewendet werden?

Peer Review

Klassisches Peer Review kann als Verfahren benutzt werden. Es funktioniert in Bezug auf OER am besten wenn es innerhalb einen Verbundes von Erstellern verwendet wird. So kann sichergestellt werden das die Beiträge von geeigneten Peers begutachtet werden und dass Peers überhaupt zur Verfügung stehen.

Anzahl der Nutzungen

Damit sind Klicks oder Downloads der Ressourcen gemeint. Dieser Indikator hat wenig Aussagekraft in Bezug auf den tatsächlichen Nutzen der Ressource. Es wird nicht deutlich warum diese Ressource angeklickt wurde. Als Indikator für die Qualität also ungeeignet.

Use Indicators

Damit sind Zitationen gemeint. Als Indikator für die Qualität besser geeignet als die Anzahl der Nutzungen da nachgewiesen wird das die Ressource tatsächlich benutzt wurde. Allerdings ist das technisch nur Schwierig umsetzbar. Es funktioniert meisten nur innerhalb einer Plattform.

User Ratings

Das Sternchensystem. Benutzer können die Materialien bewerten. Oft wird die Bewertung anhand einer Skala dargestellt. Bei einer reinen Skalenbewertung ist der Kontext nicht immer ersichtlich, was eine Einschätzung erschwert.

User Komments

Bei diesem System können Benutzer die Materialien verbal beurteilen. Hier kann der Kontext der vorangegangenen Nutzungen deutlich werden. Diese Art der Beurteilung bedeutet einen höheren Zeitaufwand für denjenigen der auf der Suche nach Materialien ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen das die User Komments am sinnvollsten erscheinen um die Qualität der Materialien zu beurteilen. Ein zusätzliches Ratingsystem kann die Auswahl übersichtlicher gestalten und die Auswahl beschleunigen.

Beispiele

Checkliste

Literaturverzeichnis

Ehlers, Ulf-Daniel (2015): Paradigmenwechsel in der Qualitätssicherung? - Schule - (mapping-oer.de).

van Assche, Frans; Vuorikari, Riina (2006): A framework for quality of learning resources. In: Handbook on Quality and Standardisation in E-Learning. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg, S. 443–456.