Handbuch CoScience/Publizieren-Ueberblick: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 19. September 2014, 09:42 Uhr


Kontributoren:

Einleitung

Man versteht unter einer Publikation „inhaltlich und strukturell so stabilisierte Aussagen, dass sie auch von Dritten nachvollziehbar rezipiert werden können“[1], so dass sie verlässlich und bewertbar sind. Damit diese „Dritten“ von diesen Aussagen erfahren, müssen sie publiziert, also verbreitet und sichtbar gemacht werden. Es stellt sich die Frage nach der Publikationsart, etwa ob es sich um einen Kongressbeitrag, einen Artikel in einer wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Zeitschrift oder ein Buch handelt. Damit eng verknüpft sind auch Fragen nach der Zielgruppe und dem Duktus, in der die Publikation verfasst sein soll. Des Weiteren ist wichtig, an welchem Publikationsort der Text idealerweise erscheinen soll, also in welcher Zeitschrift beziehungsweise in welchem Verlag. Sind damit Kosten verbunden und wer übernimmt sie gegebenenfalls? Für welchen Publikationskanal entscheidet man sich? Soll der Text als Print- oder Onlineausgabe verfügbar sein?

Erste einleitende Ausführungen in diesem Kapitel greifen diese Fragen auf und zeigen die Gründe auf, die eine Wissenschaftlerin und einen Wissenschaftler veranlassen, zu publizieren. Dabei wird auf die unterschiedliche Publikationskultur der jeweiligen Disziplinen hingewiesen, die oft eine Vergleichbarkeit der Publikationswirkung erschwert. Anschließend wird kurz der Weg vom Print zum elektronischen Publizieren beleuchtet, worauf detailliertere Ausführungen zur Möglichkeit, Open Access zu publizieren folgen. Dabei wird insbesondere hingewiesen auf die Bedeutung der unterschiedlichen Lizenzen in diesem Bereich, der Möglichkeit der Nachnutzung von Publikationen und auf die Notwendigkeit, die Publikation von Forschungsdaten zu ermöglichen sowie sie umzusetzen.

Warum publizieren Wissenschaftler?

Die wissenschaftliche Publikation ist zentrales Mittel um Ergebnisse und Erkenntnisse zu kommunizieren, zur Diskussion zu stellen und von der wissenschaftlichen Gemeinschaft wahrgenommen zu werden bzw. die Ergebnisse zur Nachnutzung bereitzustellen. Indirekt hat die Publikation auch eine „Kennzeichnungsfunktion“, d.h. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler markieren mit der Veröffentlichung, dass sie die ersten waren, die entsprechende Ergebnisse generiert haben. Somit stellt die Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse die „Eintrittskarte“ in das Wissenschaftssystem dar und ist Bedingung für den Aufstieg darin. Niemand wird als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler wahrgenommen, solange er oder sie keine wissenschaftlichen Ergebnisse publiziert hat. Die in diesem Zusammenhang häufig angeführte Redewendung „Publish or Perish“ verdeutlicht gleichzeitig den Publikationsdruck, dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute ausgesetzt sind. Die Anzahl der Publikationen und insbesondere ihre Wirkung (Impact) – in der Regel bestimmt über die Häufigkeit, mit der sie zitiert werden – sind wichtige Parameter für den Reputationsauf- und ausbau. Die durch die eigene Publikationstätigkeit erlangte Reputation hat unter anderem Einfluss auf Stellenbesetzungen und Vergabe von Fördermitteln. 

Was wird publiziert?: Publikationsarten

Für die Veröffentlichungen bieten sich unterschiedliche Publikationsarten an. Die bekanntesten und am weitesten verbreitetsten sind Monografien, Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Beiträge zu Sammelbänden oder Konferenzbänden (conference proceedings).

Traditionell war, und ist teilweise noch, die Monografie das Medium, in dem Dissertationen und Habilitationen veröffentlicht werden. Dabei ist die Reputation des Verlages, in dem die Arbeit veröffentlicht wird, von nicht unerheblicher Bedeutung für die weitere wissenschaftliche Karriere der Autorin bzw. des Autors.

Auch bei Publikationen in Zeitschriften gilt es mit Blick auf den eigenen Reputationsaufbau auf die Wahl der Zeitschrift zu achten. Zu den Publikationen mit dem höchsten Stellenwert gehören Aufsätze in Peer-Review-Zeitschriften (siehe Überblickskapitel zu Peer Review). Daneben gibt es aber auch akademische Zeitschriften und andere Fachzeitschriften ohne Peer Review sowie Publikationen in populärwissenschaftlichen Zeitschriften, die je nach Stellenwert in der jeweiligen Disziplin ebenfalls zum Reputationsaufbau beitragen können[2].

Recht unterschiedlich, je nach Disziplin, in der veröffentlicht wird, können Beiträge zu Konferenzbänden ausfallen. Sowohl eine schriftliche Ausarbeitung des Vortrags als auch die Einreichung der Vortragsfolien bzw. Abstracts oder auch Poster können Bestandteil eines Konferenzbandes sein. Bei einigen Konferenzen wird die Auswahl der Artikel über Peer Review organisiert. Die Artikel haben dann einen ähnlichen Umfang wie Zeitschriftenartikel und erscheinen auch als Sonderausgaben zu Zeitschriften.

Diese beschriebenen Publikationsarten sind im Prinzip die Hauptveröffentlichungswege. Die tatsächliche Bandbreite wissenschaftlichen Publizierens ist aber noch größer: das Abfassen von Lexikoneinträgen gehört ebenso dazu wie das Schreiben von Rezensionen und Tagungsberichten oder – gerade auch in der angewandten Forschung-Reports. In letzter Zeit wird aber auch diskutiert, inwieweit Social-Media-Beiträge (z.B. in Blogs, als Twitter-Nachrichten oder Facebook-Posts) auch als Publikationen zu bewerten sind[3].

Forderungen nach freiem Zugang und Nutzen umfassen neben Dokumenten auch Daten, die während des Forschungsprozesses entstehen. Es wird von der Politik immer häufiger gefordert und gehört im Prinzip zum Selbstverständnis der Wissenschaft, diese offen zu legen und wie die Ergebnisse der Forschung durch Publikation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (siehe das Kapitel „Publikation von Forschungsdaten“).

Bedeutung unterschiedlicher Publikationsarten in den jeweiligen Disziplinen

In den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen spielen die Publikationsarten und einzelnen Publikationskanäle eine unterschiedliche Rolle[4]. Während es in den Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften eine starke Tradition im Hinblick auf die Publikation von Monografien und Sammelbandbeiträgen gibt, spielen diese in STM-Fächern[5] weitestgehend eine eher untergeordnete Rolle, wenngleich diese dort auch nicht völlig bedeutungslos sind. In diesen Fächern wird überwiegend in Form von Zeitschriftenartikel publiziert. In der Informatik wiederum spielen begutachtete Beiträge (Peer Review) zu Konferenzen eine wichtige Rolle und haben dort den gleichen Stellenwert wie Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Generell kann es auch innerhalb einer Disziplin erhebliche Unterschiede geben: In der klinischen Psychologie, in der überwiegend empirisch gearbeitet wird, ist die Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften gängig, während in der praktischen Psychologie Sammelbandbeiträge und Aufsätze in populärwissenschaftlichen Zeitschriften zum Reputationsgewinn beitragen. Zudem kann die Bedeutung einzelner Publikationsarten je nach Karrierestadium, in dem sich eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler befindet, variieren.

Bei der Bewertung und Auswahl eines geeigneten Publikationsorgans haben sich je nach Fach unterschiedliche Standards herausgebildet. Bei Buchpublikationen in den Rechtswissenschaften kommt es darauf an, die Arbeit in einem möglichst renommierten Verlag zu veröffentlichen. In den Wirtschaftswissenschaften und in vielen STM-Fächern werden Zeitschriften kategorisiert[6]. Bei der Einordnung von Zeitschriften in die entsprechenden Kategorien werden unter anderem Ablehnungsquoten und Zeitschriftenrankings wie die Journal Citation Reports (JCR) herangezogen[7].

Von Print zu elektronischen Publikationen

Während in der Vergangenheit Printerzeugnisse eine entscheidende Rolle gespielt haben, verlagert sich im Zuge des Internets und der Verbilligung von Speicherplatz die Publikation immer stärker hin zu elektronisch und ins Internet. Der Vorteil elektronischer Publikationen ist, dass man sie schnell(er) und preiswerter publizieren kann und sie weltweit sichtbar sind. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob man von Toll-Access, also Publikationen spricht, die lizenziert sind oder von Open-Access, Publikationen, zu denen die Leserinnen und Leser entgeltfreien Zugang haben.

Da der Weg vom Print- zum elektronischen Publizieren ein langsamer ist und die Lesegewohnheiten sich erst anpassen müssen, erscheinen Zeitschriften und Monografien zurzeit teilweise noch als Hybridpublikationen, das heißt sowohl im Print- als auch im elektronischen Format. Für Monografien hat sich Print-on-Demand bewährt. Bücher werden, ermöglicht durch neue Digitaldrucktechnik, erst dann gedruckt, wenn sie vom Kunden bestellt werden. Dies schont Ressourcen, wie Papier und Druckfarbe, zudem können Verlage ihre Lagerplätze reduzieren.

Doch weicht die Skepsis gegenüber wissenschaftlichen Publikationen im elektronischen Format, so dass gerade auch im Zeitschriftenbereich zunehmend auf e-only, also rein auf das elektronische Format gesetzt wird. Der Sorge ob der Vergänglichkeit der Werke, konnte mit der Vergabe eines Persistenten Identifiers begegnet werden. DOIs, Handles oder URNs erlauben das permanente Wiederfinden eines Artikels auch im weltweiten Netz sicher. Zurzeit wird der Besorgnis, dass die Publikationen eines Tages aufgrund von technischen Weiterentwicklungen nicht mehr abrufbar sein werden, durch die Entwicklung der Langzeitarchivierung entgegengegangen.

Die Entwicklungen im Bereich des Elektronischen Publizierens, die die Ablösung des Papiers durch die Elektronik bzw. die des Satzspiegels durch Markup-Texte bedingen, eröffnen ganz neue Möglichkeiten des Publizierens. Die Verbindung zwischen Autor und Rezipient wird z.B. durch die Möglichkeit der Kommentarfunktion viel unmittelbarer und sichtbarer. Die Kommentare können in die Publikation einfließen und fördern dadurch zusätzlich die Diskussion und den Wissenschaftsaustausch. Dazu laden auch die Repositorien ein, die die Veröffentlichung von Pre-Prints erlauben, eine Form der Publikation, die vor allem in den Naturwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften verbreitet ist. Durch die zeitnahe Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse können diese schnell aufgegriffen, kommentiert und verbreitet werden, bis die eigentliche Veröffentlichung das Review-Verfahren passiert hat.

Insgesamt kann aber festgehalten werden, dass das Elektronische Publizieren zurzeit noch den eher klassischen Publikationsweg verfolgt, der die wissenschaftliche Qualität durch ein aufwendiges Review-Verfahren absichert, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Neue Wege zeichnen sich durch das Open-Peer-Review-Verfahren ab sowie durch die Möglichkeit, Artikel nicht nur zu lesen, sondern deren Inhalte aufzugreifen und weiter zu verarbeiten.

Anmerkungen

<references \>
  1. Ben Kaden: Elektronisches Publizieren. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar, Strauch (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. De Gruyter Saur 2004, S. 513.
  2. Stevan Harnad: Crowd-Sourced Peer Review: Substitute or supplement for the current outdated system? (http://blogs.lse.ac.uk/impactofsocialsciences/2014/08/21/crowd-sourced-peer-review-substitute-or-supplement/). In: LSE - The Impact of Science Blog, 21. August 2014, abgerufen am 19. September 2014.
  3. Ben Kaden (2004), S. 516.
  4. Ausführliche Informationen zu den Themen siehe: Alexander von Humboldt-Stiftung (Hrsg.): Publikationsverhalten in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Beiträge zur Beurteilung von Forschungsleistungen. Zweite erweiterte Auflage 12/2009 (http://www.humboldt-foundation.de/pls/web/docs/F13905/12_disk_papier_publikationsverhalten2_kompr.pdf).
  5. Unter der Abkürzung werden Naturwissenschaft, Technik und Medizin zusammengefasst.
  6. Beispielsweise die Kategorisierung in A-, B- und C-Journals in den Wirtschaftswissenschaften.
  7. Journal Citation Reports (JCR) ist ein von Thomson Reuters vertriebenes Produkt. Der darin enthaltene Journal Impact Factor (JIF) wird unter anderem zur Bewertung von Zeitschriften herangezogen.