MIRA/B5 Verwaltungs-, Herrschafts- und Sozialstrukturen: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 4. Oktober 2016, 12:50 Uhr

MIRA-Handbuch, Artikel B5 "Verwaltungs-, Herrschafts- und Sozialstrukturen"
Autor: Elmar Eggert, Philippe Depreux, Tobie Walther
Stand: 05.05.2014



Einleitung

In diesem Artikel werden die maßgeblichen Kontinuitäten und Transformationen der Herrschafts- und Sozialstrukturen im hispanischen Mittelalter aufgezeigt. Auch wenn „kein anderes Land [derart] kongruente Kriterien zur Periodisierung des Mittelalters“ [1] liefert wie Spanien (vgl. das Jahr 711 als Anfang der muslimischen Herrschaft und das Jahr 1492 als deren Ende), muss dieser sehr große Zeitraum geographisch und entwicklungschronologisch differenziert betrachtet werden. Die Einzelbetrachtung der christlichen Königreiche im Norden der Halbinsel und der südlichen Gebiete, die lange Zeit Teil des al-Andalus waren, muss zusammengeführt werden zu einer differenzierten Darstellung der divergenten Entwicklungen der mittelalterlichen Verhältnisse je nach Lage, Herrschafts- und Sozialgefüge. Die folgenden Erläuterungen zu mittelalterlichen Grundverständnissen von Herrschaft und Gesellschaft sowie ihrem Wandel in Kap. 1 erlauben ein globale Bewertung über die Romania hinaus.


Politische Entwicklungslinien der Iberia im historischen Ablauf

Mit der Auflösung des Römischen Weltreiches und den germanischen Invasionen im 4. und 5. Jh. zerfällt die Einheit des Christentums im Mittelmeerraum, so dass neue Herrschergebiete entstehen können. Besonders erfolgreich sind das Reich der Franken im Gebiet des heutigen Nordfrankreich, das der Westgoten im südöstlichen Gebiet der Galloromania (neben dem Burgunderreich) und auf der westlichen Hälfte der Iberischen Halbinsel sowie das der Ostgoten auf der italischen Halbinsel und im Ostadriaraum. Die Ausdehnung des Reichs der Franken bis zum bajuwarischen Donaubereich und bis zu den Pyrenäen verdrängt das Westgotenreich auf die Iberische Halbinsel, wo es sich gen Westen ausbreitet und nun neben den Sueben das Gebiet im 6. und 7. Jh. beherrscht. Ab dieser Zeit entkoppelt sich die Iberische Halbinsel von der Entwicklung in nördlicheren Teilen, ein Prozess, der sich durch die anschließende Invasion zu Beginn des 8. Jh. durch arabische und berberische Heere verstärkt.

Unter anderem aufgrund innerer Zerwürfnisse im Westgotenreich gelingt den muslimischen Heeren eine rasche Einnahme fast des gesamten Territoriums der Iberischen Halbinsel:  Mit der Niederlage bei Jerez de la Frontera am 19. Juli 711 beginnt die Eroberung, 714 fallen Saragossa, Salamanca, Barcelona und León, erst 732 mit der Schlacht bei Tours und Poitiers werden die arabischen Heerführer von den Franken gestoppt, so dass eine weitere Ausdehnung in die unzugänglicheren nördlichen Bergregionen und über das Pyrenäen-Gebiet hinaus verhindert wird. Von 714 bis 756 konsolidiert sich die arabische Herrschaft als Teil des Omayyaden-Kalifats von Damaskus, bis unter ‛Abd ar-Raḥmān I. auf der Halbinsel ein unabhängiges  Emirat von Córdoba gegründet wird, das in einem „zentralistischen Einheitsstaat“[2] einen stabilen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung über fast zwei Jahrhunderte erfährt (756-929).

Obwohl sich das Herrschaftsgebiet des al-Andalus insbesondere in den ersten Jahrhunderten der Machtübernahme von Süden aus stark nach Norden ausdehnt, gelingt es den arabischen Führern nicht, die Iberische Halbinsel vollständig zu kontrollieren. Die Territorien, die sich im nördlichen Bergland einer muslimischen Vormachtstellung entziehen, schließen auch den Nordwesten Galiciens, kantabrische und baskische Gebiete und Keimzellen der späteren Herrschaftsgebiete des Pyrenäenraumes Navarra, Aragón und Katalonien ein.[3] In der Schlacht von Covadonga (722) leisten die Bewohner des asturischen Berglandes unter der Führung des westgotischen Adligen Pelagius (Don Pelayo) Widerstand gegen die muslimischen Eroberer, wobei der zum Mythos gewordene Kampf aufgrund geringer Quellenhinweise kaum historisch rekonstruiert werden kann. Dieses Ereignis markiert den Beginn des Aufbaus eines asturischen Reiches, das seine Macht im 8. und 9. Jh. Richtung Galicien und südlichere Herrschaftsgebiete auszudehnen beginnt.

Im muslimisch beherrschten Gebiet wird unter ‛Abd ar-Raḥmān III. schließlich ein eigenständiges Kalifat (929-1031) von Córdoba ausgerufen, das kulturell und wirtschaftlich weiter ausgebaut wird, v.a. mit Bewässerungssystemen, dem Aufbau bedeutender Bibliotheken und dem Ausbau der Residenz des Hofes.[4]

Aus den nicht unterworfenen, christlichen Gebieten bilden sich ab dem 11. Jh. das Königreich León mit Asturien und (dem zeitweise selbstständigen Königreich) Galicien, das Königreich Kastilien, das Königreich Navarra, das Königreich Aragón und die Grafschaft Katalonien heraus.[5] Von diesen fünf nördlichen Königreichen nimmt die Aneignung des muslimischen Herrschaftsgebietes, die sogenannte Reconquista, und der Wiederbesiedlungsprozess, die Repoblación der zurückgewonnen Gebiete durch christliche Siedler, ihren Ausgang. Während das Königreich León anfangs (10. Jh.) die Rolle eines Hauptträgers dieser politischen Umwälzungsprozesse einnimmt, entwickelt sich Kastilien von einer unbedeutenden Grafschaft hin zur Hauptmacht der nördlichen Königreiche ab dem 12. Jh. Doch auch das Königreich Aragón unter Jakob I. beteiligt sich maßgeblich an der Eroberung des islamischen Herrschaftsbereiches und zeigt sich überaus erfolgreich darin, seinen Einflussbereich auf den Mittelmeerraum auszuweiten.[6] Trotz straffer Herrschaft und wirtschaftlichem Wohlstand in den Zentren von al-Andalus wird kein politisches Einheitsgefühl erreicht. Innere Querelen ab dem Jahr 1000 schwächen die arabische Herrschaft, so dass das Kalifat 1031 in etwa zwei Dutzend kleinere und größere Reiche – die Reinos de Taifas – zerfällt. Diese regionalen Zentren wie Granada, Sevilla, Valencia oder Zaragoza bekämpfen sich gegenseitig und büßen so an Macht ein. Relativ rasch gelingt so die christliche Rückeroberung der Hochebene (Meseta), mit welcher schließlich 1085 unter Alfons VI. die Einnahme Toledos einhergeht. Toledo wird unter kastilischer Vormachtstellung zur neuen Hauptstadt des christlichen Reiches.

Um den Vormarsch der Christen aus dem Norden zu stoppen, ersuchen die islamischen Kleinkönige in Sevilla und Granada mit bedeutendem afrikanischen Bevölkerungsanteil 1097 das marokkanische Herrschergeschlecht der Almoraviden um Hilfe. Durch ihr Eingreifen können die Gebiete in den folgenden Jahren bis hin zum Tajo gesichert werden. Doch die Berberstämme der Almohaden, die das Geschlecht der Almoraviden 1147 ablösen, können die erstarkenden nördlichen Gebiete in ihrem Vormarsch Richtung Süden nicht aufhalten.[7] In der Schlacht bei Las Navas de Tolosa gelingt es 1212 den vereinten Heeren Kastiliens, Navarras und Aragóns, in diesem Kreuzzug gegen die Musulmanen, zu dem Papst Innozenz III. aufgerufen hatte, das Reich der Almohaden zu zerschlagen. Durch die Vereinigung der Königreiche Kastilien und León unter Fernando III. zwischen 1230 und 1250 gelingt es, 1236 Córdoba zu erobern, 1248 Sevilla, 1265 Cádiz. Doch noch haben sich bis Mitte des 12. Jh. keine stabilen politischen Strukturen in den christlichen Reichen herausgebildet:

„Durante mucho tiempo los reinos no son sino el resultado defuso de lazos de lealtades feudales y relaciones de vasallaje demasiado débiles como para asegurar la cohesión del regnum y apoyar sobre ellas un aparato de poder eficiente.”[8]

Über zwei Jahrhunderte besteht nur noch das Fürstentum Granada als letztes islamisches Herrschergebiet, das 1340 in der unterstützenden Expedition des Berberstamms der Meriniden die Meerenge von Gibraltar an Alfons XI. von Kastilien verliert.[9] Doch es erreicht, wie die architektonischen Denkmäler in Granada bezeugen, ein hohes kulturelles Niveau, bis die Katholischen Könige ab 1482 in Eroberungen der Städte Alhama, Ronda, Málaga, Almería und schließlich Granada der muslimischen Herrschaft ein Ende setzen. Die muslimische Kultur der Morisken hält sich noch bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1609 durch das Exilierungsdekret von Philipp III.


Bevölkerungsgruppen allgemein

Zur Beschreibung der Bevölkerung können geographisch-ethnische Zuschreibungen, religiöse Bekenntnisse oder soziale Gruppen als Kriterien der Klassifizierung herangezogen werden, welche stets mit einer hierarchischen Einordnung in das politisch-soziale System einhergehen. Ethnische Zuschreibungen sind dabei nur als historische Herkunftslinien fassbar. Sprachliche Kategorien können quer zu den Gruppierungen liegen, wenn z.B. trotz Konversion der Religion die Muttersprache beibehalten wird.

Auf der mittelalterlichen Iberischen Halbinsel leben die Nachfahren der vorrömischen Völker, die der aus dem Mittelmeerraum stammenden Siedler (Griechen, Phönizier) und die der römischen Herrschaftsschicht, welche sich unter der Westgotenherrschaft als hispanorömische bzw. westgotische Bewohner darstellen lassen. Durch die muslimischen Invasionen kommen Berber, Araber, Sudaner und Syrer auf die Halbinsel. Die afrikanischen Alliierten der Araber, die Berber, waren erst wenige Jahrzehnte vor der Invasion auf die Halbinsel selbst islamisiert worden und noch nicht in ihren Gebräuchen arabisiert. Die Araber sind zahlenmäßig und in Bezug auf die kulturelle Präsenz in den ersten Jahren in der Minderheit, dennoch zeigt sich ihre Dominanz vor allem durch ihren sozialen Stand und die Zugehörigkeit zur Ober- und Herrscherschicht.

Stärker als die Herkunft aber wirken in al-Andalus die religiös motivierten Sozialkategorien. Die Angehörigen der bedeutenden Religionen des Christentums, des Judentums und des Islams, d.h. Moslems (historisch moros genannt), Almoraviden und Almohaden, werden als gesellschaftliche Gruppen im Kontext der (meist nicht korrelierenden) politischen Herrschaft gesehen und so benannt.

Insbesondere durch großzügige Landschenkungen versuchen die islamischen Herrscher seit der Eroberung, die alten westgotischen Adelsfamilien für sich zu gewinnen und so die eigene Herrschaft  zu festigen. So gibt es freiwillig zum Islam konvertierte Christen, meist Adlige, die von der neuen arabischen Herrschaft als muwalladūn ‚Neumuslime‘ (> sp. muladí) bezeichnet werden. Cantarino[10] nennt die konvertierten Christen präzisierend musālimah, da er den Begriff muladíes für die Nachfahren von Mischehen mit christlichen, hispanogotischen Frauen reserviert. Das Christentum wird in der hispano-arabischen Gesellschaft immer weiter zurückgedrängt, wenngleich den Christen einige Freiheiten bleiben wie die zum Bau von Kirchen und Schulen, oder zum Tragen christlicher Insignien durch Bischöfe. Doch wohnen sie in eigenen Stadtvierteln, die von einem christlichen Adligen verwaltet wurden, dem „conde de cristianos“.[11]

Der Großteil der Bevölkerung bleibt jedoch unter der arabischen Herrschaft christlich: Man nennt diesen Teil der Bevölkerung Mozaraber ‚unter Arabern lebend‘, auch deren hispano-romanische Sprache wird als Mozarabisch bezeichnet. Einige „Mozaraber“ besiedeln Dörfer außerhalb der Städte, andere erhalten ihre Gemeinden jedoch auch in Städten wie Toledo, Sevilla, Mérida und Córdoba aufrecht und pflegen weiterhin die westgotischen Traditionen und ihre Kirchenordnung. Insbesondere der zunehmende „Arabisierungsprozess“ im 9. Jh. veranlasst viele Mozaraber, Widerstand gegen die islamischen Herrscher und ihre Religion zu leisten oder gen Norden in die christlich dominierten Gebiete auszuwandern, um so ihre Sprache, auch das Lateinische als Sprache des religiösen Kults, zu bewahren.

Neben den Muslimen und Christen sind die Juden als dritte Glaubensgemeinschaft Teil des al-Andalus. Wie die mozarabischen Christen müssen sie eine jährliche Kopfsteuer zahlen. Während sie in den Städten häufig in eigenen Vierteln leben und dort ihre religiösen Traditionen pflegen, arbeiten viele von ihnen im Fernhandel. [12] In den Städten sind Juden sehr früh dokumentiert, da sie oft Anfeindungen ausgesetzt sind und in den Fueros rechtlich geschützt werden. Taten gegen sie werden im Strafmaß den Taten gegen Christen gleichgestellt. Aufgrund der Verfolgungen nach den Almoraviden- und Almohadeneinfällen fliehen sie in die christlichen Städte. Sie werden in eigene Stadtviertel vereint, meist außerhalb der Stadt, und haben Verpflichtungen zum Kriegsdienst. Die bedeutendste jüdische Gemeinde (aljama) steht mit 12.000 Juden, zwei Burganlagen in verschiedenen Vierteln und einem Marktplatz in Toledo. In Burgos bestehen zwei juderías, deren Mitglieder hauptsächlich von Finanzgeschäften leben.[13] Im Laufe der Zeit steigen einige zu Ärzten bzw. Wundärzten (cirujano) auf (hauptsächlich Juden), die aufgrund dieser Funktion davon befreit werden können, in Judenvierteln zu leben, wie z.B. in Madrid mit einer ansonsten starken Gruppentrennung.

Im Zuge der Reconquista gelangen immer mehr ehemals arabisch dominierte Gebiete unter christliche Herrschaft, so dass die Muslime nun als Randgruppe die Bezeichnung mudéjares erhalten und die gegen Tribut unter neuen Herrschern leben. In vielen historischen Zeugnissen (z.B.  Architektur) ist die Mudéjar-Kultur bis heute erhalten. Noch weiter sozial zurückgedrängt werden die sog. Morisken, die nach Abschluss der Reconquista nun zwangskonvertierten Muslime, welche ebenfalls einen Teil ihrer kulturellen Identität behalten. Die Religionsgruppen bildeten oft eigene Stadtviertel heraus, die morerías und juderías genannt werden. Weitere Herkunftsgruppen aus europäischen Regionen wie Franken oder Germanen werden bis zum 13. Jh. assimiliert.

Die ethnische, religiöse und sprachliche Situation der einzelnen Bevölkerungsgruppen des al-Andalus ist somit sehr vielschichtig und diese Vielzahl an Begriffen zeigt bereits die wechselnde Bewertung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Obwohl durchaus Beispiele für ein friedliches und fruchtbares Miteinander existieren, kommt es zu allen Zeiten zu Rivalitäten und Anfeindungen unter den verschiedenen Gruppen. Der moderne Begriff der convivencia, der das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen als rein friedliches und konfliktfreies Miteinander konstruiert, ist deshalb kritisch zu bewerten.[14] Während Américo Castro[15] insbesondere auf Beispiele für einen friedlichen und kulturell fruchtbaren Austausch verweist, schreibt z.B. Menéndez Pidal (1929) dem Begriff der convivencia einen eher kompetitiven Charakter zu.[16]


Verwaltungsstrukturen

Verwaltungsstrukturen der muslimischen Herrschaften

Bereits seit Schaffung des Emirats von Córdoba im 8. Jh. wird von den muslimischen Herrschern versucht, einen zentralistischen Staat aufzubauen, der gegen Autonomiebestrebungen von Gebieten vorgehen sollte (im Rolandslied wird die Auflehnung des muslimischen Herrschers Suleiman im Ebrotal gegen den Emir durch das Hilfegesuch an Karl den Großen deutlich, der im Rückzug bei Roncesvalles eine Niederlage erlitt). Die Verwaltungsstrukturen der orientalischen Abbasidendynastie werden für al-Andalus übernommen, so dass z.B. Polizeiämter und  staatliche Münzmonopole geschaffen werden. Mit den Einnahmen werden auch Kunst, Literatur, Wissenschaft, Philosophie und höfische Dekadenz gefördert: „Der Emir distanzierte sich durch ein feierliches Hofzeremoniell von der übrigen Bevölkerung“[17] Die starke Islamisierungstendenz im 9. Jh. führt zu mehr Konversionen von Mozarabern, aber auch zu verstärkter Auswanderung in den Norden.

Im Kalifat (ab 929) wird das bisher in 21 Provinzen gegliederte Staatsgebiet in drei Provinzen aufgeteilt, innovative Verwaltungsstrukturen werden geschaffen und eine neue Jurisdiktion eingeführt, so dass ein zentral geführter Staat mit Beamtenapparat, Finanzverwaltung und Gemeinderichtern entsteht. Geleitet wird die Herrschaft vom ersten Minister, dem ḥāǧib Almanzor (Ibn Abī ‛Āmir, genannt al-Manṣūr), der das Heer auf über 70.000 Söldner verdoppelt und eigenmächtig Feldzüge unternimmt, aber auch autoritäre Züge annimmt, welche zu Aufständen führten.[18]

Córdoba entwickelt sich zu einer der pulsierendsten Metropolen der islamischen als auch der weiteren abendländischen Welt mit geschätzt bis zu 500.000 Einwohnern, wovon noch heute die architektonische Pracht auch der umgebenden Residenzstädte wie Madīna az-Zaḥrā’ (heute Ausgrabungsstätte) zeugt.[19]


Der König und die Hofverwaltung

In den christlichen Reichen steht der König an der Spitze, die Thronfolge ist erblich und auf die Primogenitur ausgerichtet. Der König ist in Kastilien Befehlshaber des Militärs und oberste Instanz in Rechtsangelegenheiten sowie bei der Gewährung von Hoheitsrechten z.B. zur Münzprägung. Königliche Beamte verwalten den Königssitz, das sog. palatium. Die Versammlung wichtiger Personen in der curia regia dient der Beratung des Königs, aus der sich der Königliche Rat entwickelt (consejo real). Bei außergewöhnlichen Anlässen werden Vertreter der Stände an den Hof zur Beratung zusammengerufen, wo sie die sog. cortes bildeten (s. Kap. 4.5). Dazu zählen die Vertreter der Bischöfe, des Adels, und jeweils ein Vertreter der neuen freien Städte.

In Asturien wird der König aus dem Kreis der Adelsfamilien gewählt, woraus sich eine Erbmonarchie entwickelt. Seit Mitte des 9. Jh. ist eine offizielle Königsresidenz mit Empfangssaal (aula regia) eingerichtet, die von den Amtsträgern des Hausverwalters (maiordomus) und dem Schildträger (armígero) geführt werden. Eigene Ländereien und Steuern bringen Einnahmen, die von condes verwaltet werden (Herbers 2006: 127).


Machtdelegation des Königs

Durch die Reconquista fallen Gebiete unter christliche Herrschaft, die verwaltet werden müssen. Zunächst werden militärische Distrikte geschaffen, die von magnates und seniores (zu Beginn eher ungeordnet) befehligt werden, welche als Stellvertreter des Königs gelten. Aus ihnen entwickelt sich der höhere Würdenträger mit dem Titel conde ‚Graf‘ (< comites ‚Gefährte‘). Seine Verpflichtung ist es nicht nur, die Verteidigung und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in ihrem condado zu garantieren, sondern auch die juristische Verwaltung zu befehligen, die Tribute einzutreiben, die Repoblación (‚Wiederbesiedlung‘) zu leiten und notwendige Vorschriften und Regelungen zu erlassen (González Antón 1988: 43). Seine gesellschaftliche Funktion beruht auf einer mandatio, ist also nicht erblich und umfasst kein Eigentum. Dennoch ist es den condes möglich, Privilegien zu erlangen und eine autonome Machtbasis ihrer in Vikarien aufgeteilten Grafschaften aufzubauen. So können sie im Laufe der Zeit eigene ausführende Beamte und Verwalter einsetzen, das sog. mandamentum (Isla Frez 2002: 150). Ab dem 10. Jahrhundert tragen diese Personen den Titel maiorinus oder sp. merinos.[3] Der König verfügt auch über eigene merinos, die er mit administrativen Aufgaben betraut. Doch mit der Zeit entziehen sich diese merinos der königlichen Einflussnahme. Sie bauen sich einen autonomen Machtbereich auf und bilden so den Ausgangspunkt eines territorial begrenzten Adelsstandes. Gerade die über Jahrhunderte andauernden Zeiten militärischer Verpflichtungen erleichtern es den regionalen Herren, ihre Macht gegenüber dem Königtum auszubauen. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass sie Gebiete eigenmächtig in Besitz nehmen oder sich der königlichen Rechtsprechung entziehen können (González Antón 1988: 34). Ihre Macht ist allerdings insofern eingeschränkt, als dass eine Erblichkeit der Position nicht anerkannt wird.


Herrschaftsformen der christlichen Reiche

Die Herrschaft über das neue Land wird vom König geregelt, der für Leistungen und Verdienste Land an Verwalter oder Personen des Adels, des Klerus oder anderer Stände zur erblichen Grundherrschaft (señorío) vergibt, vgl. aus den Siete Partidas II:

Daher gaben die edlen Könige der Königreiche Kastiliens einen guten Adelstitel an die Ritterschaft und gewährten ihnen Privilegien, die im Rechtskörper verankert sind, und erhöhten sie mit großen zeitlich begrenzten Würden. Grafen, Herzöge, Marquis und andere Würdenträger. Und sie gaben (ihnen) gnädig Ländereien, Vasallen und Lehnsgebiete und übertrugen ihnen den Besitz und den Schutz von Städten und Hofsiedlungen, Burgsiedlungen und Befestigungen. (Übers.: E.E.)[4]

Die zur Besiedlung frei gewordenen Gebiete werden daher nur zum Teil von freien Landbesitzern bewirtschaftet, wie lange als Hauptform angenommen wurde (Sánchez Albornoz 1983). Es ist anzunehmen, dass auch kirchliche Institutionen und der Hochadel Land erwerben, um es von abhängigen Bauern bearbeiten zu lassen. In der Regel unterliegt die Landbevölkerung somit herrschaftlicher Abgabenpflicht, was auf eine soziale Abhängigkeit und somit auf Strukturen des zentraleuropäischen Feudalwesens hinweist;[5] zwar ist in der spanischen Geschichtsschreibung die Existenz dieses Verwaltungssystems bzw. des Begriffs in Spanien umstritten, doch findet der Begriff in den historischen Quellen häufig Anwendung (González Antón 1988: 34). Denn die politisch-administrativen Strukturen der frühen christlichen Monarchien im 11. und 12. Jh.  werden begrifflich nach dem Besitzer des bewirtschafteten Landes eingeteilt: Die  Besitz- und Abgabenverhältnisse des señorío realengo (königlicher Besitz mit Abgaben an den König, meist Städte) stehen dem señorío abadengo (klösterlicher Besitz) und dem señorío maestrazgo (Besitzungen der Ritterorden) gegenüber. Daneben gibt es die Form des señorío solariego, bei dem der Landarbeiter dem Herren gehört und wiederkehrende Zahlungen für den Besitz geleistet werden müssen (Herbers 2006: 230).

Die Verwaltungs- und Herrschaftsgebiete der señoríos sind sehr ausgedehnt und entwickeln immer stärker eigene ökonomische, soziale und später auch rechtspolitische Strukturen. Als Besonderheit auf der Iberischen Halbinsel ist die sich ab dem 11. Jh. ausbreitende Herrschaftsform der behetría zu nennen: Diese Siedlung, die sich aus Großfamilienstrukturen entwickelt hat, kann sich auf königlichem Land selbst einen oder mehrere Hidalgos als Schutzherren und damit unterste Vasallen des Königs bestimmen, vgl. aus den Siete Partidas:

Behetría heißt soviel wie Erbe, das frei ist von dem, der auf ihm wohnt und das als Herren aufnehmen kann, wen er auch möchte und der ihm am besten tut.‘ (s. auch Oliva Herrer 2000, García de Cortázar 2012: 237)[6]


Entwicklung des Rechtssystems der Siete Partidas

Die Rechtsprechung ist  im frühen hispanischen Mittelalter gekennzeichnet durch eine extreme Diversität. Die feudale Zergliederung der Herrschaftsgebiete ebenso wie die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebensbedingungen in den Territorien und die Fragmentierung des politischen Gebietes führen zu lokalen juristischen Organisationsstrukturen mit eigenen Rechten, den sog. Fueros (González Antón 1988: 36). Die Bestrebung, eine einheitliche Gesetzgebung zu schaffen und damit die lokalen fueros abzulösen, veranlasst Alfons den Weisen, ein juristisches Werk zusammenzustellen, welches das römische Recht mit dem hispano-westgotischen Recht vereint. In den Siete Partidas (1251-56) lässt er zweieinhalbtausend Gesetze festhalten, die grundlegende Neuerungen im Rechtssystem vollziehen. Obwohl das Werk erst nach seinem Tod bis ins 14. Jahrhundert hinein überarbeitet wird (ihren Namen Siete Partidas erhält die Rechtstextsammlung erst etwa 1325), stehen die Anfänge dieser Gesetzessammlung unter dem maßgeblichen Einfluss von Alfons dem Weisen und zeigen seine Vorstellungen der Herrschaft. Die Gesetzsammlung inkorporiert aristotelisches Gedankengut und enthält moralische und rechtliche Grundsätze. Herausragendes Charakteristikum des Textes ist nicht nur die große Anzahl an praktischen Rechtsvorschriften, sondern auch die Formulierung der eigenständigen Machtfülle des Königs. Die politische Vorrangstellung wird so dem König eingeräumt – ein Grund, weshalb die neuen Rechtssatzungen erst ab 1348 die lokalen fueros ablösen, da der lokale Adel sich in seiner Macht beschnitten sieht. Ihre volle Bedeutung können die Siete Partidas so erst nach dem Tode Alfons' entfalten, obwohl sein Ansatz zur Vereinheitlichung der Rechtsprechung durchaus ein sinnvolles und fortschrittliches Anliegen war (Herbers 2006: 189f.).

Tatsächlich erlässt Alfons X. Maßnahmen, die darauf abzielen, die adligen Familien in ihrer Macht und ihrem Einfluss zu beschneiden: Er verlangt nicht nur Abgaben von den adligen Familien, sondern versucht auch, ihre Besitzungen durch Erbteilungsvorschriften zu verringern. Diese Zentralisierungsbestrebungen wecken Widerstand innerhalb der Adelskreise. Revolten, zeitweilige Allianzen mit muslimischen Herrschern und die Schaffung von eigenständigen Interessenvertretungen für Berufsgruppen (z.B. die Mesta) sind die Folge.

In Katalonien werden lokale Gewohnheitsrechte innerhalb des Feudalwesens in sog. usatges niedergeschrieben, ergänzt und später zu Rechtstraditionen in ganz Katalonien vereinheitlicht (Herbers 2006: 236).


Entwicklung der Adelsschichten

In den Siete Partidas (II: I, XI) werden als Adelstitel („otros grandes & honrrados señores“) príncipes, duques, condes, marqueses, iuges, vizcondes (‚Fürsten, Herzöge, Grafen, Marquis, Richter und Vizegrafen) genannt. Der Titel príncipes entspreche den Königen, duque sei Titel eines militärischen Anführers, conde der des Hofbegleiters des Königs,  marques der eines Landverwalters auf königlichem Grund:[7]

Herzog heißt soviel wie leitender Führer des Heeres, das dieses Amt in früher Zeit direkt vom Kaiser entgegennahm. Aufgrund dieses Amts, das sehr geehrt wurde, vererbten die Kaiser denjenigen, die dieses innehatten, große Ländereien, die nun Herzogtümer heißen. Wegen dieser sind sie Vasallen des Reiches.[8]

Graf heißt soviel wie Gefährte, der täglich den Kaiser oder den König begleitet und ihm herausragenden Dienst leistet. Einige Grafen gab es, die sie palatinos (‚Palastdiener’) nannten, das so viel wie Getreue des Palasts aufzeigt. Denn an dem Ort begleiteten diese sie und standen ihnen stets zu Diensten, die Erbschaften, die diesen Dienstherren gegeben wurden, werden Grafschaften genannt.[9]

Diese Darstellung entspricht jedoch mehr den antiken Quellen und der mittelalterlichen Bedeutungsinterpretation aufgrund der etymologischen Wortbestandteile als der zeitgenössischen Praxis. Relevant sind neben den condes die neuen Adelsschichten. So werden große Landgebiete durch den hohen Adel mit der Bezeichnung ricoshombres verwaltet, der auch Aufgaben des Königshofes erfüllte. Der niedere Adel setzte sich aus infanzones und hidalgos zusammen, welche sich häufig als Ritter betätigten. Durch die Reconquista stiegen einige berittene Kämpfer zu caballeros villanos als neuer gesellschaftlicher Gruppe des niederen Adels mit militärischen Aufgaben auf (Herbers 2006: 126).

Die Pflichten dieser Vasallen sind gegenüber der Krone sehr begrenzt: Der aragonesische Adel fordert bis einschließlich ins 14. Jh. sein Privileg ein, dem König nicht länger als drei Tage militärisch dienen zu müssen. Die militärische Dienstleistung beschränkt sich außerdem auf die Grenzen des Königreiches. Es ist den königlichen Dienern und Beamten außerdem nicht gestattet, die Verwaltungsgebiete der señoríos zu betreten, selbst wenn sie beispielsweise öffentliche Verbrecher suchen. Während die Herrschaftsstrukturen des señorío innerhalb der ländlichen Gebiete dominieren, herrscht der realengo in städtischen Gebieten vor. In der Mitte des 14. Jh. unterstehen so 38 % der katalanischen Bevölkerung den Feudalherren, 26 % den kirchlichen Herren und 31 % dem Königtum (González Antón 1988: 34f.).

Neben den delegierten Gebieten der condados oder mandationes bilden sich Klöster und Städte als Zentren der Macht heraus, die eigene Verwaltungs- und Herrschaftsstrukturen entwickeln.[10] Insbesondere über die kirchlichen Herren hat das Königtum nahezu gar keinen Einfluss (González Antón 1988: 34). Die administrativen Strukturen sind deshalb alles andere als homogen.

In Bezug auf die Gesellschaftshierarchie muss die traditionelle Einteilung der Gesellschaft in die Masse der (Land-)Arbeiter (laboratores), einer militärischen Schicht (bellatores) und dem Klerus (oratores) im Hochmittelalter (ab 12. Jh.) demnach ergänzt werden durch Gruppen wie Handwerker und Händler, aus denen sich das Bürgertum entwickelte.


Strukturen der Stadt

Bis zum 10. Jh. sind städtische Zentren der christlichen Gebiete auf den Norden beschränkt. Im Zuge der Repoblación werden viele Städte an besonderen Landschaftspunkten gegründet, die Schutz bieten und für den aufkommenden Handel geeignet sind (Gómez de Valenzuela 1980: 155). Den Siedlern werden besondere Rechte für die Landnahme in den eroberten Gebieten zugesprochen, um die Besiedlung abzusichern. Die so wachsenden städtischen Zentren als Residenzen auch der christlichen Herrscher ab dem 11. Jh. üben eine Anziehungskraft auf die ländlichen Gebiete und Bevölkerungsteile aus, die sich vor allem auch darauf gründet, dass diese Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen pflegen, die dem señorío zwar offiziell unterliegen, aber weitaus mehr Freiheiten den Siedlern einräumen. Migrationsströme vom Land in die Stadt sind vermehrt die Folge, gerade von ehemaligen Sklaven (libertos).


Rechtsstellung der Städte

Die Stadtbevölkerung erreicht mit der Zeit Privilegien, die ihr eine größere rechtliche und ökonomische Freiheit zugestehen und sie von den königlichen Steuern und Tributen des señorío befreien (Carlé 2001: 23ff.). Somit unterstehen die Städte nicht den Adelsschichten, sondern nur dem König, zu dem sie loyal sind, da nur er sie gegen die muslimischen Inkursionen schützen kann. Die durchgehende königliche Stadtherrschaft mit freier Gemeindebildung, die dem König untersteht, ist eine hispanische Besonderheit, denn hier existiert keine Zwischenebene des adligen Lehnsherren über die Städte (Pitz 1991: 376). Aus den Sonderrechten entwickeln sich lokale Rechtsstellungen heraus, welche als Fueros vom König verbrieft werden. Die Fueros regeln neben dem militärischen Schutz z.B. auch die Nutzung und Verpachtung von Weideland, die Sicherung des Saatgutes, die Bewässerungszeiten und Schäden beim Weinbau, welche behoben werden müssen und hart bestraft werden, worauf eigene Beamte achten. Um die Preise der landwirtschaftlichen Produkte des Umlands (auch sp. término) nicht steigen zu lassen, wird der Verkauf auf dem lokalen Markt vorgeschrieben (Carlé 2001: 29f.).


Sozialstrukturen der Stadt

In den (oft von Burgen) geschützten Stadtsiedlungen leben freie Bürger, die als neue Schicht nun burgués genannt werden.[11] Aufgaben des entstehenden Gemeinwesens sind die Sicherung der Verteidigung, die Regelung des Marktgeschehens, die innere Ordnung und Rechtsprechung, so dass sich mit der Verwaltung ein tertiärer Bereich mit mehreren Berufsgruppen herausbildet: „Richter (zalmedina), Gerichtsdiener und Gefängnisaufseher (carcelero) sowie Handelsaufseher für Maße, Gewichte und Qualität (zavazoque), Beauftragte für die Wasserleitungen und -verteilung (zavacequia), königliche Verwalter (merinos), Magister (maestros), Ärzte (médico, cirujano) und Notare (notarios), Spielleute (juglares), Künstler (artistas), Händler (comerciantes) und Handwerker (artesanos)“ (Eggert 2010: 28, nach Valdeavellano 1984: 533ff.). Innerhalb der Städte entwickelt sich aus der anfänglichen Gleichstellung der Stadtbewohner so eine soziale Differenzierung. Mit der Funktionsaufteilung gewinnen die Berufsgruppen an Selbstbewusstsein und fördern damit den Säkularisierungsprozess, wie er in den Bauwerken (christliche Kathedralen und bürgerliche Rathäuser) zur Schau gestellt wird.

Im 12. Jh. entsteht ein eigenständiges Leitungsgremium für diese Städte, der Stadtrat (Consejo). Das Gebiet, für welches der Stadtrat rechtlich zuständig ist, ist ein alfoz, zu dem mehrere Siedlungszentren (villas) gehören können. Kopf der Lokalregierung ist der Richter (juez); Vertreter des Stadtrats sind die Stadtvertreter (alcaldes), die auch rechtsprechende Funktionen haben. Daneben stehen untere Beamte, die kleinere Lokaldistrikte vertreten, die jurados sind für die innerstädtischen collaciones, die sesmeros für die „sexmo“ genannten Bezirke zuständig. Nur die Bürger der collaciones können die Richter und die Stadtvertreter bestimmen (Carlé 2001: 34f.). Die Leitung der Stadt geht im 15. Jh. allmählich von der Stadtversammlung (asamblea concejil) auf das Rathaus (ayuntamiento) über.

Der demographische Anstieg im Spätmittelalter führt zu einem Anwachsen der Städte über die bestehenden Grenzen hinaus und zur Bildung neuer Sozialstrukturen, trotz Einbrüchen durch die Pest und Kriege im 14. Jh. Hoch angesehen ist die Schicht des Klerus, der von Tributzahlungen, aber auch von ziviler Rechtsprechung befreit ist. Er lebt von Zuwendungen der Kathedrale und ist auch im Handeln von Häusern aktiv (Carlé 2001: 85). Handwerkergruppen (menestrales) organisieren sich neu in Gremien. Durch die Gründung von Universitäten entstehen neue Berufsgruppen wie die der Universitätsbeamten, Juristen und Mediziner (aus eigenen Schulen), welche nun eine neue Mittelschicht bilden, in Konkurrenz zum mittleren Adel (Carlé 2001: 111f.). Als Mittelschicht können lokale Angestellte der Stadt (Tor-Warte oder Schreiber) oder der Universität, Handwerker, Händler und normale Berufstätige angesehen werden, welche keine Verteidigungsaufgaben haben noch im Agrarbereich tätig sind. Auch diese waren pecheros,[12] wurden aber immer stärker mit dem Ehrentitel Caballero angesprochen, der sich generalisierte (Carlé 2001: 133). Im 15. Jh. sind schließlich auch die Schreibgelehrten (letrados) der Stadtverwaltung und die Sprachgelehrten (maestro de gramática) so angesehen, dass sie Vorteile genießen (Carlé 2001: 136). Die privilegierten Adligen bewirken durch die Hausgesellschaft eine erhöhte Nachfrage nach Handelsgütern, einige geben ihren Besitz in Nachlässen an Klöster oder soziale Einrichtungen für Arme, wie auch das Königshaus Schenkungen vornimmt. Hohe Beamte des Königreichs und auch einige Ärzte am Königshof steigen zu wohlhabenden Bürgern mit stattlicher Residenz in den Städten auf, einige geben sich ein Wappen (Carlé 2001: 122). Weniger ausgebildete Arbeitskräfte (afanadores, obreros) bilden die unterste Schicht, meistens Landarbeiter, die für einen Tagelohn arbeiten. Verarmter Adel oder Tagelöhner sowie auch Bettler und Kranke zählen zur unteren Gruppe (Carlé 2001: 143).


Die Hoftagung der Cortes

Als Gegengewicht zum Adel fördert Alfons X. die Entwicklung und Machtentfaltung der Städte. Aus dem Beratungsgremium der curia regia entwickeln sich Ende des 13. Jh. zwei Institutionen: der königliche Rat (consejo real) und die Cortes als Ständeversammlungen, die für besondere Angelegenheiten und Entscheidungen zusammentreten (Herbers 2006: 232). Die Institution der Cortes entsteht 1188, als der leonesische Monarch Alfons IX. erstmals eine königliche Kurie einrichtet, an der Abgesandte einiger Städte und Dörfer seines Königreiches teilnehmen. Um den innerpolitischen Anspannungen und Umwälzungsprozessen begegnen zu können, lässt Alfons X. die Ständeversammlungen der Cortes relativ oft einberufen und ermöglicht so dem Adel, kirchlichen Instanzen und Städten eine Mitsprache (Herbers 2006: 190).

Der Einfluss der Cortes auf die politischen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Königreichen ist im 14. Jh. folglich groß. Sie treten zu dieser Zeit fünfmal zusammen (1315 Burgos, 1351 Valladolid, 1369 Toro, 1386 Segovia, 1387 Briviesca), während im 15. Jh. ihre Bedeutung zugunsten neuer zentraler Institutionen (Consejo Real, Audiencia) abnimmt. Nur noch 17 Städte entsenden zu dieser Zeit ihre Vertreter zu den Versammlungen. Alfons XI. führt zu seiner Regierungszeit das System der regimientos ein, das ihm eine neue Möglichkeit bietet, auf die städtische Einflussnahme einzuwirken. Da dieser Rat die Teilnehmerzahl stark auf die Führungspersonen der Städte einschränkt, begünstigt das neue System die Entstehung einer lokalen Oligarchie im Vergleich zur früheren offenen Versammlungsmöglichkeit. Langfristig führt dies in Kastilien zum Erstarken des Königtums (Herbers 2006: 276).

Auch die aragonesische Krone hält Versammlungen ab, zu denen ihre direkten und nächsten Vasallen und der vertrauteste Mitarbeiterstab geladen sind. Diese curia regia setzt sich aus dem König und den wichtigsten Würdenträgern des Adelsstandes zusammen und nimmt die Funktion wahr, den König zu beraten, der allein über politische, militärische und juristische Vormachtstellung verfügt. Erst 1264 treten in Aragón erstmals die Cortes zusammen, die Vertreter der Städte und Dörfer an der Versammlung teilnehmen lassen (Herbers 2006: 236).

In Navarra ergibt sich für das Verhältnis von Königtum und Cortes ein anderes Bild. Da die Herrschaftsstrukturen nicht durch eine starke Monarchie geprägt sind, haben die Cortes eine stärkere Machtposition inne, die sich u.a. darin zeigt, dass der König nach seiner Erhebung den Cortes einen Eid schwören muss. Die Cortes setzen sich in Navarra zusammen aus den Würdenträgern der Kirche, Vertretern der buenas villas und den Magnaten des Adels. Der consejo real als weitere wichtige politische Institution des Reiches hat außerdem nicht nur beratende Funktion, sondern nimmt auch juristische Aufgaben wahr (Herbers 2006: 274).


Klöster und Kirchenherrschaft

Jeder christliche Herrscher kann auf seinen Territorien eine Kirche errichten und einen Geistlichen dafür einsetzen, die sog. Investitur. Mit dieser sichert er sich die Treue der hohen Geistlichkeit. In kultureller Hinsicht werden in den Klöstern Schriften tradiert und kopiert, neben Rechtstexten und liturgischen Texten auch wissenschaftliche Werke wie die Etymologiae des Isidor von Sevilla. Die Beziehungen zu Europa werden durch Einführung des römischen Ritus in die Liturgie und der karolingischen Schrift verstärkt.

Bereits im ausgehenden 12. Jh. bestehen ausgebaute Kathedralschulen, welche die artes, Theologie und Recht lehren, um 1208 ist die Organisation der estudios generales ‚Generalstudium‘ in Palencia durch Alfons VIII. und Bischof Tello Téllez de Menenses in der Chronik des Lucas von Túy bezeugt. Die Gründung der Universität Salamanca wird auf 1219 datiert (Herbers 2006: 220ff.). Der Klerus hält stattliche Besitztümer in den Städten inne, besonders im Einflussbereich der Kathedralen, welche er an Schriftkundige zum Wohnen oder auch an Geschäftsinhaber vermietet (Carlé 2001: 129 ff.). 

Die sich mit der Reconquista vergrößernde Kirche wird wegen Streitigkeiten über die Zuordnung zu bestehenden Bistümern neu strukturiert, indem Kirchengebiete wie die Balearen oder Cartagena direkt dem Papst unterstellt werden. Im 13. Jh. wird vom Papst die Verfolgung Andersgläubiger auf eine neue rechtliche Grundlage gesetzt, nämlich durch ein Gerichtsverfahren, die sog. Inquisitio (Herbers 2006: 206ff.).

Die Hierarchieebenen der katholischen Kirche sind durch ihre zentrale Organisation und das Prinzip der absteigenden Macht vergleichbar mit den Strukturen anderer europäischer Gebiete.


(Die folgenden Fußnoten werden noch als Einzelnachweise eingearbeitet.)

[3]     Im Königreich Aragón ist die Bezeichnung merino vorherrschend, während in Katalonien von dem venguer gesprochen wird, der einer venguerías vorsteht. S. Valdeón / Juliá /  Pérez (2003: 89).

[4]     „[…] por esto los nobles Reyes destos reynos de Castilla ennoblesçieron mucho la caualleria otorgandoles prieuilejos que son clausos en el cuerpo del derecho & engrandeçiolos con grandes dignidades tenporales. Condes: Duques: & marqueses: & otras dignidades: & les fizieron merçedes de tierras & vasallos: & feudos E confiaron dellos tenençias & guardas de çibdades & villas: & castillos. & fortalezas“ (Segunda Partida, Prólogo).

[5]     Zum Feudalwesen in Kastilien s. García González (2008: 189-302).

[6]     „E beetria tanto quier dezir como heredamiento que es suyo quito de aquel que biue en el & puede reçebir por señor a quien quesiere que meior le faga“ (Siete Partidas IV, título XXV, Ley II).

[7]     „E marques tanto quiere dezir como Señor de alguna gran tierra que esta en comarca de reynos“ (Segunda Partida, título 1, ley 11, nach Alfons der Weise 1985). iuge beziehe sich nur auf vier Richter auf Sardinien, vizconde auf die Stellvertreter des Grafen.

[8]     „E duque tanto quiere dezir como cabdillo guiador de hueste que tomo este oficio antiguamente de mano del Emperador. E por este oficio que era mucho honrrado, heredaron los Emperadores a los que los tenian, de grandes tierras que son agora llamados ducados: e son por ellas vassallos del Imperio.“ (Segunda Partida, título 1, ley 11, nach Alfons der Weise 1985).

[9]     „E conde tanto quiere dezir como compañero que acompaña cotidianamente  al Emperador, o al Rey faziendole seruicio señalado: e algunos condes auia a que llamauan Palatinos que muestra tanto como Condes de palacio: porque en aquel logar los acompañauan, e les fazian seruicio continuamente, e los heredamientos que fueron dados a estos oficiales son llamados condados.“ (Segunda Partida, título 1, ley 11, nach Alfons der Weise 1985).

[10]    Leider liegen keine Forschungsarbeiten vor, die die hierarchischen Strukturen des Adelstandes begrifflich differenziert darlegen. Die Arbeit von Anne J. Duggan (2000): Nobles and Nobility in Medieval Europe. Concepts, Origins, Transformations. Woodbridge geht auf Spanien leider nicht direkt ein.

[11]    Im Fuero de Jaca unter dem aragonesischen König Sancho Ramírez werden die Klassen als miles, burgensis aut rusticus benannt, also Ritter, Stadtbürger und Landarbeiter (Gómez de Valenzuela 1980: 160).

[12]    S. pechero ‚der Tributpflichtige’ im Gegensatz zu den Privilegierten, von Steuern befreiten Personen, heute: gemeine Steuerzahler.

Literatur

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Valdeón, Julio / Juliá, Santos / Pérez, Joseph (2003): Historia de España. Madrid: Espasa Calpe.


Einzelnachweise

  1. Herbers 2006: 17.
  2. Herbers 2006: 94.
  3. Herbers 2006: 102.
  4. Cantarino 1988: 368.
  5. González Antón 1988: 28.
  6. Herbers 2006: 193ff.
  7. Vgl. auch González Ferrín, Emilio (32009): Historia general de Al Ándalus. Europa entre Oriente y Occidente. Córdoba: Almuzara.
  8. González Antón 1988: 34.
  9. Cantarino 1988: 371.
  10. 1988: 373.
  11. Cantarino 1988: 373.
  12. Herbers 2006: 91ff.
  13. Carlé 2001: 96.
  14. Herbers 2006: 230ff.
  15. 1984: 206-214.
  16. Gerade die muslimischen Gläubigen hätten eine Position der religiösen Toleranz eingenommen, so Castro (1984: 204-207). Weniger tolerant zeigten sich ihm zufolge die Christen, welche sich für die Idee eines heiligen Krieges ereiferten. Einen Überblick über die aktuelle Forschungssituation liefert Anna Akasoy (2010): “Convivencia and its discontents. Interfaith Life in al-Andalus“. In: Middle East Studies 42, 489-499. Eine Zusammenfassung zur Einführung des convivencia-Konzeptes in die spanische Geschichtsschreibung durch Ramón Menéndez Pidal bietet Vivian B. Mann (1992): Convivencia. Jews, Muslims and Christians in the Medieval Spain. New York. Sie geht davon aus, dass Américo Castro in der Nachfolge von Menéndez Pidal dem Konzept der convivencia einen Optimismus religiöser Toleranz in al-Andalus eingeschrieben hat. Ebenfalls überzeugt von einem Begriffsverständnis des friedlichen, fruchtbaren Zusammenlebens zeigt sich Maria Rosa Menocal (2003): The Ornament of the World. La joya del mundo. Musulmanes, judíos y cristianos, y la cultura de la tolerancia en al-Andalus. Barcelona. Einen deutlich kritischeren Standpunkt liefert David Nirenberg mit seinem Fokus auf die Unterdrückung von Minderheiten auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (David Nirenberg (1996): Communties of Violence: Persecution of Minorities in the Middle Ages. Princeton). Zur interreligiösen Beziehung auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter liefern wichtige Forschungsarbeiten Robin Vose (2009): Dominicans, Muslims and Jews in the Medieval Crown of Aragon. Cambridge, Flocel Sabaté / Claude Denjean (Hg.)(2009): Cristianos y judíos en la Edad Media. Polémica, conversión, dinero y convivencia. Lleida; Robert I. Burns (1984): Muslims, Christians, and Jews in the Crusader kingdom of Valencia. Cambridge; außerdem Emilio Mitre Fernández: Cristianos, musulmanes y hebreos. La difícil convivencia de la España Medieval. Madrid 1988. Der aktuellste Forschungsbeitrag findet sich bei Andreas Gelz (2012): „Convivencia: ZusammenLebensWissen als Utopie spanischer Geschichtsschreibung“. In: Ette, Otmar (Hg.): Wissensformen und Wissensnormen des ZusammenLebens. Literatur-Kultur-Geschichte-Medien. Berlin: de Gruyter, 87-102.
  17. Herbers 2006: 94.
  18. Herbers 2006: 88; 96.
  19. Herbers 2006: 97.




Papst bzw. Papsttum und Kurie

  • Encadré: Probleme um die Erfassung der Grenzen beherrschter Räume (Beispiel: Maurer, Der Herzog von Schwaben)
  • Karte Abendland und romanisches Sprachgebiet

Kaiser bzw. Kaisertum: Ostrom/Byzanz

  • Kontaktzonen zwischen romanischen Sprachen und Griechisch; Kulturtransfer

Kaiser bzw. Kaisertum: deutsch-­römisches Reich

  • "Le roi de France est empereur en son royaume" // Imperator Hispaniae (Diss. Sirantoine)
  • kontaktzonen zwischen romanischer und deutscher Sprache

Könige bzw. Königtümer

  • Encadré: Herrschaftsgemengelage mit dem Islam auf der iberischen Halbinsel, Südfrankreich (Fraxinetum) und Italien (Rom, Sizilien, Capitanata s. Lukas Clemens), Gottesfrieden
  • Beispiele: Frankreich, Königreich Sizilien(und Provence, Neapel etc.) unter den Normannen, Hohenstaufen, Angevinern, und der Krone von Aragon; iberische Halbinsel: Kastillien, Aragon, Emirat Córdoba, Taifa-­‐Königreiche
  • Kontaktzonen zwischen romanischen Sprachen und Arabisch/Hebräisch (Sefarden); Kulturtransfer; nach 1492: "Judenspanisch" im osmanischen Reich und Nordafrika  ; Entdeckungen neuer Welten: romanische Sprachen auf dem amerikanischen Kontinent
  • Judenspanisch in Istambul, Johannes von Gorze, Maieul
  • Karten

Herzöge bzw. Herzogstümer; Markgrafen bzw. Markgrafschaften; Grafen bzw. Grafschaften

  • Encadré: Apanages (Vergleichbares auf der iberischen Halbinsel?
  • Beispiele Aquitanien, Burgund; iberische und italienische Beispiele

Erzbischöfe bzw. Kirchenprovinzen

  • Cambrai (Kirchenprovinz Reims aber im Reich)
  • Für 6 und 7 Karten: zum Unterschied zwischen Italien und Provence einerseits und der restlichen "Romania" andererseits

Bischöfe bzw. Bistümer

  • Encadré: Verflechtungen von Klöstern gemeinsamer Observanz (St. Viktor, Ecclesia Cluniacensis) bzw. gleicher Ordensgemeinschaft (Zisterzienser etc.) in der "Romania
  • Für 6 und 7 Karten: zum Unterschied zwischen Italien und Provence einerseits und der restlichen "Romania" andererseits; Karten zu den Klöstern von Cluny usw. in der Romania

Grundherrschaften, Vogteien

  • Encadré: Burgen als Symbol der Macht  ; Ministerialen in der Romania
  • Schaubild zur Villikation, Polyptichon

Pfarreien

  • Schaubild zum Pfarrzwang (Friedhof inbegriffen) im Spätmittelalter: Sakramente und Stolgebühren (Pro Deo-­‐Katalog!), Glaubensbekenntnis

Kommunen

  • Encadré zu großräumigen und kleinräumigen Herrschaftsebenen: Übelagerungen von Herrschaften, Doppelherrschaften (Kondominate/Pariagia/Paréages) // Kommune als Schwurgemeinschaf

Verwandte und Freunde

  • "Ordonner et exclure"

Gebetsgemeinschaften, Verschwörungen und Einungen

  • Encadré: Eidbegriff
  • Nachgesprochene Eidesformel als Tondokument, Straßburger Eide

Zoll-­, Markt-­, Münzverleihungen; Städtegründungen, Bastiden

  • Encadré: Regalienbegriff

Kurie/Königshof

  • Encadré: Pfalz/Palatium
  • Papstgeschichtliche Wende: römische Liturgie und "lokal-­‐regionale" liturgische Traditionen in Spanien, Italien, Frankreich; Appellationen; Palliumvergabe

Delegationen: Missi, Legaten, örtliche Verwalter und Amsträger (baillis, prévôts)

  • Encadré: Benefizienvergabe und "Feudal-­bzw. Lehnswesen"/"Féodalité"
  • Zu 13, 14, 15, 16 Symbolik/Riten/Performanz/Liturgie der Macht; Legitimationsformen der Herrschaft/Macht in Schrift, Bild, (Bsp. Präsenz des Herrschers in Bild und Siegel), Musik
  • Schaubilder zu 13, 14, 15, 16, Eulalie

Urkunden und Archiv

  • Encadré: Urkundensprache (Latein und erste Spuren der Volkssprache); Volksprache als Verwaltungs-­‐ und Justizsprache (édit de Villers-­‐Cotterêts)
  • Übergang von der lateinischen zur volkssprachlichen Literatur, latin farci
  • Faksimile
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