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Version vom 4. Oktober 2016, 12:50 Uhr

MIRA-Handbuch, Artikel C1 "Kulturen der Mündlichkeit"
Autor: Mario Garvin, Klaus Grübl, Angela Schrott, Maria Selig
Stand: Juli 2015



Theoretische Grundlagen

Mündlichkeit: Medialität und Konzeption (Maria Selig)

Die Auseinandersetzung mit den Kulturen der Mündlichkeit des Mittelalters bringt es mit sich, dass man sich Bereichen zuwendet, die in der traditionellen Forschung oftmals vernachlässigt wurden. Medial phonische Kommunikation konnte vor der Erfindung der modernen Speichermedien nicht unmittelbar aufgezeichnet werden und ist daher für das Mittelalter nur indirekt zugänglich. Allerdings geht der Begriff der Mündlichkeit häufig über die medialen Dimensionen der Kommunikation hinaus. Von Mündlichkeit wird beispielsweise auch dann gesprochen, wenn es um Phänomene geht, die zwar in der Medialität der sprachlichen Zeichen ihre Erstbegründung haben, sich aber von der lautsprachlichen Realisierung abgelöst haben. Wenn etwa von der ‘mündlichen Literatur’ die Rede ist, wird auf die sprachlichen und textuellen Formen abgehoben, die in Zusammenhang mit einer mündlich-improvisierenden Produktion und einer hörend-sehenden Rezeption stehen, unabhängig davon, ob diese in einem aktuell mündlich produzierten Text oder, als Elemente einer bestimmten literarischen Tradition, in schriftlichen Texten zu beobachten sind (vgl. Abschnitt 4). Insofern kann im Folgenden auch nicht von der Mündlichkeit des Mittelalters oder der Renaissance die Rede sein, sondern muss immer geklärt werden, welche Mündlichkeit jeweils gemeint ist. In einem zweiten Schritt sollte dann auch das Verhältnis der angesprochenen sprachlichen, textlichen, literarischen oder gesellschaftlichen Mündlichkeit zum begrifflichen Ausgangspunkt, nämlich der phonischen Medialität der sprachlichen Zeichen, näher bestimmt werden.

Die hierfür notwendigen Klärungen können unter Rückgriff auf das Nähe-Distanz-Modell von Peter Koch und Wulf Oesterreicher geleistet werden.[1] Sie unterscheiden mehrere Dimensionen der Diskussion um Mündlichkeit (und Schriftlichkeit), nämlich die mediale und die konzeptionelle, zu denen man bei historischen Fragestellungen als dritte die sozio-kulturelle Dimension hinzufügen muss.[2] Die mediale Dimension ist auf die materielle Realisierung der sprachlichen Signifikanten bezogen. Diese ist phonisch, wenn die Interaktanten lautlich kommunizieren, graphisch, wenn die Schrift genutzt wird. Die konzeptionelle Dimension bezieht sich dagegen auf die Variabilität der Kommunikationsbedingungen und der Versprachlichungsstrategien, die anthropologisch begründet und daher medienunabhängig ist. Exemplifizieren kann man die konzeptionelle Variation etwa am Vorlesen eines Gesetzestextes: Der vorgelesene Gesetzestext verliert trotz seiner dann phonischen Materialität nichts von den Merkmalen, die man in einem ersten Zugriff als typisch ‚schriftsprachlich‘ bezeichnen würde, die aber mit seiner Genese in einer situationsentbundenen, monologischen, themenzentrierten, nicht expressiven und maximal geplanten Kommunikationssituation zusammenhängen.

Die konzeptionelle Variation wird, so Koch und Oesterreicher, mindestens von folgenden kommunikativen Parametern bestimmt (angegeben sind jeweils die Pole, zwischen denen die Parameterwerte variieren können):

- Privatheit/Öffentlichkeit der Kommunikation

- Vertrautheit/Fremdheit der Partner

- Emotionalität/keine Emotionalität

- Situations- und Handlungseinbindung/-entbindung

- referentielle Nähe/Distanz

- physische Nähe/Distanz

- intensive/fehlende Kooperation

- Dialogizität/Monologizität

- Spontaneität/Reflektiertheit

- freie Themenentwicklung/Themenfixierung

- etc.[3]

Die bei der Charakterisierung der Parameter jeweils zuerst genannten Werte fassen Koch und Oesterreicher als kennzeichnend für Kommunikationssituationen der kommunikativen Nähe bzw. Nähesprache zusammen, die zuletzt genannten kennzeichnen die Distanzkommunikation bzw. sind distanzsprachlich. Mit Ausnahme der physischen Nähe/Distanz der Kommunikationspartner (beide Partner anwesend/nicht anwesend), ist die Variation hinsichtlich der Parameter kontinual und kennt neben den Extrempolen auch Zwischenwerte (weniger spontan, aber nicht hochgradig geplant und reflektiert, geringe Themenbindung etc.). Die kontinuale Variation fast aller konzeptioneller Parameter steht in einem klaren Gegensatz zur medialen, die dichotomisch (entweder phonisch oder graphisch) ist (vgl. hier außerdem die in Abschnitt 4 angesprochenen komplexeren medialen Konfigurationen, die durch die Verteilung der einzelnen Produktions- und Rezeptionsschritte auf unterschiedliche Medien entstehen).

Einige der genannten Parameter haben Auswirkungen auf die Komplexität der Versprachlichung, etwa die Frage, ob der Referent eines sprachlichen Zeichens physisch präsent ist oder nicht, oder die Frage, in welchem Umfang die Vertrautheit der Kommunikationspartner es ermöglicht, auf extensive Versprachlichungen zu verzichten, weil geteiltes implizites Wissen genutzt werden kann. Andere Parameter bieten Spielraum für die Ausgestaltung unterschiedlicher Beziehungs- und Sachorientierungen. Die Interaktanten können beispielsweise durch die Anerkennung des monologischen Rederechts, der Situationsentbindung und einer jeweils unterschiedlich starken Verpflichtung auf Themenzentrierung Interaktionstypen bzw. soziale Praktiken definieren, die von der Alltagserzählung über Unterrichtssituationen oder öffentliche Rede bis zur literarischen Aufführung reichen. Die angeführten Beispiele aus dem Bereich der medialen Mündlichkeit belegen, dass die konzeptionelle Variation ein anthropologisches Universale ist und vor jeder medialen Differenzierung steht. Sie muss deshalb auch in Gesellschaften angesetzt werden, die noch nicht über die Schrift verfügen bzw. in denen die Möglichkeit der Schriftnutzung sozial und situationell stark eingeschränkt ist. In diesen Gesellschaften entwickeln sich Formen einer elaborierten Mündlichkeit wie etwa das mündliche Epos, liturgische Rituale, Ratsversammlungen etc.[4] Hier ermöglicht die face-to-face-Interaktion weiterhin die Nutzung analoger Kommunikationskanäle (Stimmqualität, Mimik, Gestik, Proxemik etc.) bzw. den Einsatz symbolischer Kommunikationsformen, die die Multimedialität der face-to-face-Kommunikation ausnutzen (Musik, Tanz, Bild etc.). Der Text, der im eigentlichen Sinne sprachliche Anteil der Kommunikation, ist dann eingebettet in Formen der Anwesenheitskommunikation (Ritual, Aufführung etc.), die alle medialen Dimensionen bei der Sinnstiftung aktivieren kann, aber auch an die Beschränkungen des phonischen Mediums gebunden bleibt (Flüchtigkeit, online-Textproduktion memorielle Textfixierung etc.).[5]

Die soziokulturellen Aspekte der Medialität knüpfen an diese medialen Gebrauchsmöglichkeiten und an die konzeptionelle Variation an. Beispielsweise kann die Entkoppelung von Produktion (Schreiben) und Rezeption (Lesen oder Zuhören) bei der graphischen Aufzeichnung zu einer längeren Bearbeitungszeit genutzt werden, um kognitiv komplexere Versprachlichungen bzw. Text- oder Argumentationsstrukturen zu erreichen, die in der ungeplanten bzw. nicht gänzlich planbaren online-Produktion im phonischen Medium nicht möglich sind. Neben den durch den Medieneinsatz veränderbaren kognitiven, sprachlichen und rhetorischen Planungs- und Reflexionsmöglichkeiten spielen auch die Zirkulationsmöglichkeiten bzw. die Möglichkeiten der Konservierung und Archivierung eine zentrale Rolle. Die Schrift ermöglicht die gedächtnisunabhängige materielle Konservierung und die unbeschränkte Vervielfältigung von Texten. Nutzt eine Gesellschaft diese Möglichkeiten, entstehen nicht-ortsgebundene (atopische) kommunikative Netze, die nicht aus der personalen Interaktion und nicht in alltagsweltlichen Bezügen entstehen, sondern in der Lektüre eines Texts, z.B. der Bibel,[6] oder bestimmter Texte (Literatur etc.) begründet sind und so über den unmittelbaren Handlungsradien der lebensweltlichen Räume angesiedelte kulturelle und soziale Traditionen bilden. Wichtig für die soziokulturellen Dimensionen der Medialität sind auch die Möglichkeiten der Wissensakkumulation durch die Archivierung der schriftlich fixierten Texte.

In den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften ist die Schrift in vielen Bevölkerungsgruppen nicht präsent. Deshalb spielen Formen der Anwesenheitskommunikation etwa im Bereich der Literatur, des Rechts, des Wissens oder der Macht eine große Rolle. Insofern sind diese Gesellschaften auch im distanzsprachlichen Bereich von Strukturen geprägt, die auf die face-to-face-Interaktion und die phonische Medialität zurückgehen. Als derartige semi-orale Diskurstraditionen (Koch 1997) sind etwa paraliturgische Gattungen, chansons de geste, Hoftage, symbolische Rechtshandlungen etc. zu nennen;[7] die ‘mündliche’ Prägung der mittelalterlichen Gesellschaft wird außerdem in den Verfahren bzw. Werteensembles sichtbar, die bei der Stabilisierung sozialer Normen, bei der Konfliktregelung, der Machterhaltung oder im Umgang mit Wissen und Erfahrung eingesetzt werden. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die diese „Typik oraler Gesellschaften“ für das Mittelalter und die frühe Neuzeit nachzeichnen.[8] Sie haben auch zeigen können, dass sich derartige semi-orale Strukturen mit der Zunahme der Schriftlichkeit durch das Bevölkerungswachstum oder die Urbanisierung ab dem 12. Jahrhundert hin zur „literate mentality“ ändern,[9] dass es aber keinesfalls einen Mediendeterminismus gibt, weil die gesellschaftlichen Strukturen niemals unmittelbar aus dem Alphabetisierungsgrad einer Gesellschaft abgeleitet werden können. Die Kulturen der Mündlichkeit können noch lange nach der Zunahme der schriftlichen Kommunikation als Traditionen mit kollektiver Geltung weitergeführt und erst zu einem späteren Zeitpunkt an die veränderten Bedingungen des Mediengebrauchs angepasst werden.

Methodischer Zugang zur Mündlichkeit (Angela Schrott)

Die gesprochene Sprache des Mittelalters ist eine Sprachwirklichkeit, die nicht mehr unmittelbar zugänglich ist, sondern nur noch aus überlieferten schriftlichen Quellen rekonstruiert werden kann. Diese Rekonstruktion ist eine Kernaufgabe der historischen Sprachwissenschaft und insbesondere der historischen Pragmatik und Gesprächsforschung, die Traditionen mündlichen Sprechens in früheren Epochen und damit auch im Mittelalter erforschen. Die Suche nach historischen Zeugnissen gesprochener Sprache hat in der Romanistik eine lange Tradition.[10] Ausgangspunkt ist die Untersuchung des sogenannten Vulgärlateinischen, das als gesprochenes Latein die Grundlage der romanischen Sprachen bildet. Die Konzentration auf die Übergänge zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit bewirkte, dass gesprochene Varietäten und die Geschichte der gesprochenen Sprache immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit rückten. Obwohl die Sprachen früherer Epochen nicht mehr mündlich aktualisiert werden, gibt es mehrere Quellentypen, die Rückschlüsse auf die gesprochene Sprache früherer Epochen zulassen.[11] Zu diesen Quellen gehören etwa schriftliche Wiedergaben realer Gespräche (Protokolle), ferner Aufzeichnungen und Kommentare zu dialogischen Interaktionen (etwa in späteren Aufzeichnungen der Interaktanten) sowie fiktionale Gespräche in literarischen Texten oder in Sprachlehrbüchern.. Diese Quellen geben kommunikative Geschehen wieder und erlauben damit Rückschlüsse auf historische Sprache und Sprachgebrauch. Indizien für den mündlichen Sprachgebrauch liefern ferner Sprachlehrbücher und Texte, die soziale Normen des höflich-angemessenen Sprechens explizit thematisieren.

Die Rekonstruktion als Aufgabe der historischen Sprachwissenschaft wird durch die Differenzierung von Tätigkeit (energeia) und Produkt (ergon) im linguistischen System Coserius verdeutlicht.[12] Die energeia des individuellen Diskurses beinhaltet eine Kreativität, die Traditionen des Sprechens nicht allein anwendet, sondern auch verändert und damit Ausgangspunkt für sprachlichen und kulturellen Wandel ist. Das Produkt (ergon) dagegen erfasst das Resultat, das die Sprechtätigkeit in einer konkreten Situation als phonisch oder graphisch realisierten Text hervorbringt. Dieses Produkt allein ist Objekt der Überlieferung. Aus diesem Grund können Kulturen der Mündlichkeit im Mittelalter nur im Rückgriff auf das überlieferte Textprodukt erforscht werden, das der einzige Zeuge der vergangenen Kommunikationspraxis ist. Die Rekonstruktion baut damit auf dem Text als Produkt auf und hat das Ziel, sich über das in die Texte eingegangene Wissen dem Diskurs als Tätigkeit anzunähern. Sprachwissenschaftliche Disziplinen, die sich mit der Mündlichkeit des Mittelalters beschäftigen, arbeiten daher mit der Prämisse, dass der aus Quellentexten rekonstruierte Sprachgebrauch sich die Sprachwirklichkeit nur fragmentarisch abbilden kann.[13] Denn zum einen bilden die überlieferten Texte nur einen kleinen Teil der mittelalterlichen mündlichen Kommunikation ab, zum anderen impliziert die schriftliche Wiedergabe immer eine Reduktion der Mündlichkeit und eine Anpassung an die Normen der Schriftlichkeit. So beinhalten etwa Protokolle von Gerichtsverhandlungen trotz des realhistorischen Gehalts rhetorische Überformungen, die die schriftliche Textsorte verlangt.[14] Ein Beispiel für eine gezielte Fingierung von Mündlichkeit liefern ferner Lehrdialoge in medizinischen Handbüchern, in denen Elemente der Alltagssprache gezielt eingesetzt werden, um den Anschein von Mündlichkeit und Lebendigkeit zu erzeugen.[15] Die in schriftlichen Texten wiedergegebene Rede ist damit keine Reproduktion der gesprochenen Sprache, sondern ein beim Übergang in die Schriftlichkeit modifiziertes Abbild der Sprachwirklichkeit. Quellentexte dürfen daher nicht mit der gesprochenen Sprache früherer Zeiten identifiziert werden, sondern sind lediglich Grundlage für linguistische Rekonstruktionen.[16]

Die Technik, in schriftlichen Texten durch ausgewählte Elemente gesprochener Sprache den Eindruck mündlicher Rede zu erzeugen, findet sich vor allem in literarischen Texten. Literarisch fingierte Mündlichkeit kann dabei unterschiedliche Grade der Nähesprache oder der Distanzsprache im Sinne von Koch/Oesterreicher abbilden,[17] doch häufig dient sie dazu, die Lebendigkeit nähesprachlicher Kommunikation zu erzeugen. Die unterschiedliche Gestaltung mündlicher Rede – in der Heldenepik agieren und sprechen die Protagonisten anders als im höfischen Roman – ist durch die verschiedenen Gattungstraditionen bedingt: Je nach Gattung wird mündliches Sprechen in unterschiedlicher Weise literarisch überformt und gestaltet. Mündlichkeit ist damit stets ein mimetisch repräsentiertes Sprechen, das der Gattung entsprechend in Szene gesetzt wird.

Traditionen der Mündlichkeit im Mittelalter (Angela Schrott)

Traditionen des Sprechens

Grundsätzlich ist Mündlichkeit im Mittelalter zugleich ein sprachliches und kulturelles Phänomen, denn mündliches Sprechen ist stets durch kulturelle Traditionen geprägt. Diese Verflechtung von Sprache und Kultur verdeutlicht vor allem die pragmalinguistische Perspektive auf das Sprechen in seinen situativen, sprachlichen und kulturellen Umfeldern. Eine wichtige Grundlage für die kulturorientierte linguistische Pragmatik bildet die von Eugenio Coseriu in seinem Modell der Sprachkompetenz entwickelte systematische Differenzierung der in das Sprechen und Verstehen eingehenden Regeln und Traditionen des Sprechens.[18]

Ausgangspunkt ist, dass Coseriu dem Sprechen drei Eigenschaften zuschreibt:[19] Das Sprechen ist eine universelle allgemein-menschliche Tätigkeit, die immer in einer bestimmten Sprache erfolgt und stets an konkrete Kommunikationssituationen und Individuen gebunden ist. Aus diesen drei Eigenschaften ergibt sich, dass das Sprechen und analog auch das Verstehen von Texten stets auf drei Wissenstypen aufbaut: den allgemein-universellen Regeln und Prinzipien des Sprechens, den einzelsprachlichen Traditionen und den kulturellen Diskurstraditionen.[20] Das folgende Schema gibt einen Überblick über diese Wissenstypen:

C1 Die drei Wissenstypen nach Coseriu 1988.jpg

Schema 1: Die drei Wissenstypen nach Coseriu 1988a

Die allgemein-universellen Regeln und Prinzipien prägen die Sprachverwendung in allen Sprachen und Kulturen. Ein solches Prinzip ist etwa das Grice’sche Kooperationsprinzip mit seinen vier Maximen.[21] Dabei ist das Wissen, wie man etwa relevant und klar spricht, nicht Teil einer Sprache, sondern vielmehr ein auf das Sprechen bezogenes Wissen. Die Produktion und Rezeption von Diskursen und Texten erfordert ferner, dass ein Sprecher eine oder mehrere Sprachen beherrscht. Das sprachliche Wissen, das zum Sprechen und Verstehen historisch veränderlicher Einzelsprachen wie Deutsch, Spanisch oder Französisch befähigt, wird in der Sprachgemeinschaft von Generation zu Generation weitergegeben. Es ist daher ein historisch-traditionelles Wissen und bildet die einzelsprachlichen Traditionen. Einen dritten Wissensbestand stellen die Diskurstraditionen dar. In konkreten Kommunikationssituationen wirken sie als kultureller Leitfaden für ein angemessenes und erfolgreiches Sprechen. Die Diskurstraditionen sind historisch veränderlich und kulturspezifisch. Beispiele für diesen Wissenstyp sind Normen der Dialogeröffnung oder des höflichen Bittens, aber auch das Wissen, wie man einen Fachvortrag hält oder einen Privatbrief schreibt. Die Diskurstraditionen sind als kulturelles Wissen nicht Teil einer Sprache, sondern können in mehreren Sprachen gebräuchlich sein oder in einer Sprachgemeinschaft nur von einer kleineren Gruppiererung praktiziert werden. Sie haben mit den allgemeinen Prinzipien des Sprechens gemeinsam, dass sie ebenfalls ein auf das Sprechen bezogenes Wissen sind. Aus der Zusammenschau der Wissensbestände folgt, dass alles Sprechen sowohl einzelsprachlichen Traditionen als auch Diskurstraditionen folgt und damit in einer doppelten Traditionalität steht.

Das Coseriu’sche Modell der Regeln und Traditionen wurde in der Romanistik in den vergangenen Jahren intensiv und auch konträr diskutiert. Erörtert wurde etwa die Frage, inwiefern sich einzelsprachliche Traditionen und Diskurstraditionen in ihrer Historizität unterscheiden.[22] Gemeinsam ist den sich auf Coseriu berufenden romanistischen Ansätzen jedoch, dass Tradition und Traditionalität zentrale Konzepte der (historischen) Sprachwissenschaft sind.[23]

Die von Coseriu entworfene Systematik der Wissenstypen ist der Ausgangspunkt für ein Modell der linguistischen Pragmatik und Gesprächsforschung. Denn da Coseriu vom Sprechen als Tätigkeit ausgeht, kann seine Systematik zu einem Modell umgedeutet werden, das drei pragmalinguistische Felder und Perspektiven unterscheidet:[24]

C1 Schema 2.jpg

Schema 2: Die drei Perspektiven der (historischen) linguistischen Pragmatik

Ausgehend von den drei Wissensbeständen können drei Felder der linguistischen Pragmatik unterschieden werden. Die allgemein-universelle Pragmatik widmet sich den allgemeinen Regeln des Sprechens und untersucht etwa das Wirken des Grice’schen Kooperationsprinzips. Im Unterschied dazu fokussiert die einzelsprachliche Pragmatik sprachliche Elemente und Strukturen in pragmatisch-funktionaler Perspektive. Die diskurstraditionelle Pragmatik schließlich untersucht kulturelle Traditionen, die verbale Interaktionen anleiten.

Diese drei Felder der Pragmatik beinhalten drei verschiedene Perspektiven auf Sprache und Sprechen. So betrachtet die allgemein-universelle Pragmatik menschliche Rede in universeller Perspektive und steht damit zwei historischen Perspektivierungen gegenüber, die entweder historisch-einzelsprachlichen Wandel oder historisch-kulturelle Veränderungen fokussieren. Dank seiner drei Felder erfasst das Modell sowohl pragmalinguistische Untersuchungen des gegenwärtigen Sprachgebrauchs als auch die historische Pragmatik, die kontextgebundenes Sprechen in früheren Gemeinschaften untersucht. Im Fall der historischen Pragmatik gilt das zentrale Interesse den beiden historisch veränderlichen Feldern, während die universellen Regeln den Hintergrund bilden, vor dem historische Veränderungen deutlich werden.

Die Kulturen der Mündlichkeit und ihre Erforschung können mit Hilfe der drei Perspektiven erfasst werden. In der universellen Perspektive werden in verschiedenen Sprach- und Kulturräumen Techniken von Mündlichkeit und Nähesprache mit dem Ziel untersucht, universelle nähesprachliche Muster aufzudecken und universelle Tendenzen konzeptioneller Mündlichkeit (und ex negativo auch der konzeptionellen Schriftlichkeit) zu eruieren. In der historisch-einzelsprachlichen Perspektive steht im Zentrum, wie in einer bestimmten Sprache konzeptionelle Mündlichkeit realisiert wird und wie sich diese sprachlichen Mittel diachron wandeln.[25] Die historisch-kulturelle Perspektive schließlich geht der Frage nach, wie sich kulturelle Normen mündlichen Sprechens verändern. Eine Fragestellung ist etwa, in welchen Situationen ein bestimmter Grad an nähe- oder distanzsprachlicher Mündlichkeit verwendet wird und wie sich diese Grenzen im Lauf der Zeit verschieben. So ist etwa denkbar, dass sich in bestimmten Situationstypen durch soziokulturellen Wandel eine stärkere Nähesprachlichkeit ergibt. Damit folgt aus dem Modell der linguistischen Pragmatik, dass die Analyse gesprochener Sprache und Mündlichkeit drei Betrachtungsweisen einschließt: neben der universellen und der einzelsprachlichen Perspektive ist auch die Sicht der diskurstraditionellen Pragmalinguistik zu berücksichtigen.

Traditionen dialogischen Sprechens

Mündlichkeit ist in der Realisierung genuin an dialogische Interaktionsschemata und damit eng an die verschiedenen Phasen eines Gesprächs gebunden. Allgemein findet sich eine große Vielfalt von Dialogformen, die mit zahlreichen Varianten realisiert werden können. Eine verhältnismäßig ausgeprägte Festigkeit dialogischer Strukturen findet sich vor allem in der Eröffnungsphase von Gesprächen, wenn sich die (künftigen) Gesprächspartner begrüßen und das Gespräch beginnen. Daher ist der Gesprächsbeginn eine Phase, in der sich Traditionen dialogischen Sprechens besonders deutlich ausformen. Aus diesem Grund werden im Folgenden zwei Techniken der Dialogeröffnung vorgestellt, die sich im Cantar de mio Cid finden. Dieser altspanische Text entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jhs. und damit in einer Zeit, in der die volkssprachliche Dichtung in mündlicher performance vermittelt wird. Die cantares de gesta als epische Heldendichtung sind eine Gattung der oral poetry, bei der der schriftlich überlieferte Text lediglich die sekundäre Fixierung einer mündlichen Erzähltradition darstellt.

Kommunikative Routinen wie Begrüßungen und Gesprächseröffnungen sind eine Konstante dialogischen Sprechens, sie finden sich in mittelalterlichen Repräsentationen von Gesprächen ebenso wie in verbalen Interaktionen der Gegenwart. Diese Routinen gehören zu den Diskurstraditionen des Gesprächs, die in fiktionalen Texten abgebildet werden und auf dieser Textbasis von der historischen Pragmatik erforscht werden.[26] Vergleicht man allerdings Begrüßungen und Dialogeröffnungen in verschiedenen Epochen und Kulturen, dann stellt man fest, dass die Konstanz das Strukturelement Begrüßung bzw. Dialogeröffnung betrifft, wogegen die Füllung historisch veränderlich und kulturspezifisch ist.

Grundsätzlich konstituiert sich eine soziale Begegnung, indem die sich begegnenden Individuen sich einander zugänglich zeigen und einen Gesprächsraum öffnen. Der Gruß als ritualisierte Form der Kontaktaufnahme vermittelt dem Gesprächspartner Zuwendung und Wertschätzung und trägt so zu einer geglückten Eröffnung verbaler Interaktionen bei.[27] Dieser anthropologische Grundwert der Begrüßung unterliegt zahlreichen historischen und kulturspezifischen Variationen. So haben verschiedene Kulturen unterschiedliche Repertoires an Grußformeln, die als pragmatische Routinen funktionieren. Während die Grußformel als sprachliche Form immer einer konkreten Einzelsprache angehört, ist das Wissen um den angemessenen Einsatz dieser Formeln kultureller Natur und damit Teil des diskurstraditionellen Wissens. Eine in vielen Sprachen und Kulturen verbreitete Grußformel ist etwa die ‘Wohlergehensfrage’ (dt. Wie geht’s?, fr. Ça va? bzw. Comment ça va?, sp. ¿Cómo estás?, engl. How do you do?), die sich von einer Frage nach dem Befinden des Adressaten zu einer Geste der Zuwendung und zu einem dialogischen Strukturmarker entwickelt hat und daher nicht mehr als Informationsfrage aufgefasst werden kann.

Im Cantar de mio Cid finden sich mehrfach formelhafte Wendungen, die als Grußformel und Dialogeröffnung dienen. Einen Sonderfall stellen dabei Begrüßungen dar, die das Konzept des KOMMENS und damit die räumliche Dimension der Begegnung thematisieren. Rekurrent sind im Cantar Fälle, in denen der Cid einen zurückkehrenden Boten auf diese Weise begrüßt, wie der folgende Textausschnitt thematisiert:[28]

C1 Tab 1.jpg

Der Cid reitet den beiden Boten entgegen, umarmt und begrüßt sie mit der Grußformel ¡Venides, Minaya, e vós, Pero Vermúez!. Auch wenn der Cid den Boten entgegenreitet, macht das Richtungsverb venir klar, dass es die Boten sind, die sich zu ihrem Zentrum zurückbewegen. Die Semantik der gerichteten Bewegung macht den Cid zum Zielpunkt der Bewegung und betont damit dessen Autorität. In vergleichbarer Weise auf dem Konzept des KOMMENS aufbauende Grußformeln finden sich auch in altfranzösischen Texten, in denen ein Gruß wie Bien veigniez ebenfalls meist demjenigen entboten wird, der auf den Sprecher zukommt.[29]

Grußformeln des Kommens und Gehens haben über die Akzentuierung der Bewegungen der Figuren im Raum hinaus noch die Funktion, den Raum zu perspektivieren und ihm ein Zentrum zu geben. Die im Cantar exklusiv vom Cid verwendete Venides-Formel macht klar, dass der Cid der Zielpunkt aller Bewegungen seiner Gefolgsleute ist. Der Cid und die von ihm verkörperte Ordnung erscheint so als Zentrum des Textes, was impliziert, dass andere Figuren und die von ihnen verkörperten Wertsysteme ex negativo in die Peripherie verschoben werden. Die Perspektivierung im Raum ist also zugleich spatialer und sozialer Natur.

Eine weitere kommunikative Routine findet sich im Cantar de mio Cid im Kontext der Botenaussendung, bei der die Auftragserteilung an einen Vasallen in eine feste Sequenz eingebettet ist. Nachdem seine Töchter von ihren Ehemännern schwer misshandelt wurden, versammelt der Cid seine engsten Gefolgsleute zur Beratung, unter ihnen auch Muño Gustioz. Er soll als Bote zum König geschickt werden, um eine Bestrafung der hochadligen Schwiegersöhne einzufordern:

C1 Tab 2.jpg

Der Cid bespricht sich vertraulich mit seinen engsten Gefolgsleuten und beschließt einen Boten zum König zu schicken. Seine Wahl fällt auf Muño Gustioz. Die Anrede ¿Ó eres, Muño Gustioz, mio vassallo de pro? gilt einem Gefolgsmann, der in seiner unmittelbaren Nähe steht, sodass die Frage nicht darauf abzielen kann, den Aufenthaltsort des Gefolgsmannes zu erfragen. Die wo-Frage fungiert hier vielmehr als phatische Formel, die Botenauswahl und Auftragserteilung einleitet: Der Cid will nicht wissen, wo Muño Gustioz sich gerade aufhält, sondern er rückt durch die wo-Frage den von ihm ausgewählten Boten in den Fokus. Da Fragen eine appellative Wirkung haben – wer fragt, erwartet in aller Regel eine Antwort –, dient die Frage der Aktivierung des Angesprochenen und wirkt als Präliminarie der eigentlichen Auftragserteilung. Diese Deutung wird durch das Verhalten des Muño Gustioz bestätigt: Er wartet die Erteilung des Auftrags ab und antwortet nonverbal mit der prompten Ausführung : Muño Gustioz privado cavalgó.[30] Das Interaktionsmuster verdeutlicht auf diese Weise die soziale Struktur der auf den Cid zentrierten mesnada und erlaubt zugleich eine räumliche Imagination der Szene.

Das zitierte Beispiel ist kein Einzelfall. Vielmehr findet sich die phatische Frage als Einleitung einer Auftragserteilung mehrfach im Cantar de mio Cid und stellt damit ein illokutionäres Muster dar.[31] Dieses Muster der Auftragserteilung demonstriert, dass die feudale Ordnung in der mesnada des Cid reibungslos funktioniert und funktioniert als Herrschaftsgeste, die die feudale Hierarchie prägnant inszeniert.

Das Funktionieren der beiden kommunikativen Routinen der Gesprächseröffnung kann nun vor dem Hintergrund des Modells der drei Felder und Perspektiven der linguistischen Pragmatik systematisiert werden. Sowohl die Venides-Formel als auch die zuletzt behandelte phatische Frage sind kommunikative Routinen, die durch Strukturen des Altspanischen realisiert werden, jedoch auch in andere Sprachen übertragen werden können oder Äquivalente in anderen Sprachen haben (etwa im Französischen des Mittelalters). Damit werden beide durch sprachliche Mittel des Altspanischen realisiert, sind aber nicht Teil des sprachlichen Systems. Vielmehr handelt es sich bei beiden kommunikativen Techniken um ein kulturelles Wissen, das ein der Situation angemessenes Sprechen anleitet. Beide Traditionen des Sprechens gehören nicht zum einzelsprachlichen Wissen, sondern sind Diskurstraditionen, die als Anleitung zur Begrüßung und Gesprächseröffnung bzw. zur Auftragserteilung dienen. Der historisch veränderliche und kulturspezifische Charakter des diskurstraditionellen Wissens wird durch beide Beispiele deutlich, die eng an das soziale Gefüge einer feudalen Gesellschaftsordnung und an die kulturellen Praktiken der Zeit, wie sie sich etwa im Botenwesen zeigen, gebunden sind. Besonders deutlich ist diese Funktion bei der phatischen Frage, die die Erteilung eines Auftrags einleitet: Diese Verwendung ist eng an das Verhältnis von Herr und Vasall gebunden und illustriert eine mustergültige mesnada.

Eine Studie der Diskurstraditionen dialogischen Sprechens bewegt sich damit primär im Feld der diskurstraditionellen Pragmatik und nimmt eine historisch-kulturelle Perspektive auf die Texte ein. Entscheidend ist allerdings, dass auch bei einer Fokussetzung auf den Diskurstraditionen die anderen beiden Felder der Pragmatik stets präsent sind. Denn die Untersuchung der Diskurstraditionen verlangt immer auch eine Einbeziehung der einzelsprachlichen Traditionen – hier des Altspanischen –, mit denen die diskurstraditionellen Techniken realisiert werden. Und auch wenn Aspekte der allgemein-universellen Pragmatik bei historischen Fragestellungen nicht zentral sind, kann die Frage nach in der Geschichte wirkenden universellen Prinzipien und Regeln des Sprechens nicht völlig ausgeblendet werden. Denn historische Veränderungen bilden sich besonders deutlich ab, wenn man parallel der Frage nachgeht, welche Techniken des Sprechens über Zeit und Raum hinweg konstant sind. In unserem Fall kann man vor allem in den Diskurstraditionen des Begrüßens die historisch- kulturspezifische Variante einer universellen Konstante dialogischen Sprechens sehen, die in einer Markierung und Absicherung der Gesprächseröffnung besteht. Das Schema der Felder und Perspektiven der Pragmatik ist eine Systematik, die es erlaubt, solche Zusammenhänge im Auge zu behalten, wenn man historische Formen des sprachlichen Handelns und der Gesprächsführung rekonstruieren will.

Mündlichkeit und Sprachen: Sprachkontakt im mittelalterlichen Kommunikationsraum

Sprechen und Schreiben zwischen Latein und Volkssprache (Maria Selig)

Im Mittelalter ist eine klare mediale Funktionsteilung und eine weitgehende konzeptionelle Komplementarität zwischen Latein und Volkssprache zu beobachten. Die medial schriftliche Kommunikation findet überwiegend, im Frühmittelalter sogar ausschließlich auf Lateinisch statt, während die volkssprachlichen Varietäten nicht bzw. in deutlich geringerem Ausmaß graphisch eingesetzt werden. Auch in konzeptioneller Hinsicht ist eine funktionale Differenz zu beobachten. Die volkssprachlichen Varietäten sind im distanzsprachlichen Bereich zwar in Diskurstraditionen der elaborierten Mündlichkeit präsent (Literatur, Rechtsrituale etc.; vgl. auch Abschnitt 4).[32] Sie werden aber wesentlich stärker mit dem nähesprachlichen Kommunikationsbereich assoziiert, weil sie diesen, außer in einigen klerikalen Sprechergruppen, monopolisieren. Dies hängt mit der gesellschaftlichen Verteilung der Lese- und Schreibfähigkeiten zusammen. Die mittelalterliche Gesellschaft ist ‘oligoliterat’,[33] weil die Beherrschung der Lese-, vor allem aber der Schreibtechnik lange Zeit auf kleine Expertenkreise, zumeist Kleriker, beschränkt bleibt und an den Gebrauch des Lateinischen gebunden sein kann. Man kann diese Funktionsverteilung als diglossisch bezeichnen und damit den unterschiedlichen soziolinguistischen Stellenwert (vgl. den Artikel zum Sprachbewusstsein) der lateinischen und der volkssprachlichen Sprachnormen begrifflich kondensiert zum Ausdruck bringen.[34] Als ein konkretes Beispiel für die Relevanz derartiger diglossischer Strukturen für die mediale und funktionale Zuordnung der Sprachen bzw. Varietäten kann man auf die mittelalterliche Predigt verweisen. Die mittelalterliche Predigtliteratur ist, bis auf wenige Ausnahmen, lateinisch, dies zumindest bis zum Ende des 12. Jahrhunderts, als in Südfrankreich, Katalonien, Lothringen und Norditalien romanische Musterpredigtsammlungen entstehen, um die Katechese der Laien im Kampf gegen die Häresien zu unterstützen.[35] Die Praxis der romanischen Glossierung von lateinischen Predigthandschriften oder explizite Hinweise darauf, dass die Predigten im Moment der Verlautlichung (Abschnitt 4) auch einen Sprachwechsel, nämlich vom Latein zu einer volkssprachlichen Varietät, erfuhren, zeigen aber, dass die lateinischen Predigtmanuskripte häufig in direktem Zusammenhang mit einer romanischen Predigttätigkeit gestanden haben müssen. Der medial schriftliche lateinische Predigttext war also offensichtlich ein Muster, das in der jeweils aktuellen Kommunikationssituation an das laikale Publikum angepasst wurde. Der Kleriker kommunizierte lesend mit seinen Lateinisch sprechenden und lesenden ‘Berufskollegen’, in der mündlich improvisierend vorgetragenen Predigt vor der laikalen Gemeinde wechselt er dagegen zur Volkssprache, die im Bereich der medialen Schriftlichkeit aufgrund des zumindest bis zum 13. Jh. noch fehlenden volkssprachlichen Lesepublikums nur in spezifischen Ausnahmen wie etwa im Fall der von Häresien bedrohten Regionen präsent sein konnte. Die Frage, inwieweit sich im Moment der Verlautlichung auch eine Vermündlichung, also eine konzeptionelle Neufassung im Sinne einer Annäherung an nähesprachliche Verfahren ergibt, wäre noch genauer zu prüfen (vgl. Abschnitt 4). Auskunft hierüber könnte das Jonas-Fragment, eine lateinisch-romanische Predigtskizze aus dem 9. Jh., geben.[36] Sinnvoll ist aber sicher, die Diskurstradition der volkssprachlichen Predigt dem Bereich der elaborierten Mündlichkeit bzw. der ‘Semi-Oralität’ zuzuordnen,[37] in den etwa auch Diskurstraditionen wie die Feudaleide oder die Formen der ‘mündlichen Literatur’ gehören.[38] Diese Präsenz der volkssprachlichen Varietäten im Bereich medial mündlich realisierter distanzsprachlicher Diskurstraditionen muss als Spezifikum der mittelalterlichen sprachlichen Situation und vor allem als unterscheidendes Merkmal zur klassischen Definition der Diglossie durch Charles Ferguson hervorgehoben werden,[39] bei der die l(ow)-varieties aus dem Bereich der kommunikativen Distanz prinzipiell ausgeschlossen zu sein scheinen.[40]

Eine Kennzeichnung der mittelalterlichen, zumindest der frühmittelalterlichen sprachlichen Situation als diglossisch bietet sich auch deswegen an, weil mit den unterschiedlichen Funktionsdomänen ein unterschiedlicher Ausbau-, Überdachungs- und Kodifizierungsgrad des Lateins bzw. der volkssprachlichen Varietäten zusammenhängt. Die Komplektisierung des Formeninventars, die Herausbildung überregional gültiger Sprachformen und die explizite Kodifizierung der in distanzsprachlichen Kommunikationskontexten als angemessen empfundenen Formen hängen ganz eindeutig mit der gehäuften und kollektiv anerkannten Verwendung einer Sprachform im Bereich der kommunikativen Distanz und in der schriftlichen Kommunikation zusammen. In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Überlieferung der volkssprachlichen Varietäten können wir daher zwei Phänomene beobachten: Zum einen scheinen die mittelalterlichen Sprachformen häufig ‘mündlich’ zu sein, weil im schriftlichen Medium Sprach- und Textstrukturen verwendet werden, die aus der heutigen Perspektive typisch für die ungeplante, spontane, dialogische Alltagskommunikation sind.[41] Gleichzeitig nimmt der Ausbau- und Überdachungsgrad der Volkssprachen im Laufe der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Überlieferung zu, so dass die Texte die Möglichkeit bieten, die dahinter stehenden Ausbau- und Überdachungsprozesse zu beobachten. Die Volkssprachen werden aber erst dann zu ernsthaften Rivalen des Lateins, als in der Renaissance eine intensive Sprachdiskussion und die daran anschließende Kodifizierung der romanischen Varietäten einsetzt (vgl. Abschnitte 3.2 und 3.3).

Dialekte im Mittelalter (Klaus Grübl)

Die Verwendung des Dialektbegriffs mit Bezug auf vormoderne Sprachräume wird gelegentlich kritisiert unter Verweis auf dessen streng relationale Bestimmung in der Tradition Coserius: „Der ‘Dialekt’ existiert als solcher (und als etwas anderes als eine ‘Sprache’) gerade nur durch [...] [die] Zuordnung zu bzw. durch die Abgrenzung innerhalb einer historischen Sprache“.[42] Überhaupt sei das Konzept des einzelsprachlichen ‘Diasystems’, in dessen räumlicher (‘diatopischer’) Varietätendimension der Dialektbegriff angesiedelt ist, für die historische Sprachwissenschaft nur bedingt brauchbar, da die diasystematische Verortung von Varietäten und Varianten sich notwendig am Fixpunkt des Standards orientiere, der in den sich erst konstituierenden Sprachgemeinschaften der Vormoderne aber bezeichnenderweise noch gar nicht festgelegt sei. Koch/Oesterreicher bevorzugen deshalb zur Unterscheidung von mittelalterlichen Idiomen wie etwa des Pikardischen, des Sizilianischen oder des Leonesischen, die erst in der Neuzeit definitiv unter das ‘Dach’ einer (trans)nationalen Standardvarietät gerieten und zu sogenannten primären Dialekten herabgestuft wurden, den statusneutralen Begriff der ‘Topik’.[43] Dieser hat jedoch den Nachteil, dass er strenggenommen überhaupt keinen statusbezogenen Vergleich von Varianten oder Varietäten zulässt, die in einem vormodernen Kommunikationsraum konkurrierten und die im Bewusstsein der zeitgenössischen Sprachverwender durchaus schon mit unterschiedlichen funktionalen Werten belegt sein konnten, etwa in Abhängigkeit von bestimmten Diskurstraditionen.[44]

Das angesprochene begriffliche Problem besteht letztlich darin, dass der Übergang von der ‘Topik’ zur ‘Diatopik’ in der historischen Wirklichkeit ein gradueller Prozess ist, der sich in den einzelnen von einer Standardisierung betroffenen Räumen während mehrerer Jahrhunderte in ungerichteter und weitgehend ungelenkter Form vollzogen hat, bis es in der Frühen Neuzeit zur endgültigen, institutionell legitimierten Fixierung einer Standardvarietät kam. Eine kategoriale Unterscheidung der beiden Begriffe ist somit, wenn überhaupt, nur mit Bezug auf idealtypische Szenarien wie eine moderne Standardsprache oder einen Sprachraum, in dem alle Idiome ‘gleich’ sind, möglich. Da nun ins Spätmittelalter gerade der Beginn des Prozesses der varietätischen Hierarchisierung der heute einer historischen romanischen Einzelsprache zugeordneten volkssprachlichen Idiome – und damit der Beginn der Herausbildung von einzelsprachlichen Diasystemen (oder ‘Architekturen’) – fällt, erscheint mit Bezug auf Mittelalter und Renaissance unter bestimmten Gesichtspunkten der Begriff der Diatopik bereits ebenso gerechtfertigt wie unter anderen Gesichtspunkten noch das ‘egalitäre’ Konzept der Topik.

Vom Terminologischen unberührt bleibt in jedem Fall, dass es im 12. bis 15. Jahrhundert noch keine romanischen Standardsprachen im modernen Sinne gab. So gilt für die Ebene der (konzeptionellen) Mündlichkeit, dass in der Romania noch bis weit in die Neuzeit hinein so gut wie ausschließlich ‘Dialekt’ gesprochen wurde. Dagegen dürfte der orale Gebrauch überregionaler Kompromissvarietäten, die das Ergebnis einer vorübergehenden oder auch längerfristigen sozialen Anpassung (Akkommodation) von Sprechern durch punktuelle oder systematische Unterdrückung dialektaler Formen sind (vgl. dazu Abschnitt 3.2), vor dem 19. Jahrhundert in der Regel noch recht speziellen, zumeist elitären kommunikativen Kontexten der (medialen) Mündlichkeit vorbehalten gewesen sein, wie sie etwa im Bereich der ‘mündlichen Literatur’ (vgl. Abschnitt 1.1), der höfischen Konversationskultur oder des Handels gegeben waren. Im Einzelfall bleibt allerdings zu diskutieren, inwieweit derartige, wenngleich (auch) medial-phonisch realisierte Sprachformen im Ursprung nicht doch eher der (konzeptionellen) Schriftlichkeit nahestanden.[45]

Was den Bereich der (konzeptionellen und medialen) vernakulären Schriftlichkeit betrifft, so hat sich erwiesen, dass die spätmittelalterlichen Schreibsprachen (Skriptae) bereits sehr wohl in Abhängigkeit von bestimmten außersprachlichen, kommunikationspragmatischen Faktoren zwischen den Polen der ‘Dialektalität’ und der Überregionalität variierten. Somit erscheint es nicht grundsätzlich verfehlt, für die volkssprachlichen Skriptae des 13. und 14. Jahrhunderts bereits ein im Entstehen begriffenes Diasystem mit entprechenden variationellen Wertezuschreibungen anzunehmen, wenngleich diese freilich noch nicht definitiv und in bestimmten Territorien oder Textgattungen womöglich noch ganz anders hierarchisiert waren als nach Abschluss der Standardisierung in der Neuzeit. Die heutige Skriptaforschung geht jedenfalls nicht mehr von einer kontingenten, gleichsam natürlichen Anhaftung dialektaler Spezifika an den aus einem bestimmten geographischen Ort hervorgegangen Schriftstücken aus; vielmehr scheinen professionelle Schreiber regionalspezifische Skriptaformen ganz bewusst zur Markierung der von ihnen angefertigten Texte eingesetzt zu haben. Für die französische Urkundenschriftlichkeit wurde unlängst die Schreibstätte als zentrale varietätenlinguistische Größe herausgestellt.[46] Die historischen Institutionen (Kanzleien, Skriptorien u.ä.), die unter diesen Begriff fallen, gaben dem für sie tätigen Schreibpersonal offenbar relativ strenge orthographische Normen vor. Die urkundensprachlich dokumentierte Variation ist somit als weitgehend regelhaftes Phänomen zu begreifen, das maßgeblich vom sozialen und territorialen Selbstverständnis der für die Anfertigung eines Dokuments verantwortlichen Institution bestimmt wurde. Der Grad der diatopischen Markierung scheint dabei vor allem sekundär, als diastratisches oder diaphasisches Merkmal, funktionalisiert worden zu sein,[47] so dass tendenziell um so stärker zur Überregionalität neigende Schreibvarietäten zum Einsatz kamen, je höher das gesellschaftliche Prestige der urkundenden Institution[48] und je größer der kommunikative Radius eines Schriftstücks war.[49] Allerdings wurde für die Kommunalstädte der nördlichen Pikardie sowie für die bischöfliche Kanzlei der südpikardischen Stadt Beauvais gezeigt, dass ein ausgeprägtes feudalherrschaftliches Selbstverständnis sich auf Skriptaebene im 14. und 15. Jahrhundert gerade durch den verstärkten Einsatz regionalsprachlicher Formen manifestieren konnte.[50]

Die mitunter konträren Befunde aus unterschiedlichen territorialen und institutionellen Kontexten machen es letztlich unmöglich, eine pauschale Aussage über die Regularitäten des Gebrauchs regionalsprachlicher Formen in der pragmatischen Schriftlichkeit des Spätmittelalters zu treffen. Auch beherrschten vermutlich nur gut ausgebildete Schreiber ein größeres Repertoire von in unterschiedlichem Maße dialektal markierten Schreibvarietäten, während geringere Professionalität sich in freier variierenden oder in generell stärker dialektalen Schreibgewohnheiten äußerte. Es ist hier mit vielfältigen, orts-, zeit- und schreibstättenspezifischen Entwicklungen zu rechnen, über deren allgemeine Tendenzen erst nach sorgfältiger Untersuchung einer hinreichenden Zahl von entsprechend differenziert angelegten Textkorpora ausgesagt werden kann. Jedenfalls lässt sich die Wahl einer stärker oder schwächer (dia)topisch profilierten Skripta – wie übrigens auch die grundsätzlichere Wahl zwischen Latein und Französisch als Urkundensprache – in der Regel durch die außersprachlichen Faktoren der Kommunikationssituation erklären, aus der eine Urkunde (fr. acte écrit) als Medium einer sprachlich konstituierten Rechtshandlung (fr. acte juridique) hervorgegangen ist. Für das Verständnis der schreibsprachlichen Variation und ihrer Soziopragmatik ist deshalb eine genaue philologische Analyse der Dokumente nach diplomatisch-varietätenlinguistischen Kriterien wie dem Aussteller, dem Empfänger oder der Art des Rechtsakts methodologisch unabdingbar.[51]

Aus den erläuterten Zusammenhängen folgt in letzter Konsequenz die Richtigkeit der – gleichwohl mitunter bestrittenen[52] – Annahme, dass die nordfranzösischen Skriptae des Mittelalters sich nicht in fundamentaler Weise voneinander unterschieden, sondern nur regionale Ausprägungen einer Art plurizentrischen, föderativen, im Wesentlichen aber überregionalen Norm der Distanzsprachlichkeit waren.[53] Ähnliches gilt für die norditalienischen Kanzleisprachen, die traditionell unter den Begriff der koinè padana gefasst werden und die – trotz der sprachlichen Individualität, die sie als Ausdruck von kommunaler Autonomie lange Zeit pflegten – bereits im 14. und 15. Jahrhundert zunehmend toskanischem und damit entdialektalisierendem (wie auch entlatinisierendem) Einfluss unterlagen.[54] Für die nordspanischen Urkundenskriptae sind Kastilisierungstendenzen gleichermaßen schon für das 13. und 14. Jahrhundert nachzuweisen.[55]

Die Frage nach der ‘Dialektaliät’ – und damit nach dem varietätenlinguistischen Status – vormoderner romanischer Idiome muss somit separat für die Bereiche der Mündlichkeit und der Schriftlichkeit beantwortet werden: Dass konzeptionell und medial mündliche Sprache in der Vormoderne stark dialektal variierte, ja beinahe zwangsläufig dialektal realisiert wurde, liegt angesichts noch heute stark mundartlich geprägter romanischsprachiger Gebiete, etwa im südlichen Italien oder im Alpenraum, auf der Hand.[56] Es handelte sich bei den heute nur ex post als ‘Dialekte’ zu bezeichnenden vormodernen Idiomen des Nähebereichs also tatsächlich um eigene ‘Sprachen’, um „vollständige[s], selbstgenügsame[s] System[e]“[57], die den nativen Sprechern um so schwerer wechselseitig verständlich waren, je weiter sie geographisch auseinanderlagen. Komplexer ist aber die Frage nach der dialektalen Fundierung der Varietäten, die im Bereich der konzeptionellen Schriftlichkeit gebraucht wurden. Während die traditionelle Philologie lange Zeit in naiver Weise davon ausgegangen war, dass die schriftliche Überlieferung sozusagen in Reinform die mittelalterlichen ‘Dialekte’ zeige, hat die von Jules Feller (1931), Louis Remacle (1948) und Carl Theodor Gossen (1957; 1967)[58] entwickelte Skriptaforschung deutlich gemacht, dass die mittelalterlichen Schreibsprachen keineswegs als phonographisches Abbild von gesprochener Sprache angesehen werden können. Doch nicht nur aufgrund von medialen Inkommensurabilitäten beim Versuch der Transliteration dialektaler Laute in ein beschränktes System lateinischer Graphiekonventionen ergeben sich naturgemäß Probleme. Die neuere Forschung hat deutlich gemacht, dass die volkssprachliche Schriftlichkeit im Mittelalter – trotz ihrer mitunter stark mündlichkeitsaffinen Ursprünge[59] – sich bald zu einem eigengesetzlichen Diskursbereich entwickelte, in dem romanische Schriftvarietäten systematisch zu ästhetisch-literarischen oder zu fachsprachlichen Ausdruckszwecken elaboriert wurden, und dies in ganz bewusster Abgrenzung gegenüber der gesprochenen, lokal beschränkten Nähesprache.[60] Die ‘Eroberung’ neuartiger oder bislang dem Latein vorbehaltener distanzsprachlicher Diskurstraditionen durch die Volkssprache scheint nämlich im Sinne einer aemulatio erfolgt zu sein, nach dem Vorbild des sich durch überräumliche Stabilität und Verständlichkeit auszeichnenden Lateins.[61] Dadurch wird letztlich auch die verhältnismäßig früh einsetzende Wirkung überregionaler Ausgleichs- und Standardisierungstendenzen in der mittelalterlichen Schriftlichkeit verständlich.[62]

Stadtsprachen, Migration, Koinai (Klaus Grübl)

In den letzten Jahren ist die vor allem in städtischen Ballungsräumen zu beobachtende migrationsbedingte Entstehung von dialektal kompositen ‘Mischvarietäten’ in das Zentrum des sprachhistorischen Interesses gerückt. Die von der modernen Stadtsprachenforschung beschriebenen Prozesse der Nivellierung dialektaler Unterschiede durch anhaltende Akkommodation von Sprechern unterschiedlicher regionaler Herkunft im urbanen Kommunikationsraum[63] wurden in sprachhistorischer Perspektive fruchtbar gemacht, um die Herausbildung von Ausgleichsvarietäten zu erklären, die sich nicht direkt aus dem primärdialektalen Kontinuum der umliegenden Regionen ableiten lassen, sondern dieses in auffälliger Weise ‘durchbrechen’ wie etwa das Kastilische oder das moderne Pariser Französisch.[64] Allerdings bezieht sich das in der angelsächsischen Soziolinguistik entwickelte Koineisierungskonzept auf eine besonders radikale Form der spontansprachlichen Varietätenkonvergenz, die in relativ kurzer Zeit unter sehr extremen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgt, nämlich im Kontext der Neubesiedlung eines urbanen Raums durch eine sich erst formierende, dialektal heterogene Migrantengemeinschaft. Aufgrund des sozialpsychologischen Akkommodationsprinzips geben deren intensiv interagierende Mitglieder ihre ursprünglichen sozialen und sprachlichen Bindungen weitgehend auf, so dass sich – nach einer Phase hoher sozialer Instabilität und entsprechend großer sprachlicher Variation – ein neuartiges, dialektal komposites Vernakular verfestigt, das in der Regel in der dritten Generation nativisiert wird.[65]

Ein derart radikales soziolinguistisches Szenario war wahrscheinlich im rinascimentalen Rom gegeben, wo es nach katastrophalen Bevölkerungsverlusten durch den sacco di Roma (1527) zu einem massiven Zuzug aus verschiedenen Gebieten Italiens, vor allem aber aus der Toskana, kam. Zwar war das Florentinische bereits im 15. und frühen 16. Jahrhundert in Rom präsent und übte nicht nur als Basis der schon im 14. Jahrhundert elaborierten italienischen Literatursprache, sondern auch als prestigereiche Umgangssprache am kosmopolitischen Hof der Medici-Päpste eine gewisse soziale Attraktion aus. Doch erst ab 1527 führte der asymmetrische Kontakt zwischen der nunmehr extrem dezimierten, vorwiegend niedrige Gesellschaftsschichten repräsentierenden Gruppe der angestammten Stadtbevölkerung und der Überzahl der toskanischen Neuankömmlinge, unter denen wohlhabende Bürger und Kaufleute waren, zu einer weitreichenden Toskanisierung und Demeridionalisierung des römischen Stadtdialekts. Dieser wird in seiner neuzeitlichen Entwicklung zu einem vergleichsweise schwach diatopisch und zugleich diastratisch sehr niedrig markierten Vernakular als romanesco di seconda fase bezeichnet.[66]

Die Anwendbarkeit des auf spontansprachliche Kontaktprozesse beschränkten Koineisierungskonzepts der neueren Soziolinguistik bleibt jedoch fragwürdig, wenn damit kurzerhand der hybride Typ von distanzsprachlichen Varietäten wie des Standardfranzösischen erklärt wird, die – so wird postuliert – im Mittelalter als gesprochene ‘Dialektmischungen’ entstanden und in der Folge mehr oder weniger unverändert in die Schriftlichkeit überführt worden seien.[67] Es wird dabei nämlich übersehen, dass es zum Varietätenkontakt in ganz unterschiedlichen Stadien des Ausbaus primär gesprochener Idiome zu überregional praktizierten Schreibsprachen kommen kann.[68] Koineisierungsprozesse sind also keineswegs ein auf den Bereich der ungelenkten Alltagskommunikation beschränktes Phänomen der Nähesprache, sondern werden gerade auch durch den Prozess der Verschriftlichung vernakulärer Idiome begünstigt, der, wie in Abschnitt 3.1 angedeutet wurde, als ein am Modell des Lateins orientierter Versuch der kommunikativen Leistungssteigerung durch ‘Entmündlichung’ – und damit durch Delokalisierung – zu verstehen ist.[69] Die Spezifik des ‘Phänotyps’ dialektal kompositer spätmittelalterlicher Schreibsprachen kann deshalb in der Regel nicht (oder zumindest nicht direkt) aus der Spezifik eines möglicherweise zugrundeliegenden gesprochenen Mischdialekts abgeleitet werden.

So wird heute mit Recht bezweifelt, dass die traditionell angenommene überregionale Einheitlichkeit der Sprache der okzitanischen Lyrik des 11. und 12. Jahrhunderts in der zeitgenössischen Dichtungs- und Vortragspraxis jemals bestanden hat. Vermutlich ist der Eindruck einer relativ homogenen okzitanischen Koine lediglich ein Effekt der Überlieferungsgeschichte, denn die vor allem durch norditalienische Manuskripte des 13. und 14. Jahrhundert tradierten Texte wurden wahrscheinlich erst im Kopierprozess einer sprachlichen Vereinheitlichung unterzogen.[70] Im Fall des Französischen lassen sich nordostfranzösische (z.B. die Grapheme <oi> und <eu>) sowie normandische oder anglonormannische Beiträge (z.B. die Verbalflexive -ions, -aient und -ent) zum modernen Schriftstandard in überzeugenderer Weise durch genuin distanzsprachliche Varietätenkontakte, etwa durch die Zirkulation literarischer Manuskripte, erklären als durch eine hypothetische, heute kaum mehr rekonstruierbare mündliche Dialektmischung im mittelalterlichen ‘Schmelztiegel’ Paris.[71] Die französischsprachige Urkundenschriftlichkeit der in Paris ansässigen königlichen Institutionen setzt überdies erst zu einem derart späten Zeitpunkt, nämlich nach 1240, ein, dass es kaum plausibel erscheint anzunehmen, die Schreiber hätten die Pariser Skripta gewissermaßen phonographisch, nach Maßgabe der lokalen Nähesprache, kreiert und dabei nicht an die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bereits wohletablierten Traditionen der Überregionalität in der literarischen oder in der diplomatischen Schriftlichkeit anderer, schriftkulturell führender Gebiete wie Englands, Lothringens oder der Pikardie angeknüpft.

In der Germanistik wurden migrationslinguistische Ansätze, die die Entstehung der hochdeutschen Koine durch spontansprachliche Kontakte während der mittelalterlichen Kolonisierung des obersächsisch-schlesischen Raums zu erklären suchten,[72] im übrigen schon vor langem als unzureichend zurückgewiesen.[73] Die das Standarddeutsche kennzeichnende Mischung von ostober- und ostmitteldeutschen Charakteristika ist vielmehr auf einen schriftsprachlichen Varietätenkontakt zurückzuführen, der eine Art Kompromiss zwischen der im 14. und 15. Jahrhundert in weiten Teilen Süddeutschlands praktizierten kaiserlich-habsburgischen Geschäftssprache und der ostmitteldeutsch basierten Skripta der kursächsischen Wettiner Kanzlei bewirkte. Aus dieser „Schreiballianz“[74] ist die ab dem 16. Jahrhundert durch die Luther-Bibel weiträumig verbreitete frühneuhochdeutsche Schriftsprache hervorgegangen.

Auch Tuten (2003) argumentiert migrationslinguistisch, um die strukturellen Besonderheiten einer großen europäischen Standardsprache, nämlich des vom iberoromanischen Dialektkontinuum klar abgehobenen Kastilischen, zu erklären.[75] Während der sogenannten repoblación, der Neubesiedlung der von den Mauren zurückeroberten Gebiete im Mittelalter, sei es zu einer Reihe von stadtsprachlichen Koineisierungsprozessen gekommen, deren standardisierungsgeschichtliche Relevanz sich aus dem Umstand ergibt, dass – nach ersten, von Burgos ausgehenden Verschriftlichungsinitiativen[76] – die Stadt Toledo unter Alfons dem Weisen (1221–1284) eine Vorrangstellung im schriftsprachlichen Ausbau des Kastilischen einnahm, das im Übergang zur Frühen Neuzeit zur spanischen Reichssprache avancierte. Die prinzipielle Plausibilität von Tutens Hypothese ist augrund der außergewöhnlichen soziohistorischen Rahmenbedingungen der repoblación sowie aufgrund der auffälligen lautlichen und morphologischen Vereinfachungsprozesse, die das Spanische kennzeichnen, nicht von der Hand zu weisen. Auch hier bleibt aber im einzelnen unklar, welche Rolle der Schriftlichkeit im Prozess der Konventionalisierung bestimmter Innovationen zukam, zumal zahlreiche morphologische Alternanzen, die das Altspanische noch kennzeichnen, erst in spät- oder nachmittelalterlicher Zeit aufgegeben wurden, also lange nachdem die von Tuten beschriebenen städtischen Koineisierungsprozesse bereits zum Abschluss gekommen sein dürften.

Die Ebene der Texte: Literatur und ihre Überlieferung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (Mario Garvin)

Unsere Sicht auf die Literatur des Mittelalters ist dadurch bedingt, dass die erhaltenen Zeugnisse immer schriftliche Zeugnisse sind. Wir wissen zwar, dass bei der Komposition und bei der Überlieferung mittelalterlicher Literatur sowohl Mündlichkeit als auch Schriftlichkeit in unterschiedlichen Verhältnissen eine Rolle gespielt haben kann; doch unserer Zugang zu den Merkmalen des ursprünglichen literarischen Ereignisses wird durch die Medialität der uns vorliegenden Schriftzeugnisse stark eingeschränkt, da diese lediglich ein eindimensionales Bild der verlorenen, aber vielfältigen literarischen Wirklichkeit des Mittelalters bieten. Die erhaltenen Zeugnisse geben wahrscheinlich auch quantitativ nur ein unzureichendes Bild der mittelalterlichen Literatur, denn es ist anzunehmen, dass zahlreiche literarische Produktionen nie schriftlich aufgezeichnet wurden und dadurch unwiederbringlich verlorengegangen sind. Es ist zudem fraglich, ob und, wenn ja, welche Informationen über die Mündlichkeit der mittelalterlichen Literatur aus den Handschriften gewonnen werden können.

Es liegt vielleicht an dieser Unzugänglichkeit, dass Mündlichkeit für die Literaturgeschichtsschreibung lange Zeit ein unbeachtetes Phänomen blieb. Sie wurde als wesentlicher Faktor in der Entstehung der romanischen Lyrik lange Zeit vermutet (s.u., 4.1), es waren aber Forschungen zur Epik, die in der Literaturwissenschaft das Interesse für die Oralität weckten. Milman Parry und Albert B. Lord versuchten, die Homerische Frage mit Hilfe moderner Techniken serbokroatischer Guslars zu erklären. Lord beschrieb die Arbeitsweise der Sänger. In seinem Werk The Singer of Tales präsentiert er die drei Elemente, die seiner Meinung nach die sogenannte oral poetry ermöglichen: Themen (Motive), Formeln und die Verwendung des Enjambements. Unter einer Formel versteht Lord „a group of words which is regularly employed under the same metrical conditions to express a given essential idea“.[77] Da solche Formeln metrisch vorgeprägt sind, lassen sich daraus relativ einfach Verse konstruieren. Die Themen bilden dagegen ein Repertoire typischer Figuren, Handlungsmuster und Szenen, die es dem Sänger in Kombination mit den Formeln ermöglichen, Geschichten nachzuerzählen, ohne sie auswendig gelernt haben zu müssen. Lord sah in der kombinierten Verwendung dieser Elemente – der sogenannten formulistic diction – eines der konstitutiven Merkmale mündlicher Literatur, wenn nicht das Merkmal schlechthin.

Die ‘Entdeckung’ der Mündlichkeit mittelalterlicher Literatur hatte aber auch zur Folge, dass die Mündlichkeit vor allem in Opposition zur Schriftlichkeit definiert wurde, was auch durch andere übliche Dichotomien begünstigt wurde, die, wie z.B. poesía culta/poesía popular oder lírica culta/lírica tradicional, allesamt ihren Ursprung in der romantischen Unterscheidung zwischen Kunst- und Naturpoesie haben. Nach und nach jedoch setzte sich die Einsicht durch, dass es sich bei Mündlichkeit und Schriftlichkeit nicht um strikt voneinander getrennte Bereiche, sondern um durchlässige Realitäten handelt. Es entwickelte sich auch ein Bewusstsein dafür, dass Mündlichkeit und Schriftlichkeit keine rein literarischen Phänomene sind, sondern sozialgeschichtliche Merkmale der Zeit, in der diese Literatur existierte.

Diese Entwicklung lässt sich am Beispiel der Arbeit Lords nachzeichnen, denn auch er nahm anfangs eine starre Position ein, von der er später abwich. Beantwortete er noch 1960 die Frage nach der Möglichkeit von Übergangstexten, eines Textes also, „which is transitional between oral and written literary tradition“,[78] mit einem kategorischen Nein, so musste er fast dreißig Jahre später zugeben, dass „there seem to be texts that can be called either transitional or belonging to the first stage of written literature“.[79] Transitionality aber, so wie es hier verwendet wird, ist ein problematischer Begriff. Ihm liegt zum Teil die Vorstellung zugrunde, es gehe dabei um eine unidirektionale Entwicklung, von mündlich zu schriftlich, vom ‘Hören’ zum ‘Lesen’.

Paul Zumthor unterscheidet fünf Phasen in der Existenz eines Gedichts: Produktion, Übermittlung, Rezeption, Aufbewahrung und Wiederholung.[80] Finden alle fünf Phasen ohne Beteiligung von Schriftlichkeit statt, kann man von reiner Oralität sprechen. Dies war sicherlich der Fall bei vielen Werken, die nicht erhalten sind; viele andere jedoch weisen in ihrer Existenz sowohl schriftliche als auch mündliche Phasen auf. Dies bedeutet zum einen, dass mündliche Literatur schriftlich fixiert werden kann (s.u. zu den Veränderungen, welche die Texte dabei erfahren), zum anderen aber auch, dass dieser Vorgang in umgekehrter Richtung verlaufen kann, dass also Texte, die schriftlich produziert wurden, einen Weg in die Mündlichkeit finden.

Die Theorien über Formelhaftigkeit sind zweifelsohne sehr nützlich gewesen, um vor allem im Bereich der Epik bis dahin wenig beachtete Prozesse der Improvisation beschreiben zu können. Damit lässt sich aber kaum etwas darüber aussagen, ob die Produktion eines literarischen Werkes schriftlich oder mündlich erfolgte. Charakteristische Merkmale der Mündlichkeit können schriftlich nachgeahmt werden (fingierte Oralität), wobei der Einsatz von Formeln als „diskurstraditionell konventionalisierte Stilisierung“ zu betrachten ist.[81] Doch auch Texte, die deutlich weniger Formeln als die epischen enthalten, können ursprünglich mündlich komponiert worden sein.

Darüber hinaus muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass die starren Konzepte der heutigen Philologie – die Koppelung zwischen Autor und Werk und vor allem die Idee eines ‘richtigen’ Textes – sich nicht ohne weiteres auf die Literatur des Mittelalters anwenden lassen. Es ist sogar problematisch, von der mündlichen Überlieferung eines ‘Werks’ zu sprechen, weil die Grenzen dessen, was ein Werk ist, im Mittelalter anders als in den modernen Philologien gezogen werden. Und die Variation, von der schon die schriftliche Überlieferung von Texten betroffen ist,[82] ist im Fall einer mündlichen Überlieferung noch extremer. Konzepte wie mouvance,[83] variante[84] oder obra abierta[85] versuchen dieser textuellen Instabilität als charakteristischem Merkmal mittelalterlicher Literatur Rechnung zu tragen.

Es ist deswegen fast unmöglich, ausgehend von den erhaltenen Zeugnissen Aussagen darüber zu treffen, wie die sprachliche Gestalt der jeweiligen ‘Werke’ in den verschiedenen Phasen ihrer Existenz gewesen ist, denn wir wissen nicht einmal, wann ein Werk beginnt, ein Werk zu sein. Der Cantar de mío Cid, die Chanson de Roland und viele andere längere Dichtungen wurden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so komponiert, wie wir sie heute kennen; und damit ist nicht nur gemeint, dass sie im textkritischen Sinne gewisse Veränderungen erfahren haben (z.B. als die Kopie des Cid von Per Abbat angefertigt wurde), sondern dass in ihrer Entstehungsgeschichte viele andere, kleinere Kompositionen eine Rolle gespielt haben müssen.

Um diese Gesamtproblematik terminologisch präziser angehen zu können, sollte man zunächst zwischen Verschriftung und Verschriftlichung unterscheiden. Verschriftung (spanisch graficación, französisch mise par écrit) meint den Prozess der medialen Übertragung von einer phonischen Realisierung in die Graphie, im Grunde also „das Gegenstück zum Vorlesen/Verlesen eines graphisch fixierten Diskurses“.[86] Bei der Verschriftlichung handelt es sich dagegen um einen Vorgang, bei dem ursprünglich eher nähesprachlich geprägte Diskurse hinsichtlich konzeptionell relevanter Kriterien wie Textkohärenz, lexikalische Präzision, syntaktische Vollständigkeit usw. elaboriert werden.

Analog kann mit Verlautlichung die umgekehrte mediale Übertragung definiert werden, d.h. die phonische Realisierung eines graphischen Texts, wie sie etwa beim Vorlesen stattfindet. Vermündlichung dagegen wäre der Prozess, bei dem ein schriftlich konzipierter Text, der medial-phonisch realisiert wird, auch einer konzeptionellen Veränderung unterzogen wird, um ihn an die Gegebenheiten der aktuellen Kommunikationssituation anzupassen.

Die Begriffe der Verschriftlichung und der Vermündlichung erlauben es uns somit, Prozesse zu beschreiben, die sich innerhalb dieser bipolaren Realität abspielen, ohne sich dabei auf eine bestimmte, uns ohnehin unbekannte Art der Komposition eines Textes festzulegen. Für das Mittelalter verfügen wir – wie oben erwähnt wurde – lediglich über Texte, die (medial) schriftlich fixiert sind. Diese können aber – und damit sind nur zwei Extremfälle genannt – entweder das Resultat eines uns in seiner Reichweite nicht bekannten Prozesses der Verschrift(lich)ung einer genuin mündlichen Dichtungstradition sein oder aber von vornherein schriftlich konzipierte Texte, die beim Vortrag eine nur spekulativ zu beschreibende Vermündlichung erfuhren. Sicher ist nur, dass der philologische Begriff der Oralität der mittelalterlichen Literatur sich weniger auf den Prozess der medialen Transkodierung denn auf konzeptionelle Transpositionen unterschiedlichen Ausmaßes bezieht.[87]

Die mündliche Überlieferung mittelalterlicher Texte erfolgt somit immer in einem Spannungsfeld zwischen dem Auswendiglernen einer – graphischen oder phonischen – Vorlage und der Freiheit, diese Vorlage an die Umstände der Performanz oder Wiedergabe anzupassen. Wörtliches Vorlesen – als mediale Transkodierung, wie wir sie etwa aus dem 19. Jahrhundert kennen oder heute in Hörbüchern erfahren – dürfte im Mittelalter kaum eine Rolle gespielt haben. Immer wenn schriftlich konzipierte Texte mündlich tradiert wurden, erfuhren diese einen Prozess der Vermündlichung, der je nach Situation stärker oder schwächer gewesen sein dürfte, so wie auch jeder zunächst mündlich komponierte Text, wenn er graphisch fixiert wurde, dadurch beinahe zwangsläufig einen Prozess der konzeptionellen Verschriftlichung durchlief.

Die Verschriftlichung mündlicher Texte

Es wurde bereits mehrfach erwähnt, dass wir den mündlichen Charakter der mittelalterlichen Literatur nur auf indirektem Weg erfahren können: Logischerweise ist kein einziger direkter Zeuge der Mündlichkeit literarischer Produktionen des Mittelalters erhalten. Die Existenz einer oralen Literatur jedoch wurde niemals bezweifelt. Was fehlte, waren die mündlichen Kompositionen selbst. Deswegen versuchte man, diese verlorene Literatur vor allem auf zwei Wegen zu rekonstruieren. Einerseits begann die Forschung bereits im 19. Jahrhundert, verstreute indirekte Hinweise zu sammeln, die ab dem 6. Jahrhundert auf die Existenz einer volkssprachlichen Lyrik hinweisen. Anderseits wurden natürlich auch die schriftlich fixierten Zeugnisse selbst auf orale Merkmale hin untersucht, dabei aber leider oft auch für ein authentisches Abbild der mündlichen Lyrik gehalten, ohne dass berücksichtigt worden wäre, dass die Texte zum großen Teil als Ergebnis eines Verschriftlichungsprozesses zu verstehen sind.

Gustav Gröber war einer der ersten Philologen, die in kirchlichen Dokumenten vermeintliche indirekte ‘Belege’ für die Existenz mündlicher Dichtungen aufspürten.[88] Hie und da finden sich nämlich Hinweise auf cantica puellarum oder cantica in blasphemiam alterius, die von den Kirchenleuten kritisiert werden; es werden auch cantica diabolica, amatoria et turpia genannt sowie die schlechte Angewohnheit, diese im Atrium oder sogar im Kircheninneren zu singen (non licet in ecclesia chorum saecularium vel puellarum cantica exercere).[89] Daraus scheint man ableiten zu können, dass es sich um Gesänge handelte, die in bestimmten sozialen Praktiken verankert waren (Arbeit, Hochzeiten, Beerdigungen usw.). Doch ob es sich dabei tatsächlich um volkssprachliche lyrische Kompositionen handelte, bleibt natürlich offen. Die Argumentation, wie sie noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts geführt wurde, wonach es bereits im 9. Jahrhundert eine romanische volkssprachliche Lyrik gegeben haben muss, weil es schlicht unmöglich sei, sich das anders vorzustellen (sic),[90] ist heute jedoch nicht mehr haltbar.

Einen direkteren Zugang zu den Wurzeln der mittelalterlichen Lyrik bekommt man dagegen durch die erhaltenen schriftlichen Zeugnisse, die als Ergebnis einer Verschriftlichung mündlicher Kompositionen betrachtet werden können. Oft jedoch wurden diese Texte, wie schon erwähnt, behandelt, als seien es akkurate Niederschriften einer mündlichen Tradition. Heute wissen wir dagegen, dass die Verschriftlichung der überlieferten Texte in der Regel erst zu einem von den Ursprüngen sehr weit entfernten Zeitpunkt stattfand. Wie Dámaso Alonso treffend formulierte, handelt es sich um eine Lyrik, die tief im Mittelalter verwurzelt ist, „enraizada en la Edad Media“;[91] nur sind diese Wurzeln heute nicht mehr direkt sichtbar.

Die ältesten Zeugnisse romanischer Lyrik sind die sogenannten jarchas (Ḫarǧa), die uns in arabischen moaxajas (Muwaššaḥ) überliefert sind. Bei der moaxaja handelt es sich um eine mehrstrophige (meist fünf bis sieben Strophen umfassende) Komposition, in deren erstem Teil sich der Reim von Strophe zu Strophe ändert, während er im zweiten Teil gleich bleibt. Der zweite Teil der letzten Strophe ist die jarcha; im Gegensatz zum arabischsprachigen Rest des Gedichtes ist sie im romanischen mozárabe geschrieben (allerdings in hebräischer oder arabischer Schrift). Da die jarcha den Rhythmus und zum Teil auch den Reim des ganzen Gedichts bestimmt, wurde angenommen, dass sie vor der moaxaja existiert haben muss. Die Entdeckung der jarchas wurde mit Euphorie begrüßt,[92] und bald etablierte sich die Ansicht, man müsse die Geschichte der romanischen Lyrik neu schreiben.[93] Schon in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts jedoch wurden Einwände gegen den romanischen Charakter der jarchas erhoben. Hitchcock argumentierte, man könne die Schrift nur schwer entziffern und viele Wörter könnten ebenso arabischen Ursprungs sein.[94] Hier ist implizit der Vorwurf zu lesen, Romanisten verfügten in der Regel nicht über die nötigen Kenntnisse, um derart komplexe arabische Texte zu entziffern. Die ‘Übersetzungen’ – so der Vorwurf – und damit auch die daraus folgende Interpretation seien fehlerhaft. Bis 1988 gab es keine diplomatische Transkription der Jarchas,[95] weswegen die meisten Arbeiten über sie auf der Basis der kritisierten, wahrscheinlich fehlerhaften Editionen und Interpretationen geschrieben wurden. In den letzten Jahren hält die Diskussion an, inwiefern es sich bei den Jarchas um romanische oder um arabische Lyrik handelt, wobei sich immer mehr die Ansicht durchsetzt, dass die erhaltenen Zeugnisse es nicht erlauben, mit Fug und Recht von ‘romanischer Volkslyrik’ zu sprechen;[96] oder man müsse zumindest berücksichtigen, in welch hohem Maß die sprachliche Form der Jarchas von ihrem Erscheinungskontext abhängig ist.[97]

Ähnliche Probleme ergeben sich auch dann, wenn die Zeugnisse zwar eindeutig als romanisch einzuordnen, aber deutlich späteren Datums sind als die Lyrik, die sie möglicherweise zu rekonstruieren erlauben. Fälle wie die des spanischen Villancico – die Handschriften stammen ausschließlich aus dem 15. und 16. Jahrhundert – zeigen, dass es nötig ist, streng zu unterscheiden zwischen der Lyrik, die uns erhalten ist, und der Lyrik, wie sie im Mittelalter existiert haben muss. Späte Zeugnisse können zwar einen Einblick in gewisse Bereiche dieser Lyrik ermöglichen – Themen, Motive –, andere Aspekte jedoch bleiben zwangsweise dadurch verzerrt, dass diese Lyrik verschriftlicht wurde. Was man als líríca tradicional auffasst,[98] ist in der Tat fast ausnahmslos das Ergebnis einer Verschriftlichung. Die lyrischen Kompositionen findet man in der Regel als Glossen, in Theaterstücken oder in anderen Rahmentexten, was die Vermutung nahelegt, dass sie nicht ohne weiteres in diese Texte aufgenommen wurden, sondern dabei gewisse Anpassungen, z.B. in der Metrik, erfahren haben.[99]

Diese Probleme treten verstärkt auf, wenn es um Kompositionen geht, die überwiegend in gedruckter Form überliefert worden sind, wie im Fall des spanischen Romancero. Nach Menéndez Pidal entstanden die romances, als das Publikum sich seine Lieblingspassagen aus den epischen Dichtungen wiederholen ließ und sich diese Textteile durch mündliche Überlieferung verselbständigten.[100] Es ist jedoch nicht klar, ob diese romances tradicionales dann die Grundlage für die späteren romances (históricos, novelescos) bildeten oder ob nicht doch die überlieferten romances des 14. Jahrhunderts die ursprünglichen Dichtungen sind.[101] Auch wenn die Metrik, Sechszehnsilber mit einer deutlichen Mittelzäsur, eindeutig mit der epischen Metrik verwandt zu sein scheint, sagt das nichts über die Filiation der Inhalte. Die ersten schriftlich erhaltenen romances stammen aus den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts (1421). Doch auch wenn im 15. Jahrhundert einige romances in den Cancioneros zu finden sind, erleben sie ihre Blütezeit erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als sie dank des Buchdrucks und insbesondere durch die pliegos sueltos große Verbreitung fanden. Die zahlreichen Varianten, die sich in den verschiedenen Fassungen finden, wurden oft als Zeichen der Mündlichkeit verstanden; bei genauer Betrachtung jedoch erweisen sich die Varianten als bewusst vorgenommene Änderungen durch die Herausgeber.[102]

Es ist also Vorsicht geboten, wenn es darum geht, die Merkmale der Mündlichkeit lyrischer Texte im Mittelalter zu analysieren. Die auftretenden Varianten können sowohl das Ergebnis einer Verschriftlichung durch die Dichter sein, die mündliche Merkmale in ihre Kompositionen integrierten, als auch das Zeichen einer ursprünglich oralen Tradition. Die sekundär verschriftlichten Kompositionen, aus denen genuin mündliche Volkslyrik rekonstruiert werden kann, beeinflussten aber sicherlich nicht nur die thematische Auswahl (wodurch auch die Repräsentativität dieser Zeugnisse zu relativieren wäre), sondern auch die Metrik und andere Faktoren.

In gewisser Weise ist auch die Epik von den angesprochenen Problemen betroffen. Die Frage nach ihrem Ursprung gehört sicherlich zu den meistdiskutierten Themen der romanistischen Literaturgeschichtsschreibung. Das Problem beruht wie so oft auf der Tatsache, dass wir es mit schriftlichen Zeugnissen zu tun haben, die zumeist viel später aufgeschrieben wurden als die darin behandelten Geschehnisse. Auf welchem Weg die gesungenen Kompositionen in die Handschriften gelangt sind, ist unklar. Für manche Handschriften ist vorgeschlagen worden, die darin enthaltene epische Dichtung sei direkt vom Sänger diktiert worden. Es ist jedoch merkwürdig, dass, anders als bei den chansonniers, in diesen Handschriften keinerlei Angaben über die Melodie o.ä. zu finden sind.[103] Die Positionen zur Entstehung der Epik sind demnach häufig radikal konträr, wie sich das am Beispiel des Cantar de mío Cid zeigen lässt. L.P. Harvey vertrat die These, dass der Cantar de mío Cid von einem Sänger diktiert wurde, und auch, dass die Produktion des Originals mündlich erfolgte,[104] was später De Chasca unter Verwendung der Methoden Lords zu beweisen versuchte.[105] Anderer Auffassung sind diejenigen, die im Cantar das Werk eines individuellen Autors sehen, der über zahlreiche juristische Kenntnisse verfügte und mit lateinischen Autoren vertraut war; dies würde für eine genuin schriftliche Komposition sprechen.[106] Die Problematik kann für die Gattung der Chanson de geste verallgemeinert werden.[107]

Was allerdings außer Frage steht, ist die mündliche Überlieferung der Epik sowohl vor als auch nach den schriftlichen Fixierungen. Wir wissen, dass die Versepen – begleitet durch die vielle und natürlich die Gestik – gesungen wurden, mit einer Melodie, die wahrscheinlich für jeden Vers gleich war. In den Texten selbst finden wir zahlreiche Stellen, an denen klar zu sehen ist, wie der Sänger sich an das Publikum wendet: „Fabló Martín Antolinez, odredes lo que ha dicho“,[108]fablemos nós d’aqueste que en buena ora nació“.[109] Rychner geht von einer Länge von ca. 2000 Versen pro Vortrag aus, was etwa zwei Stunden entsprechen dürfte.[110] Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Rezitation immer mit einer gewissen Improvisation verbunden war, so dass der Sänger je nach Rezeptionssituation die ihm bekannte Version kürzen oder in die Länge ziehen konnte, je nach Interesse des Publikums. Welche dieser Situationen die erhaltenen Texte wiedergeben – falls sie überhaupt eine konkrete Situation abbilden –, können wir nicht wissen.

Schriftliche Texte in mündlicher Tradierung

Im Kapitel XX des Don Quijote liest man eine Passage, in der Don Quijote Sancho Panza um eine Geschichte bittet, die ihnen dabei hilft, die Angst vor der Dunkelheit zu überwinden. Daraufhin beginnt Sancho Folgendes zu erzählen:

«Digo, pues [...] que en un lugar de Estremadura había un pastor cabrerizo, quiero decir que guardaba cabras, el cual pastor o cabrerizo, como digo de mi cuento, se llamaba Lope Ruiz; y este Lope Ruiz andaba enamorado de una pastora que se llamaba Torralba; la cual pastora llamada Torralba era hija de un ganadero rico; y este ganadero rico...»

An dieser Stelle aber wird Sancho von Don Quijote wie folgt unterbrochen:

«Si desa manera cuentas tu cuento, Sancho [...], repitiendo dos veces lo que vas diciendo, no acabarás en dos días: dilo seguidamente y cuéntalo como hombre de entendimiento, y si no, no digas nada.»

Was wir hier lesen, ist das Aufeinanderprallen zweier Welten, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts noch koexistieren: einerseits die uns heute vertraute Sicht Don Quijotes, der als geübter Leser von Ritterromanen Geschichten generell als schriftlich konzipierte Texte auffasst; andererseits Sancho Panza, der seine Geschichte vom Hören gelernt hat und mündlich weitergibt («De la misma manera que yo lo cuento – erwidert Sancho verärgert auf die Kritik Don Quijotes – se cuentan en mi tierra todas las consejas»).

Wie wir oben gesehen haben, war diese Art der Überlieferung (alle fünf Phasen nach Zumthor finden ohne Einsatz der Schrift statt) wahrscheinlich die übliche Art, wie Literatur im Mittelalter rezipiert und tradiert wurde. Es ist anzunehmen, dass die Texte in dieser Überlieferung gewisse Merkmale aufwiesen, die typisch für mündliche Texte und die damit verbundene Performanz sind: face-to-face-Interaktion, Expressivität, freie Themenentwicklung, Spontaneität usw. Bei den (vermutlich seltenen) Fällen, in denen diese Überlieferung verschriftlicht wurde, müssen wir allerdings mit einer Veränderung der Texte rechnen, so dass die aus der Verschriftlichung resultierenden Fassungen nicht mehr die ursprüngliche Gestalt widerspiegeln.

Die Bewegungen jedoch fanden nicht nur in diese eine Richtung statt: Auch Texte, die schriftlich fixiert vorlagen, fanden den Weg in die Mündlichkeit, womit wiederum erhebliche Veränderungen einhergehen konnten, die den Text an die neue Rezeptionssituation anpassten.

Ein gutes, wenn auch etwas spätes Beispiel dafür, wie diese Praxis ausgesehen haben kann, finden wir im Inquisitionsprozess eines gewissen Ramón Ramírez. 1599 wurde dieser unter anderem deswegen angeklagt, weil er auswendiggelernte Ritterromane rezitierte, was angesichts der Länge und Komplexität dieser Texte nur ein Werk des Teufels sein könne.[111] Zu seiner Verteidigung erklärt Ramírez, dass das, was er tut, nicht so sehr ein Auswendiglernen der Romane sei, sondern vielmehr ein selektives Lernen der relevanten Stellen, die dann je nach Bedarf gekürzt oder in die Länge gezogen werden. Ausgehend von einer schriftlichen Vorlage also vermündlicht er diese Texte, indem er sie an die neue, mündliche Rezeptionssituation anpasst. Er bringt sie damit auf die gleiche (oder zumindest auf eine ähnliche) Form, wie sie Sanchos Erzählung hatte. Die mediale Veränderung der Vortragssituation hatte auch konzeptionelle Veränderungen der sprachlichen Gestalt der Texte zur Folge.

Es darf natürlich nicht vergessen werden, welche Rolle die Erfindung des Buchdrucks am Ende des Mittelalters gespielt hat: Das Vorhandensein zahlreicher identischer Druckkopien trug letztlich dazu bei, die Autorität der gedruckten Fassung zu stärken. Nichts spricht jedoch dagegen, solche Autorisierungsprozesse auch schon in jenen Fällen der mittelalterlichen Literatur zu vermuten, wo nur eine handschriftliche Kopie vorlag. Das Entscheidende dabei ist nicht so sehr das Medium (Buch oder Handschrift), sondern der autoritative Charakter der geschriebenen Fassung.

Denken wir etwa an die Lyrik der Troubadours. Auch wenn im Einzelnen zu präzisieren wäre, in welcher Weise die Schrift den Produktionsprozess bestimmt hat, so ist doch gesichert, dass bereits die lyrische Produktion der ersten Troubadours nicht oral-memoriell war, sondern sich der Schrift bediente.[112] Diese schriftlich verfasste Lyrik jedoch wird hörend rezipiert. Dies impliziert zunächst, dass die Lyrik in ein neues Medium transponiert wird. Da aber zudem nicht der Autor selbst für die Performanz zuständig ist, sondern die ‘Verantwortung’ beim rezitierenden joglar liegt, ist es evident, dass dieser den Text auswendiglernen oder ihn sich in anderer Weise aneignen musste. Man weiß nicht genau, wie dieser Aneignungsprozess erfolgte, ob dies auf der Basis einer schriftlichen Vorlage geschah (etwa mithilfe der von Gröber vermuteten Liederblätter) oder ob der joglar die Kompositionen hörend memorisierte. Sicher scheint aber zu sein, dass bei den Troubadours – anders als bei Sancho Panza oder Ramón Ramírez – der Prozess der Überlieferung unter einem bestimmten Autoritätsdruck geschehen sein muss, um eine gewisse textuelle Stabilität zu gewähren.

Einzelnachweise

  1. Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985), „Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte“, in: Romanistisches Jahrbuch 36, 15–43; Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (2001): „Gesprochene und geschriebene Sprache – Langage parlé et écrit“, in Holtus, Günter/Metzeltin, Michael/Schmitt, Christian (Hgg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik, Bd. I,2: Methodologie (Sprache in der Gesellschaft / Sprache und Klassifikation / Datensammlung und -verarbeitung) – Méthodologie (Langue et société / Langue et classification / Collection et traitement des données), Tübingen, 584–627; Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (2008): „Comparaison historique de l’architecture des langues romanes“, in: Ernst, Gerhard/Gleßgen, Martin-Dietrich/Schmitt, Christian/Schweickard, Wolfgang (Hgg.): Ro­­manische Sprachgeschichte. Ein in­ter­na­tionales Hand­­buch zur Ge­­schich­te der romanischen Sprachen, Ber­lin/New York, Bd. 3, 2575–2610; Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (22011/[1990]): Gesprochene Sprache in der Romania. Französisch – Italienisch – Spanisch, Berlin/New York.
  2. Selig, Maria (1993): „Le passage à l’écrit des langues romanes: état de la question“, in: Selig, Maria/Frank, Barbara/Hartmann, Jörg (Hgg.): Le passage à l’écrit des langues romanes
  3. Vgl. Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (22011/[1990]): Gesprochene Sprache in der Romania. Französisch – Italienisch – Spanisch, Berlin/New York, S. 3–14.
  4. Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985), „Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spanungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte“, in: Romanistisches Jahrbuch 36, 15–43.
  5. Schlögl, Rudolf (2008): „Kommunikation und Vergesellschaftung unter Anwesenden. Formen des Sozialen und ihre Transformation in der Frühen Neuzeit“, in: Geschichte und Gesellschaft 34, 155–224; Selig, Maria (2009): „Anwesenheitskommunikation und Anwesenheitsgesellschaft. Einige Anmerkungen zu einem geschichtswissenschaftlichen Konzept aus sprachwissenschaftlicher Perspektive“, in: Ehrich, Susanne/Oberste, Jörg (Hgg.): Städtische Räume im Mittelalter, Regensburg, 17–33.
  6. Stock, Brian (1983): The Implications of Literacy. Written Language and Models of Interpretation in the Eleventh and Twelfth Centuries, Princeton.
  7. Koch, Peter (1997): „Diskurstraditionen: zu ihrem sprachtheoretischen Status und zu ihrer Dynamik“, in: Frank, Barbara/Haye, Thomas/Tophinke, Doris (Hgg.): Gattungen mittelalterlicher Schriftlichkeit, Tübingen, 43–79.
  8. Vollrath, Hannah (1981): „Das Mittelalter in der Typik oraler Gesellschaften“, in: Historische Zeitschrift 233, 571–594.
  9. Clanchy, Michael (1993/[1979]): From Memory to Written Record. England 1066–1307, Oxford.
  10. Jucker, Andreas H./Fritz, Gerd/Lebsanft, Franz (1999): „Historical Dialogue Analysis. Roots and Traditions in the Study of the Romance Languages, German and English“, in: Jucker, Andreas H./Fritz, Gerd/Lebsanft, Franz (Hgg.): Historical Dialogue Analysis, Amsterdam/Philadelphia, 1–33, S. 3f.
  11. Vgl. Rehbock, Helmut (2001): „Ansätze und Möglichkeiten einer historischen Gesprächsforschung“, in: Brinker, Klaus u.a. (Hgg.): Text-und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, Berlin/New York, 2. Halbbd., 961–970, S. 962; Kilian, Jörg (2005): Historische Dialogforschung. Eine Einführung. Tübingen,  S. 3848.
  12. Coseriu, Eugenio (1988a): Sprachkompetenz. Grundzüge der Theorie des Sprechens. Bearbeitet und herausgegeben von Heinrich Weber, Tübingen, S. 95f. und S. 121–123.
  13. Stempel, Wolf-Dieter (1998): „Zur Frage der Repräsentation gesprochener Sprache in der altfranzösischen Literatur“, in: Kablitz, Andreas/Neumann, Gerhard (Hgg.): Mimesis und Simulation. Freiburg i.Br., 235–254, S. 238f.
  14. Vgl. Koch, Peter (1999): „Court Records and Cartoons. Reflections of Sponteneous Dialogue in Early Romance Texts“, in: Jucker/Fritz/Lebsanft (Hgg.) 1999, 399–429, S. 400 und S. 405–412; Ramge, Hans (1999): „Dialoge im Rechtsprotokoll. Ein Wetzlarer Erbstreit a. 1309 und die Entstehung einer neuen Textsorte“, in: Jucker/Fritz/Lebsanft (Hgg.) 1999, 371–398, S. 375, S. 388 und S. 391.
  15. Taavitsainen, Irma (1999): „Dialogues in Late Medieval and Early Modern English Medical Writing“, in: Jucker/Fritz/Lebsanft (Hgg.) 1999, 243–268, S. 244–246.
  16. Schrott, Angela (2011): „Von der Lebendigkeit der Heiligenleben. Traditionen der Dialoggestaltung bei Gonzalo de Berceo“, in: Miedema, Nine/Unzeitig, Monika/Hundsnurscher, Franz (Hgg.): Redeszenen in der mittelalterlichen Großepik. Komparatistische Perspektiven, Berlin, 193–212, S. 194–197; Schrott, Angela (2012): „Heiligenrede in altspanischen Texten. Redeakte, Dialogprofile und Techniken der Redeinszenierung bei Gonzalo de Berceo“, in: Miedema, Nine/Unzeitig, Monika/Schrott, Angela (Hgg.): Sprechen mit Gott. Redeszenen in mittelalterlicher Bibeldichtung und Legende, Berlin, 107–126, S. 107–109.
  17. Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985), „Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spanungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte“, in: Romanistisches Jahrbuch 36, 15–43; Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (22011/[1990]): Gesprochene Sprache in der Romania. Französisch – Italienisch – Spanisch, Berlin/New York.
  18. Coseriu, Eugenio (1988a): Sprachkompetenz. Grundzüge der Theorie des Sprechens. Bearbeitet und herausgegeben von Heinrich Weber, Tübingen, S. 70, S. 95f. und S. 121–125.
  19. Coseriu, Eugenio (1988a): Sprachkompetenz. Grundzüge der Theorie des Sprechens. Bearbeitet und herausgegeben von Heinrich Weber, Tübingen, S. 70f.
  20. Zu den drei Wissensbeständen vgl. Koch, Peter (2008a): „Tradiciones discursivas y cambio lingüístico: el ejemplo del tratamiento vuestra merced en español“, in: Kabatek, Johannes (Hg.): Sintaxis histórica del español y cambio lingüístico. Nuevas perspectivas desde las tradiciones discursivas, Frankfurt am Main/Madrid, 53–87, S. 53–65; Oesterreicher, Wulf (2001): „Historizität – Sprachvariation, Sprachverschiedenheit, Sprachwandel“, in: Haspelmath, Martin/König, Ekkehard/Oesterreicher, Wulf/Raible, Wolfgang (Hgg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch, Berlin/New York, 2. Halbbd, 1554–1595, S. 1558f.; Lebsanft, Franz (2005): „Kommunikationsprinzipien, Texttraditionen, Geschichte“, in: Schrott, Angela/Völker, Harald (Hgg.): Historische Pragmatik und historische Varietätenlinguistik in den romanischen Sprachen. Göttingen, 25–43, S. 30–32; Schrott, Angela (2011): „Von der Lebendigkeit der Heiligenleben. Traditionen der Dialoggestaltung bei Gonzalo de Berceo“, in: Miedema, Nine/Unzeitig, Monika/Hundsnurscher, Franz (Hgg.): Redeszenen in der mittelalterlichen Großepik. Komparatistische Perspektiven, Berlin, 193–212, S. 194–196; Schrott, Angela (2014): „Sprachwissenschaft als Kulturwissenschaft aus romanistischer Sicht. Das Beispiel der kontrastiven Pragmatik“, in: Romanische Forschungen 126, 3–44, S. 9f.
  21. Grice, Paul (1989): „Logic and Conversation“, in: ders: Studies in the Way of Words, Harvard u.a., 22–40, S. 26–28.
  22. Weiterführende Literatur zu den verschiedenen Positionen der Forschung: Koch, Peter (2008a): „Tradiciones discursivas y cambio lingüístico: el ejemplo del tratamiento vuestra merced en español“, in: Kabatek, Johannes (Hg.): Sintaxis histórica del español y cambio lingüístico. Nuevas perspectivas desde las tradiciones discursivas, Frankfurt am Main/Madrid, 53–87, S. 53–65; Oesterreicher, Wulf (2001): „Historizität – Sprachvariation, Sprachverschiedenheit, Sprachwandel“, in: Haspelmath, Martin/König, Ekkehard/Oesterreicher, Wulf/Raible, Wolfgang (Hgg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch, Berlin/New York, 2. Halbbd, 1554–1595, S. 1558f.; Lebsanft, Franz (2005): „Kommunikationsprinzipien, Texttraditionen, Geschichte“, in: Schrott, Angela/Völker, Harald (Hgg.): Historische Pragmatik und historische Varietätenlinguistik in den romanischen Sprachen. Göttingen, 25–43, S. 30–32; Lebsanft, Franz (i. Dr., erscheint 2015): „Aktualität, Individualität und Geschichtlichkeit. Zur Diskussion um den theoretischen Status von Diskurstraditionen und Diskursgemeinschaften“, in: Lebsanft, Franz/Schrott, Angela (Hgg.): Diskurse, Texte, Traditionen. Modelle und Fachkulturen in der Diskussion. Bonn, 97–113; Schrott, Angela (2014): „Sprachwissenschaft als Kulturwissenschaft aus romanistischer Sicht. Das Beispiel der kontrastiven Pragmatik“, in: Romanische Forschungen 126, 3–44, S. 9f.
  23. Zur Traditionalität des Sprechens und zur Rolle der Diskurstraditionen vgl. Schlieben-Lange, Brigitte (1983): Traditionen des Sprechens. Elemente einer pragmatischen Sprachgeschichtsschreibung. Stuttgart; Koch, Peter (1997): „Diskurstraditionen: zu ihrem sprachtheoretischen Status und zu ihrer Dynamik“, in: Frank, Barbara/Haye, Thomas/Tophinke, Doris (Hgg.): Gattungen mittelalterlicher Schriftlichkeit, Tübingen, 43–79; Koch, Peter (2008a): „Tradiciones discursivas y cambio lingüístico: el ejemplo del tratamiento vuestra merced en español“, in: Kabatek, Johannes (Hg.): Sintaxis histórica del español y cambio lingüístico. Nuevas perspectivas desde las tradiciones discursivas, Frankfurt am Main/Madrid, 53–87; Oesterreicher, Wulf (1997): „Zur Fundierung von Diskurstraditionen“, in: Frank, Barbara/Haye, Thomas/Tophinke, Doris (Hgg.): Gattungen mittelalterlicher Schriftlichkeit, Tübingen, 19–41; Oesterreicher, Wulf (2001): „Historizität – Sprachvariation, Sprachverschiedenheit, Sprachwandel“, in: Haspelmath, Martin/König, Ekkehard/Oesterreicher, Wulf/Raible, Wolfgang (Hgg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch, Berlin/New York, 2. Halbbd, 1554–1595; Wilhelm, Raymund (2001): „Diskurstraditionen“, in: Haspelmath, Martin/König, Ekkehard/Oesterreicher, Wulf/Raible, Wolfgang (Hgg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien, Berlin/New York, 1. Halbbd., 467–477; Lebsanft, Franz (2005): „Kommunikationsprinzipien, Texttraditionen, Geschichte“, in: Schrott, Angela/Völker, Harald (Hgg.): Historische Pragmatik und historische Varietätenlinguistik in den romanischen Sprachen. Göttingen, 25–43; Lebsanft, Franz (i. Dr., erscheint 2015): „Aktualität, Individualität und Geschichtlichkeit. Zur Diskussion um den theoretischen Status von Diskurstraditionen und Diskursgemeinschaften“, in: Lebsanft, Franz/Schrott, Angela (Hgg.): Diskurse, Texte, Traditionen. Modelle und Fachkulturen in der Diskussion. Bonn, 97–113; Schrott, Angela (2011): „Von der Lebendigkeit der Heiligenleben. Traditionen der Dialoggestaltung bei Gonzalo de Berceo“, in: Miedema, Nine/Unzeitig, Monika/Hundsnurscher, Franz (Hgg.): Redeszenen in der mittelalterlichen Großepik. Komparatistische Perspektiven, Berlin, 193–212; Schrott, Angela (2014): „Sprachwissenschaft als Kulturwissenschaft aus romanistischer Sicht. Das Beispiel der kontrastiven Pragmatik“, in: Romanische Forschungen 126, 3–44; Schrott, Angela (i.Dr., erscheint 2015): „Kategorien diskurstraditionellen Wissens als Grundlage einer kulturbezogenen Sprachwissenschaft“, in: Lebsanft, Franz/Schrott, Angela (Hgg.): Diskurse, Texte, Traditionen. Modelle und Fachkulturen in der Diskussion, Bonn, 115–146.
  24. Schrott, Angela (2014): „Sprachwissenschaft als Kulturwissenschaft aus romanistischer Sicht. Das Beispiel der kontrastiven Pragmatik“, in: Romanische Forschungen 126, 3–44, S. 7–11.
  25. Vgl. hierzu die Differenzierung universeller und einzelsprachlicher Merkmale gesprochener Sprache bei Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (22011/[1990]): Gesprochene Sprache in der Romania. Französisch – Italienisch – Spanisch, Berlin/New York, S. 4–6.
  26. Vgl. Lebsanft, Franz (1988): Studien zu einer Linguistik des Grußes. Sprache und Funktion der altfranzösischen Grußformeln, Tübingen; Schrott, Angela (2011): „Von der Lebendigkeit der Heiligenleben. Traditionen der Dialoggestaltung bei Gonzalo de Berceo“, in: Miedema, Nine/Unzeitig, Monika/Hundsnurscher, Franz (Hgg.): Redeszenen in der mittelalterlichen Großepik. Komparatistische Perspektiven, Berlin, 193–212; Schrott, Angela (2012): „Heiligenrede in altspanischen Texten. Redeakte, Dialogprofile und Techniken der Redeinszenierung bei Gonzalo de Berceo“, in: Miedema, Nine/Unzeitig, Monika/Schrott, Angela (Hgg.): Sprechen mit Gott. Redeszenen in mittelalterlicher Bibeldichtung und Legende, Berlin, 107–126.
  27. Goffman, Erving (1971): Relations in Public. Microstudies of the Public Order, London, S. 88f. und S. 106.
  28. Cantar de mio Cid. Edición, prólogo y notas de Alberto Montaner, 2.a edición corregida, Barcelona, 1993; El Cantar de mio Cid. Übersetzt und eingeleitet von Hans-Jörg Neuschäfer, München, 1964.
  29. Lebsanft, Franz (1988): Studien zu einer Linguistik des Grußes. Sprache und Funktion der altfranzösischen Grußformeln, Tübingen, S. 29 und S. 199–205.
  30. Cantar de mio Cid. Edición, prólogo y notas de Alberto Montaner, 2.a edición corregida, Barcelona, 1993, V. 2917.
  31. Vgl. etwa auch Cantar de mio Cid. Edición, prólogo y notas de Alberto Montaner, 2.a edición corregida, Barcelona, 1993, Verse 2618ff. und 2901ff.
  32. Selig, Maria (2011): „Distanzsprachliche Mündlichkeit. Zur (rustica) romana lingua im Konzil von Tours und in den Straßburger Eiden“, in: Overbeck, Anja/Schweickard, Wolfgang/Völker, Harald (Hgg.): Lexikon, Varietät, Philologie. Romanistische Studien. Günter Holtus zum 65. Geburtstag, Berlin/Boston, 255–281.
  33. Goody, Jack/Watt, Ian (1968): „The Consequences of Literacy“, in: Goody, Jack (Hg.): Literacy in Traditional Societies, Cambridge, 27–69.
  34. Selig, Maria (2011): „Distanzsprachliche Mündlichkeit. Zur (rustica) romana lingua im Konzil von Tours und in den Straßburger Eiden“, in: Overbeck, Anja/Schweickard, Wolfgang/Völker, Harald (Hgg.): Lexikon, Varietät, Philologie. Romanistische Studien. Günter Holtus zum 65. Geburtstag, Berlin/Boston, 255–281.
  35. Frank, Barbara (1994): Die Textgestalt als Zeichen, Tübingen, S. 159–161; vgl. auch die im 13. Jh. einsetzende Tradition, romanische Predigten in Handschriften mit religiös-didaktischen Texten aufzunehmen, Frank, Barbara (1994): Die Textgestalt als Zeichen, Tübingen, S. 158f.; vgl. außerdem Zink, Michel (1982): La Prédication en langue romane avant 1300, Paris.
  36. Frank, Barbara (1994): Die Textgestalt als Zeichen, Tübingen S. 11–123.
  37. Vgl. zur Predigt als elaborierte Mündlichkeit Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985): „Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spanungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte“, in: Romanistisches Jahrbuch 36, 15–43. Zur ‘Semi-Oralität’ vgl. Müller, Jan-Dirk (1998): Spielregeln für den Untergang. Die Welt des Nibelungenlieds, Tü­bin­­gen.
  38. Selig, Maria (2011): „Distanzsprachliche Mündlichkeit. Zur (rustica) romana lingua im Konzil von Tours und in den Straßburger Eiden“, in: Overbeck, Anja/Schweickard, Wolfgang/Völker, Harald (Hgg.): Lexikon, Varietät, Philologie. Romanistische Studien. Günter Holtus zum 65. Geburtstag, Berlin/Boston, 255–281.
  39. Ferguson, Charles (1959): „Diglossia“, in: Word 15, 325–340.
  40. Zu einer Auseinandersetzung mit dem Diglossiebegriff vgl. Koch, Peter (2008b): „Le latin – langue diglossique?“, in: von Moos, Peter (Hg.): Zwischen Babel und Pfingsten. Sprachdifferenzen und Gesprächsverständigung in der Vormoderne (8.–16. Jh.) – Entre Babel et Pentecôte. Différences linguistiques et communication orale avant la modernité (VIIIe–XVIe siècle), Münster, 287–316.; vgl. auch Oesterreicher, Wulf (2013): „La textualidad de los documentos de los romances primitivos“, in: Casanova Herrero, Emili/Calvo Rigual, Cesáreo (Hgg.): Actas del XXVI Congreso Internacional de Lingüística y de Filología Románicas. Valencia, 6–11 de septiembre de 2010, Berlin/Boston, Bd. 1, 457–478.
  41. Fleischman, Suzanne (1990): „Philology, Linguistics, and the Discourse oft he Medieval Text“, in: Speculum 65, 19–37; Selig, Maria (1997): „‘Mündlichkeit’ in mittelalterlichen Texten“, in: Gleßgen, Martin-Dietrich/Lebsanft, Franz (Hgg.): Alte und neue Philologie, Tübingen, 201–221.
  42. Coseriu, Eugenio (1988b/[1980]): „‘Historische Sprache’ und ‘Dialekt’“, in: Albrecht, Jörn/Lüdtke, Jens/Thun, Ha­­rald (Hgg.): Energeia und Ergon. Sprachliche Variation, Sprachge­schich­te, Sprach­ty­po­lo­gie. Stu­dia in hono­rem Eugenio Coseriu, Tübingen, Bd. 1, 44–61, S. 48. Vgl. dazu auch Krefeld, Thomas (2011): „‘Primäre’, ‘sekundäre’, ‘tertiäre’ Dialekte – und die Geschichte des italienischen Sprachraums“, in: Overbeck, Anja/Schweickard, Wolfgang/Völker, Harald (Hgg.): Lexikon, Varietät, Philologie. Romanistische Studien. Günter Holtus zum 65. Geburtstag, Berlin/Boston, 137–147.
  43. Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (2008): „Comparaison historique de l’architecture des langues romanes“, in: Ernst, Gerhard/Gleßgen, Martin-Dietrich/Schmitt, Christian/Schweickard, Wolfgang (Hgg.): Romanische Sprachgeschichte. Ein interna'tionales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen, Berlin/New York, Bd. 3, 2575–2610, S. 2583. – Vgl. zum Begriff der ‘Dachsprache’ Kloss, Heinz (²1978): Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800, Düsseldorf.
  44. So war auf der Iberischen Halbinsel im 12. bis 14. Jahrhundert das Galegische die Sprache der Lyrik, während Heldenepen ausschließlich auf Kastilisch gedichtet wurden.
  45. Vgl. dazu exemplarisch die Debatte um den Ursprung der niederdeutschen Hansesprache bei Sanders, Willy (1982): Sachsensprache, Hansespache, Plattdeutsch. Sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen, Göttingen 1982, S. 126–132. – Zum Französischen vgl. Völker, Harald (2011): „Implizites in der linguistischen Fachprosa. Die empirischen und theoretischen Bezüge von Hypothesen zum Ursprung der französischen Standardvarietät“, in: Dessì Schmid, Sarah/Hafner, Jochen/Heinemann, Sabine (Hgg.): Koineisierung und Standardisierung in der Romania, Heidelberg, 81–110 und Grübl, Klaus (2014): Varietätenkontakt und Standardisierung im mittelalterlichen Französisch. Theorie, Forschungsgeschichte und Untersuchung eines Urkundenkorpus aus Beauvais (1241–1455), Tübingen, S. 109–195. – Zu nicht im Kontext der Überregionalität, sondern unter sehr engen räumlichen und sozial-kommunikativen Bedingungen entstandenen und damit wohl genuin nähesprachlichen Migrantenkoinai vgl. weiter unten, Abschnitt 3.2.
  46. Gleßgen, Martin-Dietrich (2008): „Les lieux d’écriture dans les chartes lorraines du XIIIe siècle“, in: Revue de Linguistique Ro­ma­ne 72, 413–540.
  47. Vgl. dazu den Begriff der ‘Varietätenkette’ bei Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (22011): Gesprochene Sprache in der Romania. Französisch – Italienisch – Spanisch, Berlin/New York, S. 16.
  48. Lanher, Jean (1975): Documents linguistiques de la France (série française). Chartes en langues française antérieures à 1271 conservées dans le département des Vosges, Paris, S. XXXVIf. </li>
  49. Völker, Harald (2003): Skripta und Variation. Untersuchungen zur Negation und zur Substantivflexion in altfranzösischen Urkunden der Grafschaft Luxemburg (1237–1281), Tübingen.
  50. Vgl. Lusignan, Serge (2004): La langue des rois au Moyen Âge. Le français en France et en An­gle­ter­re, Pa­ris, S. 225–231 und Lusigan, Serge (2012): Essai d’histoire sociolinguistique. Le français picard au Moyen Âge, Paris sowie Grübl, Klaus (2014): Varietätenkontakt und Standardisierung im mittelalterlichen Französisch. Theorie, Forschungsgeschichte und Untersuchung eines Urkundenkorpus aus Beauvais (1241–1455), Tübingen. – Carl Theodor Gossen gebrauchte in diesem Zusammenhang den Begriff des ‘Lokalpa­trio­tis­mus’. Vgl. Gossen, Charles Théodore (1963): „La scripta des chartes picardes“, in: Straka, Georges (Hg.): Les anciens textes romans non littéraires. Leur apport à la con­­nais­san­­ce de la langue au moyen âge. Colloque international organisé par le Cen­tre de Philologie et de Littératures romanes de l’Université de Strasbourg du 30 jan­vier au 4 février 1961. Actes publiés avec le concours de la Société de Linguistique romane, Paris, 17–31 und 233–243, S. 240.
  51. Vgl. Völker, Harald (2003): Skripta und Variation. Untersuchungen zur Negation und zur Sub­stan­tiv­flexion in altfran­­si­schen Urkunden der Grafschaft Luxemburg (1237–1281), Tü­bin­gen; Gleßgen, Martin-Dietrich (2008): „Les lieux d’écriture dans les chartes lorraines du XIIIe siècle“, in: Revue de Linguistique Ro­ma­ne 72, 413–540; Grübl Klaus (2014): Varietätenkontakt und Standardisierung im mittelalterlichen Französisch. Theorie, Forschungsgeschichte und Untersuchung eines Urkundenkorpus aus Beauvais (1241–1455), Tübingen; Grübl, Klaus (2015): „Ce que les chartes nous apprennent sur la variation et le changement linguistiques au Moyen Âge: l’exemple de la déclinaison bicasuelle de l’ancien français“, in: Revue de Linguistique Romane 79, 5–38.
  52. Vgl. Dees, Antonij (1985): „Dialectes et scriptae à l’époque de l’ancien français“, in: Revue de Linguistique Romane 49, 87–117; Pfister, Max (1993): „Scripta et koinè en ancien français aux XIIe et XIIIe siècles?“, in: Knecht, Pierre/Marzys, Zygmunt (Hgg.): Écriture, langues communes et normes. Formation spontanée de koinès et standardisation dans la Galloromania et son voisinage. Actes du col­lo­que tenu à l’Université de Neuchâtel du 21 au 23 septembre 1988, Neuenburg/Genf, 17–41; Lodge, R. Anthony (2004): A Sociolinguistic History of Parisian French, Cambridge.
  53. Vgl. dazu Lusignan, Serge (2007): „Langue et société dans le Nord de la France: le picard comme langue des ad­mi­nistrations publiques“, in: Comptes-rendus des séances de l’Académie des Inscriptions & Belles-Lettres 151, 1275–1295, S. 1275: „Le français écrit durant la période médiévale se caractérise à la fois par un important fonds linguistique commun et par certains traits régionaux dont la diversité et l’intensité varient selon les lieux d’écriture, les époques et les documents. Normalement en proportion plutôt faible, [ces traits] paraissent n’avoir jamais constitué une entrave à la communication.“
  54. Vgl. Vitale, Maurizio (1953): La lingua volgare della cancelleria visconteo-sforzesca nel Quattrocento, Varese; Maraschio, Nicoletta (1976): „Lingua, società e corte di una signoria padana fra Quattro et Cinquecento“, in: Segre, Cesare (Hg.): Ludovico Ariosto: lingua, stile e tradizione. Atti del Congresso organizzato dai comuni di Reg­gio Emilia e Ferrara. 12–16 ottobre 1974, Mailand, 29–38; Ghinassi, Ghino (22006/[1976]): „Il volgare mantovano tra il Medioevo e il Rinascimento“, in: ders.: Dal Belcalzer al Castiglione. Studio sull'antico volgare di Mantova et sul "Cortegiano", a cura e con una premessa di Paolo Bongrani, Florenz, 137–158; Wilhelm, Raymund (2007): „Regionale Sprachgeschichte als Geschichte eines mehrsprachigen Raumes. Per­spek­tiven einer Sprachgeschichte der Lombardei“, in: Hafner, Jochen/Oesterreicher, Wulf (Hgg.): Mit Clio im Gespräch. Ro­ma­nische Sprachgeschichten und Sprach­­ge­schichtsschreibung, Tübingen, 77–101.<o:p></o:p>
  55. Koch, Stefan (2013): „Sobre el contacto del leonés con el castellano en la Edad Media. Estudio preliminar de ocho documentos de San Pedro de Eslonza (1241–1280)“, in: Casanova Herrero, Emili/Calvo Rigual, Cesáreo (Hgg.): Actas del XXVI Congreso Internacional de Lingüística y de Filología Románicas. Valencia, 6–11 de septiembre de 2010, Berlin/Boston, Bd. 8, 595–607. <o:p></o:p>
  56. Vgl. dazu auch die zeitgenössische Sprachreflexion, etwa bei Roger Bacon ( 1294) (Opus majus III,66; zitiert in Lusignan, Serge (²1987/[1986]): Parler vulgairement. Les intellectuels et la langue française aux XIIIe et XIVe siècles, Pa­ris/Mont­réal, S. 68) oder bei Dante Alighieri [um 1305].<o:p></o:p>
  57. Coseriu, Eugenio (1988b/[1980]): „‘Historische Sprache’ und ‘Dialekt’“, in: Albrecht, Jörn/Lüdtke, Jens/Thun, Ha­­rald (Hgg.): Energeia und Ergon. Sprachliche Variation, Sprachge­schich­te, Sprach­ty­po­lo­gie. Stu­dia in hono­rem Eugenio Coseriu, Tübingen, Bd. 1, 44–61, S. 50.
  58. Feller, Jules (1931): „Français et dialectes chez les auteurs belges du moyen âge“, in: Bulletin de la Commis­sion Royale de Toponymie & Dialectologie 5, 33–92; Remacle, Louis (1948): Le problème de l’ancien wallon, Lüttich; Gossen, Carl Theodor (1957): „Die Einheit der französischen Schriftsprache im 15. und 16. Jahr­­hun­dert“, in: Zeitschrift für romanische Philologie 73, 427–459; Gossen, Carl Theodor (1967): Französische Skriptastudien. Untersuchungen zu den nordfran­­­sischen Ur­kun­den­spra­chen des Mittelalters, Wien.
  59. Vgl. Koch, Peter (1993): „Pour une typologie conceptionnelle et médiale des plus anciens documents/monuments des langues romanes, in: Selig, Maria/Frank, Barbara/Hartmann, Jörg (Hgg.): Le passage à l’écrit des langues romanes, Tübingen, 39–81.
  60. Vgl. Cerquiglini, Bernard (2007): Une langue orpheline, Paris, S. 170: „La mise en écrit n’enregistre pas les idiomes, elle les immortalise.“
  61. Vgl. wiederum Cerquiglini, Bernard (2007): Une langue orpheline, Paris, S. 167: „C’est au latin que le vernaculaire [...] arrache les armes.“
  62. Vgl. zur okzitanischen Toponymie Carles, Hélène (2011): L’émergence de l’occitan pré-textuel. Analyse linguistique d’un corpus auvergnat (IXe–XIe siècles), Straßburg. Zur literarischen Manuskriptkultur vgl. Greub, Yan (2007): „Sur un mécanisme de la préstandardisation de la lange d’oïl“, in: Bulletin de la Société de Linguistique de Paris 102, 429–434. Zur französischen Urkundensprache vgl. Gleßgen, Martin-Dietrich (2012): „Trajectoires et perspectives en scriptologie romane“, in: Medioevo Romanzo 36, 5–23 und Grübl, Klaus (2013): „La standardisation du français au Moyen Âge: point de vue scriptologique“, in: Revue de Linguistique Romane 77, 343–383. – Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Effizienz spätmittelalterlicher Sprachnormierung stellt die Toledanische Übersetzerschule von Alfons dem Weisen (1221–1284) dar. Zum systematischen Ausbau einer kastilischen Literatur- und Wissenschaftssprache unter seiner Ägide vgl. Bossong, Georg (1982): „Las traducciones alfonsíes y el desarrollo de la prosa científica castellana“, in: Hempel, Wido (Hg.): Actas del Coloquio hispano-alemán Ramón Menéndez Pidal. Madrid, 31 de marzo a 2 de abril 1978, Tübingen, 1–14 und Fernández-Ordóñez, Inés (32013): „Alfonso X el Sabio en la historia del español“, in: Cano Aguilar, Rafael (Hg.): Historia de la lengua española, Barcelona, 381–422.
  63. Vgl. Siegel, Jeff (1985): „Koines and koineization“, in: Language in Society 14, 357–378; Trudgill, Peter (22006/[1986]): Dialects in Contact, Oxford u.a.; Kerswill, Paul (2002): „Koineization and accommodation“, in: Chambers, J.K./Trudgill, Peter/Schilling-Estes, Natalie (Hgg.): The Handbook of Language Variation and Change, Malden (Mass.) u.a., 669–702; Kerswill, Paul/Trudgill, Peter (2005): „The birth of new dialects“, in: Auer, Peter/Hinskens, Frans/Kerswill, Paul (Hgg.): Dialect Change. Convergence and Diver­gence in European Languages, Cambridge, 196–220.
  64. Vgl. zum Kastilischen Tuten, Donald N. (2003): Koineization in Medieval Spanish, Berlin/New York; zum Französischen Lodge, R. Anthony (2004): A Sociolinguistic History of Parisian French, Cambridge.
  65. Vgl. zu sogenannten new towns des 20. Jahrhunderts wie das norwegische Høyanger oder die englische Planstadt Milton Keynes Kerswill, Paul (2002): „Koineization and accommodation“, in: Chambers, J.K./Trudgill, Peter/Schilling-Estes, Natalie (Hgg.): The Handbook of Language Variation and Change, Malden (Mass.) u.a., 669–702.
  66. Vgl. Ernst, Gerhard (1970): Die Toskanisierung des römischen Dialekts im 15. und 16. Jahrhundert, Tübingen; Trifone, Pietro (2008): Storia linguistica di Roma, Rom.
  67. Lodge, R. Anthony (2004): A Sociolinguistic History of Parisian French, Cambridge.
  68. Vgl. Grübl, Klaus (2011): „Zum Begriff der Koine(isierung) in der historischen Sprachwissenschaft“, in: Dessì Schmid, Sarah/Hafner, Jochen/Heinemann, Sabine (Hgg.): Koineisierung und Standardisierung in der Romania, Heidelberg, 37–64.
  69. Vgl. dazu Selig, Maria (2008): „Koineisierung im Altfranzösischen? Dialektmischung, Verschriftli­chung und Über­­dachung im französischen Mittelalter“, in: Heinemann, Sabine (Hg.): Sprach­wandel und (Dis-)Kon­ti­nui­tät in der Romania, unter Mitarbeit von Paul Videsott, Tü­bingen, 71–85 und Selig, Maria (2014): „Standardisierung, Koineisierung und die mittelalterliche Sprachgeschichte“, in: Danler, Paul/Konecny Christine (Hgg.): Dall’architettura della lingua italiana all’architettura linguistica dell’Italia. Saggi in omaggio a Heidi Siller-Runggaldier, Frankfurt a.M. u.a., 165–188.
  70. Vgl. Zufferey, François (1987): Recherches linguistiques sur les chansonniers provençaux, Genf, S. 312f.; Gleßgen, Martin-Dietrich/Pfister, Max (1995): „Okzitanische Koine“, in: Holtus, Günter/Metzeltin, Michael/Schmitt, Christian (Hgg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik, Tübingen, Bd. II,2, 406–412; Swiggers, Pierre (2011): „La (relative) standardisation de l’ancien occitan appréhendée à travers les premiè­res descriptions grammaticales“, in: Dessì Schmid, Sarah/Hafner, Jochen/Heinemann, Sabine (Hgg.): Koineisierung und Standardisierung in der Romania, Heidelberg, 133–149.
  71. Vgl. Grübl, Klaus (2013): „La standardisation du français au Moyen Âge: point de vue scriptologique“, in: Revue de Linguistique Romane 77, 343–383; Videsott, Paul (2013): „Les débuts du français à la Chancellerie royale: analyse scriptologique des chartes de Philippe III (1270–1285)“, in: Revue de Linguistique Romane 77, 3–49.
  72. Vgl. Frings, Theodor (1936): Die Grundlagen des Meißnischen Deutsch. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der deutschen Hoch­sprache, Halle a.d. Saale; Schwarz, Ernst (1936): „Die Grundlagen der neuhochdeutschen Schriftsprache“, in: Zeitschrift für Mund­art­forschung 12, 1–15.
  73. Besch, Werner (1967): Sprachlandschaften und Sprachausgleich im 15. Jahrhundert. Studien zur Er­for­schung der spät­mit­telhochdeutschen Schreibdialekte und zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache, München, S. 350–359.
  74. Besch, Werner (2003): „Die Entstehung und Ausformung der neuhochdeutschen Schrift­spra­che/Stan­dard­sprache“, in: ders./Betten, Anne/Reichmann, Oskar/Sonderegger, Stefan (Hgg.): Sprach­­­ge­schichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Er­for­schung, 2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Ber­lin/New York, Bd. 3, 2252–2296, S. 2262.
  75. Tuten, Donald N. (2003): Koineization in Medieval Spanish, Berlin/New York.
  76. Kabatek, Johannes (1999): "Von Burgos nach Toledo: altkastilischer Normenkonflikt und Probleme der Rekonstruktion", in: Wesch, Andreas/Brumme, Jenny (Hgg.): Normen und Subnormen in Geschichte und Gegenwart. Methoden ihrer Rekonstruktion und Beschreibung, Wien, 115–130.
  77. Lord, Albert B. (1960): The Singer of Tales, Cambridge, S. 30.
  78. Lord, Albert B. (1960): The Singer of Tales, Cambridge, S. 128.
  79. Lord, Albert B. (1986): Perspectives on Recent Work on the Oral Traditional Formula, in: Oral Tradition, 1, 467–503, S. 479f.
  80. Zumthor, Paul (1983): Introduction à la poésie orale, Paris, S. 32f.
  81. Oesterreicher, Wulf (1998): „Textzentrierung und Rekontextualisierung. Zwei Grundprobleme der diachronischen Sprach- und Textforschung“, in: Ehler, Christine/Schäfer, Ursula (Hgg.): Verschriftung und Verschriftlichung. Aspekte des Medienwechsels in verschiedenen Kulturen und Epochen, Tübingen, 10–39, S. 19.
  82. Vgl. Fuhrmann, Horst (1969): „Die Sorge um den rechten Text“, Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, 25 XXV, S. 1–17.
  83. Zumthor, Paul (1983): Introduction à la poésie orale. Paris.
  84. Cerquiglini, Bernard (1989): Eloge de la variante. Histoire critique de la philologie, Paris.
  85. Catalán, Diego (1997): Arte poética del romancero oral. Bd. 1: Los textos abiertos de creación colectiva, Madrid.
  86. Oesterreicher, Wulf (1993): „Verschriftung und Verschriftlichung im Kontext medialer und konzeptioneller Schriftlichkeit“, in: Schäfer, Ursula (Hgg.): Schriftlichkeit im frühen Mittelalter, Tübingen, 267–292, S. 273.
  87. Vgl. Koch, Peter (1987): Distanz im Dictamen, unveröffentlichte Habilitationsschrift, Freiburg i.Br., S. 94f.
  88. Gröber, Gustav (1883): Grundriss der romanischen Philologie, Straßburg.
  89. Menéndez Pidal, Ramón (1953): Romancero hispánico (hispano-portugués, americano y sefardí); teoría e historia, Madrid.
  90. Vgl. Cohen, Gustave (1949): La vie littéraire en France au Moyen-Age, Paris.
  91. Alonso, Dámaso/Blecua, José Manuel (1986): Antología de la poesía española. Lírica de tipo tradicional, Madrid.
  92. Stern, Samuel (1948): „Les vers finaux en espagnol dans les muwasahs hispano-hébraiques: Une contribution à l’étude du vieux dialecte espagnol mozarabe“, in: Al-Andalus, XIII, 299–346.
  93. Alonso, Dámaso (1949): Cancioncillas ‘de amigo’ mozárabes, in: Revista de Filiología Española, 297–349.
  94. Hitchcock, Richard (1973): Some Doubts about the Reconstruction of the Kharjas, in: Bulletin of Hispanic Studies 2, 109–119.
  95. Jones, Alan (1988): Romance Kharjas in Andalusian Arabic Muwašša Poetry. A Palaeographical Analysis, Ithaca/London.
  96. Corriente, Federico (2008): A vueltas con la xajarat con texto romance de la serie hebrea, in: Vox Romanica, 169–182.
  97. Beltrán, Vicente (1998): Poesía tradicional, ecdótica e historia literaria, in: Piñero Ramírez, Pedro (Hg.): Lírica popular, lírica tradicional. Lecciones en homenaje a Don Emilio García Gómez, Universidad de Sevilla; Martín Baños, Pedro (2006): El enigma de las jarchars, in: Per Abat, 9–34.
  98. Frenk, Margit (2003): Nuevo corpus de la antigua lírica popular hispánica (siglos XV a XVII), México.
  99. Garvin, Mario (2006): Textual Scholarship and Traditional Lyrics, in: Variants. Journal of the European Association of Textual Scholarship 5, Editing texts on multiple versions, 147–161.
  100. Menéndez Pidal, Ramón (1953): Romancero hispánico (hispano-portugués, americano y sefardí): teoría e historia, Madrid.
  101. Vgl. Deyermond, Alan (1980): Historia y Crítica de la Literatura Española. Bd. 1: La Edad Media, Barcelona, S. 255f.
  102. Garvin, Mario (2007): Scripta Manent. Hacia una edición crítica del romancero impreso (Siglo XVI), Madrid/Frankfurt.
  103. Boutet, Dominique (2012): The Chanson de Geste and the Orality, in: Reichl, Karl (Hgg.): Medieval Oral Literature, Berlin, 353–371, S. 354.
  104. Harvey, Leonard Patrick (1963): „The Metrical Irregularity of the Cantar de Mio Cid“, in Bulletin of Hispanic Studies, XL, 137–143.
  105. De Chasca, Edmund (1972): El arte juglaresco en el Cantar de Mio Cid, 2.a edición revisada, Madrid.
  106. Vgl. Cantar de mio Cid. Edición, prólogo y notas de Alberto Montaner, 2.a edición corregida, Barcelona, 1993.
  107. Boutet, Dominique (2012): The Chanson de Geste and the Orality, in:  Reichl, Karl (Hgg.): Medieval Oral Literature, Berlin, 353–371.
  108. Cantar de mio Cid. Edición, prólogo y notas de Alberto Montaner, 2.a edición corregida, Barcelona, 1993, V. 70.
  109. Cantar de mio Cid. Edición, prólogo y notas de Alberto Montaner, 2.a edición corregida, Barcelona, 1993, V. 3708.
  110. Rychner, Jean (1955): La Chanson de geste. Essai sur l’art épique des jongleurs, Genf/Lille, S. 46–67.
  111. Díaz Migoyo, Gonzalo (2004): „Memoria y fama de Román Ramirez“, in: Lobato, María Luisa/Domínguez Matito, Francisco (Hgg.): 'Memoria de la palabra.' Actas del VI Congreso Internacional de la AISO, Burgos-La Rioja, 15 al 19 de Julio del 2002, Madrid, 39–54.
  112. Selig, Maria (1996): „Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Bereich der trobadoresken Liebdichtung“, in: Röcke, Werner/Schaefer, Ursula (Hgg.): Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Weltbildwandel. Literarische Kommunikation und Deutungsschemata von Wirklichkeit in der Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Tübingen, 9–37.
  113. </ol>

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